Feuerwehrgeschichte : Alle Männer mussten löschen

Ein Graus für die Feuerwehr: zugewachsene und damit schwer zugängliche Löschteiche.
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Ein Graus für die Feuerwehr: zugewachsene und damit schwer zugängliche Löschteiche.

Bis in das 19. Jahrhundert gab es in den mecklenburgischen Dörfern keine vernünftig organisierte Brandbekämpfung.

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12. Januar 2018, 00:00 Uhr

In den mecklenburgischen Dörfern gab es bis in das 19. Jahrhundert hinein keine organisierten Formen der Brandbekämpfung. Ähnlich sah es auch in anderen Regionen aus. Die Dorfschaften waren eigenständig verpflichtet, für die Abwehr von Brandkatastrophen geeignete Maßnahmen zu treffen und dafür notwendige Gerätschaften bereitzuhalten. Zum Inventar des Hofes gehörten daher auch immer Feuerlöschgeräte wie Ledereimer, Feuerhaken, Leitern.

Die Brunnen mussten stets so in Ordnung sein, dass die Wasserentnahme für Eimerketten möglich war. Damit sich Brände schwer ausbreiten konnten, pflanzten die Menschen an den Dorfstraßen große Bäume, deren Fällung genehmigungspflichtig war.

Die erste Aussage zum Feuerlöschwesen findet sich beispielsweise im Domanialdorf Groß Bengerstorf in den Akten von 1828, unterlegt mit einer Skizze. Berichtet wird „Über die Anlegung eines Wasserbehälters im Dorfe Groß Bengerstorf“.

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts tat sich dann etwas auf dem Land. Feuerlöschverbände, auch Spritzenverbände genannt, wurden gegründet. Im Jahre 1836 wird über Pläne für die Erbauung eines Spritzenhauses in Groß Bengerstorf berichtet.

Ein Jahr später bewilligt die großherzogliche Reluitionskommission einen Zuschuss. In dieser Zeit wurden in den Ämtern des Domaniums wegen der häufigen Brände die schon genannten Feuerlöschbezirke angelegt, zu denen eine Reihe von Dörfern gehörten. Dem 1837 gegründeten Spritzenverband Groß Bengerstorf gehörten etwa 13 Leute aus Groß Bengerstorf und Umgebung an, darunter Hauswirte, Pächter, Erbpächter und Erbmüller. Diese mussten sich finanziell an dem Bau des Spritzenhauses und an der Beschaffung der Spritze beteiligen. Mit der Spritzenlieferung beauftragte das Amt den Fabrikanten Krüger in Rehna. Es handelte sich um eine Handdruckspritze. Im Amt Boizenburg wurden derartige Verbände noch in Gülze und Nostorf gebildet.

Betrachtet man die Größe der Verbände, so wird deutlich, dass eine effiziente Brandbekämpfung kaum möglich war. Die Entfernungen nach Gallin und Greven betrugen jeweils etwa neun Kilometer. Für die Organisation der Brandbekämpfung war zunächst der Dorfschulze des Spritzenstandortes zuständig, der später auch Brandmeister genannt wurde. Gemäß der Verordnung über das Feuerlöschwesen von 1878 war in jedem Dorf der Schulze mit der Leitung der Brandbekämpfung betraut. Verständigt werden musste auch das jeweilige Amt, das dann die Leitung der Brandbekämpfung übernehmen konnte. Alle Männer zwischen 18 und 60 Jahren waren verpflichtet, an Übungen und am Feuerlöschdienst im Umkreis von sechs Kilometern teilzunehmen.

Neben den Feuerlöschgeräten der Gemeinde griffen die Männer zusätzlich zu privaten Löschgeräten wie Feuerklatsche und Ledereimer. Der Schulze hatte bei der Brandbekämpfung Polizeigewalt. Er konnte bei Nichtbefolgung seiner Anweisungen Strafen aussprechen.

Wie im Domanialamt Boizenburg wurden Spritzenverbände auch in den anderen Ämtern gebildet. Die Ähnlichkeit des alten Pampower Spritzenhauses mit dem Groß Bengerstorfer deutet auf die gleiche Art der Entstehung und die Anwendung von typisierten Gebäuden hin. Im Internet findet man die Erwähnung weiterer Spritzenverbände in Mecklenburg, so 1863 Brunshaupten, Arendsee, Bastorf und Meschendorf, 1864 Parkentin mit Lambrechtshagen und Allershagen, 1865 Wöbbelin, Dreenkrögen, 1867 Nienhagen, Rethwisch, Börgerende, Bahrenhorst – um nur einige zu nennen. Nach der Aufhebung der ständischen Verfassung in Mecklenburg nach dem Ersten Weltkrieg lösten sich in den 1920er-Jahren auch die Spritzenverbände auf. Fortan bildeten sich Freiwillige Feuerwehren.

Am 1. März 1925 wurde von der Klein Bengerstorfer Gemeindevertretung die Kündigung der Mitgliedschaft im Feuerlöschverband Groß Bengerstorf beschlossen. Am gleichen Tage fasste man auch den Beschluss, eine Handdruckspritze sowie eine Reihe zusätzlicher Gerätschaften bei der Firma Brandt und Söhne in Wismar zu bestellen. 1934 wurde die Spritze durch eine Motorspritze ersetzt. Wahrscheinlich sollte diese Spritze aus den Wasserwagen das Wasser entnehmen. Die Kosten, ca. 2000 Reichsmark, sollten im Dorf umgelegt werden.

Bereits 1927 entschied man, eine Auffahrt für die Wasserwagen am Schaaleufer zu schaffen. „Sollte das Signal der Feuerwehr ertönen, so sind sämtliche Spannviehbesitzer verpflichtet, ihre Pferde aufzuschirren und sich beim Spritzenhaus zu sammeln. Ferner soll ein kleines Schauer für den Wasserwagen gebaut werden neben dem jetzigen Spritzenhaus“, hieß es in einem weiteren Beschluss. Die Gerätschaften einschließlich der Spritze waren auf einem gut sichtbaren rotgestrichenen eisenbereiften Ackerwagen mit Pferdebespannung untergebracht.





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