Familienforscher : Ahnensuche geriet zum wahren Krimi

Das alte Taufbecken in Neukalens Kirche: Hier könnte 1788 der spätere Freiheitskämpfer Friedrich Giertz getauft worden sein
Das alte Taufbecken in Neukalens Kirche: Hier könnte 1788 der spätere Freiheitskämpfer Friedrich Giertz getauft worden sein

Auf den Spuren von Hofbäcker und Freiheitskämpfer: Bernd Görtz lüftete das Rätsel um seine Vorfahren

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26. November 2015, 10:54 Uhr

Woher nur kam sein Urgroßvater Carl Friedrich Ferdinand Görtz? So fragte sich der Rentner Bernd Görtz aus Erlangen und begab sich auf die Suche vom fernen Westen aus in den tiefsten Osten. Dabei scheute der Mann wirklich keine Mühe: Die 15-jährigen Forschungen führten ihn von Mittelfranken nach Mecklenburg und Pommern. Denn 1722 wurde am Hof der Prinzessin Augusta von Mecklenburg-Güstrow in Dargun ein Johann Gertz als Hofbäcker angestellt. Dieser Mann könnte sein Vorfahre sein, vermutete der 77-jährige Familienforscher lange nur. Ab 1760 – der Hof zu Dargun wurde nach dem Tod der Prinzessin 1756 aufgelöst – taucht ein Johann Joachim Gertz im benachbarten Städtchen Neukalen auf und heiratet. „Der Johann Joachim ist mein direkter Vorfahre“, weiß Bernd Görtz heute nach umfangreichen Recherchen in Archiven und Kirchenbüchern.

Lange wusste der wissbegierige Senior nur, dass sein Großvater aus dem hinterpommerschen Kolberg stammte, nach Schlesien verzog und von dort 1945 gen „Westen“ vertrieben wurde. Doch Urgroßvater Carl Friedrich Ferdinand Gertz wurden erst 1845 die Bürgerrechte Kolbergs verliehen. Vordem erlernte er das Sattlerhandwerk im vorpommerschen Demmin. Geboren wurde er in Pommerns Hauptstadt Stettin. Woher also kam sein Ahne wirklich? Diese Frage zu klären half indirekt Ur-Ur-Großvater Friedrich Görtz. Der war zuletzt Torkontrolleur in Kolberg. Sein Nachkomme wälzte Unmengen an Rekrutierungsakten und wurde fündig: 1819 gab es einen in der preußischen Armee als Unteroffizier dienenden, hoch dekorierten Friedrich Görtz. Dieser Friedrich Görtz ist jener Mann, der 1809 als Friedrich Joachim Giertz mecklenburgischer Soldat war.

Und er stammte aus Neukalen. Denn in der dortigen Kirche fand der Nachfahr eine Tafel mit Neukalens Teilnehmern an den Befreiungskriegen – darunter Friedrich Gertz alias Friedrich Görtz. Dieser sollte ein Enkel des Hofbäckers Johann Gertz sein. Endgültige Sicherheit brachte die Notiz einer Erbschaftsangelegenheit aus dem Jahr 1817 in Neukalen: Der Schuhmachermeister Clasen erhielt aus dem Nachlass des Tagelöhners Johann Jochim Geertz ein Haus. Die anderen Erben zahlte er aus. Zu diesen zählte „sein Schwager, der Königlich Preußische Unteroffizier Geertz, Regiment Colberg, Füsilier Bataillon, 9. Companie“.

Das war genau jene Einheit, die Bernd Görtz auch in den preußischen Akten fand. Und die unterschiedlichen Schreibweisen? Ursprünglich stammt der Name vom friesischen Gerhard ab. Daraus wurde Gerd, Gerdes, Gerds, Geertz, Giertz, Gierz, Gertz und später eben Görtz. Ein Namens-Wirrwarr, welches die Suche nicht gerade leichter gestaltete. 

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