Inklusion als Studienfach : Master in sozialer Vielfalt

Pädagogik-Professorin Anke Kampmeier
Pädagogik-Professorin Anke Kampmeier

Positive Bilanz nach einem Jahr Inklusionsstudium in Neubrandenburg

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09. April 2015, 12:00 Uhr

„Das Thema Inklusion wird viel zu oft nur auf die Schulbildung reduziert“, sagt Anke Kampmeier. Deshalb hat die Pädagogik-Professorin an der Hochschule Neubrandenburg mit Gleichgesinnten ein Konzept erarbeitet, wie man Benachteiligungen in vielen Feldern der Gesellschaft beseitigen kann. Ergebnis: Seit einem Jahr studieren Frauen und Männer aus Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen neben ihrem Beruf „Organisationsentwicklung und Inklusion“. Das Studium endet nach zweieinhalb Jahren mit „Master-Abschluss“ und wurde nun auch zertifiziert.

Das Konzept aus Neubrandenburg beschränkt Inklusion nicht auf Schulbildung, sondern klingt eher wie „Weltverbessern“. „Es gibt alle möglichen Verschiedenheitsmerkmale: Geschlecht, Alter, Nation, Religion oder Behinderungen“, erläutert Kampmeier. „Wir wollen auf alle Benachteiligungen, die daraus entstehen, verzichten“, ergänzt ihre Mitstreiterin Steffi Kraehmer.

Dabei sei die Wirtschaft in manchen Punkten schon viel weiter als andere Gesellschaftsbereiche. Vor dem Hintergrund einer schrumpfenden und  älter werdenden Gesellschaft hätten größere Firmen schon längst erkannt, wie sie Arbeitskräfte rekrutieren müssten. So vergibt die deutsche Wirtschaft seit längerem eine Inklusionspreis. Für die Beseitigung von Nachteilen wollen sich auch Marie Rentz und Steffen Theel einsetzen. Die 27-jährige Sozialarbeiterin aus Malchow (Kreis Mecklenburgische Seenplatte) und der Sozialpädagoge und angehende Psychotherapeut aus Zehdenick in Nordbrandenburg gehören zu den 18 Erststudenten. Rentz betreut bei einem sozialen Träger Schulabbrecher, die ihre Abschlüsse nachholen. Theel arbeitet in einer intensiv-therapeutischen Einrichtung für Kinder und Jugendliche. „Ich will erreichen, dass unsere Absolventen von den Firmen so gesehen werden, wie ihre eigenen Lehrlinge“, erklärt Rentz.

In fünf Semestern werden die Studenten online betreut. Sie kommen an vier Wochenenden pro Halbjahr nach Neubrandenburg und lernen im Sommer andere Projekte kennen. „Zuletzt waren wir in Neudorf bei Wien in Österreich bei einer internationalen Sommerhochschule“, erzählt Kraehmer. Ein Partner im Nordosten sei ein Verein in Ueckermünde (Kreis Vorpommern-Greifswald), der das erste behindertengerechte Hochsee-Segelschiff betreibt.

Voraussetzung für das Masterstudium ist ein Bachelor-Abschluss in einer Geistes- oder Erziehungswissenschaft. Auch eine Mitarbeiterin aus dem Bundesarbeitsministerium sei inzwischen ins Studium eingestiegen. Mittlerweile habe eine Hochschule in Darmstadt einen ähnlich gelagerten Studiengang aufgelegt. Für die Motivation der Studenten spricht, dass sie mehrere Tausend Euro für die Ausbildung bezahlen.

Der neue Studiengang ist eine von mehreren Neuerungen, die am 18. April beim Hochschulinformationstag vorgestellt werden.

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