Lösung im Streit um Philosophen : Marx-Statue kommt in Kunstsammlung

Das Karl-Marx-Denkmal stand bis 2001 im Zentrum von Neubrandenburg.
Das Karl-Marx-Denkmal stand bis 2001 im Zentrum von Neubrandenburg.

Was macht man mit einem Denkmal, das einst die Macht der Herrscher in der DDR symbolisieren sollte? Um diese Frage wurde in Neubrandenburg heftig gestritten. Nun gibt es eine Lösung: Die Statue kommt in die Kunstsammlung und bekommt auch eine historische Einordnung.

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23. März 2018, 20:30 Uhr

Im Streit um die Neuaufstellung des Karl-Marx-Denkmals in Neubrandenburg ist eine Lösung gefunden worden. Wie Oberbürgermeister Silvio Witt (parteilos) am Freitag erklärte, soll die 2,20 Meter hohe Bronzestatue, die seit 17 Jahren im Depot liegt, künftig im Hof der Städtischen Kunstsammlung ihren Platz finden. „Das habe ich mit den vier Fraktionsvorsitzenden der Stadtvertretung so abgesprochen.“ Damit bleibe das Denkmal des Berliner Künstlers Gerhard Thieme öffentlich sichtbar und werde entideologisiert. Der wochenlange Streit um das „sozialistische Herrschaftssymbol“, wie es Stadtvertreter nannten, hatte überregional für Schlagzeilen gesorgt.    Erst am Donnerstagabend hatte es eine lange, emotionale Debatte in der Stadtvertretung gegeben. Die Linke wollte das Denkmal wieder aufrecht im Stadtbild sehen. Sie wollte auch verhindern, dass die Statue liegend in 90 Zentimetern Höhe angebracht wird. Diese ungewöhnliche Variante hatte Witt vorgeschlagen und die Diskussion um Marx und die Stadtgeschichte ausgelöst. Die Linke zog ihren Antrag aber wieder zurück, da keine Mehrheit absehbar war. Auch für „Marx liegend“ fand sich keine Mehrheit.„Diese Diskussion hat eindeutig gezeigt, dass zwischen der Philosophie und Ideologie von Karl Marx und dem Kunstwerk von Gerhard Thieme unterschieden werden sollte“, sagte Witt. Für ihn stehe das Denkmal für 40 Jahre in der Geschichte Neubrandenburgs, in denen nicht in Freiheit und Offenheit diskutiert werden durfte. Um die Debatte nicht ohne Not zu verlängern, habe man sich auf die Kunstsammlung als Standort geeinigt. Ein Zeitpunkt stehe noch nicht fest. Dort soll das Kunstwerk auch historisch eingeordnet werden.

Die Statue des Philosophen war 1969 anlässlich des 20. Jubiläums der DDR auf dem Markt aufgestellt worden. Der Markt hieß damals Karl-Marx-Platz, wurde aber nach 1989 umbenannt. Die Statue wurde erst umgesetzt, stand bis 2001 vor der Bibliothek und musste aus bautechnischen Gründen dann ins Depot.

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