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170 Soldaten vor Einsatz in Krisenregion : Marschbefehl Richtung Türkei

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Die „Patriot“-Flugabwehrraketen könnten in Kürze an der türkisch-syrischen Grenze einsatzbereit sein. Das sagte Oberst Ellermann gestern in Gnoien-Warbelow. Ein genaues Verlegedatum der Soldaten ist noch nicht bekannt.

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erstellt am 18.Dez.2012 | 07:40 Uhr

Rostock | Sieben große Lastwagen rauschen heran, Soldaten springen heraus. Jeder Handgriff sitzt, binnen weniger Minuten ist das Flugabwehrraketensystem "Patriot" einsatzbereit. Die Offiziere scheinen zufrieden, die jahrelange Ausbildung zeigt Früchte. Das gestern in Warbelow bei Gnoien (Mecklenburg- Vorpommern) vorgestellte Übungsszenario der Patriot-Soldaten des Flugabwehrraketengeschwaders 1 kann bald Realität werden. Denn zwei Patriot-Staffeln aus den mecklenburgischen Kleinstädten Sanitz und Bad Sülze werden in Kürze in den türkischen Südosten verlegt. Dort sollen bis zu 400 deutsche Soldaten im Auftrag der Nato die Türkei gegen mögliche Raketenangriffe aus Syrien schützen.

"Wir sind gut auf den Einsatz vorbereitet", sagt der 31-jährige Hauptfeldwebel Timo R. "Und wenn der Bundestag entscheidet, uns irgendwohin zu entsenden, dann machen wir das." Dem Familienvater, den es vor einigen Jahren aus dem Sauerland ins Mecklenburgische verschlagen hat, gehen Worte wie Hilfe oder Bündnissolidarität leicht über die Lippen. Aber: "Sicherlich ruft man nicht Hurra, denn gerade auf die Familie kommt in den nächsten Monaten doch eine erhebliche Belastung zu." Nach Bundeswehrangaben sind für Soldaten zunächst drei Monate Einsatz beim Nato-Partner vorgesehen. "Meine Familie steht zu 100 Prozent hinter mir, das macht es mir relativ einfach", betont Timo.

Bei ihm wie bei vielen anderen Soldaten ist Unsicherheit eines der beherrschenden Gefühle. Da geht es aber nicht um Angst vor einer unkalkulierbaren Eskalation des Konflikts in Syrien und eine Ausweitung auf die Türkei. Einige der Soldaten haben schon Einsätze in Afghanistan hinter sich. Eine derartige Konfliktsituation sieht derzeit niemand. Bei den meisten geht es eher um praktische Fragen des Lebens in den kommenden Monaten: Unterkunft, Verpflegung, Kontakte nach Hause zu Frauen und Kindern.

In der Türkei hat Timo zusammen mit dem gleichaltrigen Oberleutnant und Feuerleitoffizier Dan einen der wohl entscheidensten Jobs in der Staffel. Beide sitzen in dem auf einem Lastwagen angebrachten Leitstand. "Bei uns laufen die Fäden zusammen." Im Leitstand kommen alle Informationen an, das Radarbild ist zu sehen.

"Wir führen den Feuerkampf", sagt der groß gewachsene Oberleutnant. Sollte das Radargerät allerdings keine Rakete, sondern einen taktischen Flugkörper erkennen, reagiert das ganze Verteidigungssystem automatisch.

"Ich hoffe natürlich nicht, dass es soweit kommt", sagt Dan. Er sei zwar nicht "einsatzgeil", aber dennoch verspüre er einen gewissen Stolz, im ersten Einsatzkontingent dabei zu sein.

Es ist für die Patriot-Staffeln überhaupt das erste Mal, dass sie in einem realen Einsatz sind. Da wird viel die Routine helfen, die in zahlreichen Übungen der vergangenen Jahre erworben wurde. Erst vor wenigen Monaten hatten die Soldaten auf Kreta geübt und dabei die gewaltige Feuerkraft der Patriot-Flugabwehrraketen erlebt. "Auf Kreta weiß man aber, da fliegt man nach dem Üben wieder nach Hause", sagt der 34-jährige Hauptmann Steffen. Nun aber ist der Ernstfall angesagt. Was der mit sich bringen wird, kann heute keiner sagen.

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