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Landwirtschaftskonzept MV : Masterplan: Alles bleibt beim Alten

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Neues Landwirtschaftskonzept in MV bleibt unverbindlich. BUND-Kritik: Papier optimiert lediglich bisherige industrielle Produktion.

svz.de von
erstellt am 09.Dez.2015 | 06:20 Uhr

Strategiestreit am Feldrand: Der heute von einer 28-köpfigen Expertenkommission nach vierjähriger Konzeptarbeit Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) vorgelegte Abschlussbericht zur Neuausrichtung der Landwirtschaft in MV sorgt bereits im Vorfeld für Wirbel. Kein Ziel, keine nachhaltige Landwirtschaft, keine Ökologisierung: „Alles bleibt beim Alten“, kritisierte Burkhard Roloff, Agrar-Experte des Bundes für Umwelt und Natur (BUND) und Mitherausgeber des zu Jahresbeginn vorgestellten alternativen Sieben-Punkte-Plans zum Umbau der Landwirtschaft in MV. In dem Backhaus-Papier gehe es lediglich um die „Optimierung der bestehenden, nachweislich nicht nachhaltigen industriellen Tier- und Pflanzenproduktion in MV“.

Dabei hatte Backhaus 2012 nach einer Reihe von Skandalen in Tieranlagen und der Lebensmittelproduktion angekündigt, ein Konzept zur Neuorientierung der Landwirtschaft vorzulegen. Das Papier bleibe aber hinter den Ankündigungen zurück, meinte Roloff. So werde z. B. der Öko-Landbau als Alternative zur industriellen Landwirtschaft nicht erkannt. Es würden zwar 123 Handlungsempfehlungen gegeben, die aber nicht verbindlich genug seien. Es fehlten Ansätze, regionale Erzeugnisse ökologisch zu erzeugen, zu verarbeiten und vor Ort zu vermarkten, meinte Roloff. Auch geht das Konzept u. a. davon aus, dass sich beispielsweise die Humusversorgung der Böden in MV stabilisiert, obwohl sich der Zustand der Böden Roloff zufolge durch die Gabe von Kunstdünger und Gülle, ohne Fest-Mist bzw. Kompost weiter verschlechtert habe. Und so bleibt das 44-seitige Papier sogar hinter eigenen Ankündigungen zurück und begnügt sich mit Handlungsempfehlungen, „die auf einem möglichst hohen Grad von Gemeinsamkeiten“ beruhen.

Bei einem der wichtigsten Kritikpunkte legt sich die Perspektivkommission aber nicht fest: Trotz Ankündigung konnten sich die Experten nicht auf eine Obergrenze für die Tierhaltung einigen. Ex-Bildungsminister und Chef der 28-köpfigen Perspektivkommission Robert Metelmann hatte vor zwei Jahren noch erklärt, ein künftiger Masterplan müsse konkrete Vorgaben enthalten: „Da muss es eine Zahl geben“, sagte Metelmann damals. Davon ist in dem Abschlussbericht nichts geblieben: In dem Bericht werden zwar regional „sehr große Bestände an einem Ort“ konstatiert, die Festlegung „einer absoluten Tierzahl im Sinne einer Bestandsobergrenze“ aber abgelehnt. Sie sei „weder wissenschaftlich begründet ... noch fachrechtlich derzeit durchsetzbar“, heißt es. Das Konzept begnügt sich mit dem Hinweis, die Landesregierung möge die Festlegung von Obergrenzen „prüfen“. Damit sei eines der heißen Eisen in der Debatte um die Zukunft der Landwirtschaft nicht angefasst worden, kritisierte Roloff.

Einzig der BUND drängt in dem Papier auf konkrete Obergrenzen – 1500 Mastschweine, 560 Sauen, 600 Kühe, 30 000 Mastgeflügel je Stall.

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