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Mecklenburg-Vorpommern

24. November 2017 | 19:50 Uhr

Marinesoldaten fesseln Vorgesetzten

vom

svz.de von
erstellt am 27.Feb.2013 | 10:04 Uhr

Beirut/Rostock | Bei einer Auseinandersetzung auf dem Schnellboot S73 "Hermelin" vom ersten Korvettengeschwader in Rostock-Warnemünde, ist ein vorgesetzter Bootsmann von mehreren Obermaaten angegriffen worden. Der Vorfall ereignete sich bereits am 15. Februar im Hafen von Beirut, wie das Einsatzführungskommando in Potsdam bestätigte. Der Bootsmann wurde aus seiner Koje gezogen, mit Tape und einem Spanngurt auf einem Tisch fixiert und anschließend am Bein bemalt.

Die vier Täter sollen, nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung", dem Deutschen thailändischer Herkunft die Worte: "Hier wohnen die Mongos" auf die Haut geschrieben haben. Die Beschuldigten wurden inzwischen aus dem Einsatz vor der Küste Libanons abgezogen und nach Deutschland zurückgeschickt. Gegen weitere Soldaten, die möglicherweise beteiligt waren, wird noch ermittelt. Weitere personelle Maßnahmen werden geprüft. Zwei der Soldaten sollen von der Aktion Bilder mit ihren Mobiltelefonen gemacht haben. Diese sollen auf Befehl gelöscht worden sein.

Spekulationen über einen möglichen rassistischen Hintergrund trat das Bundesverteidigungsministerium gestern entgegen. Aus dem Verteidigungsausschuss des Bundestags hieß es, es habe sich um einen Racheakt gehandelt, nachdem der Bootsmann seine Untergebenen schlecht behandelt habe.

Dem Angriff soll nach Angaben von Abgeordneten eine Provokation des Vorgesetzten vorausgegangen sein. Er soll seinen Untergebenen mit den Worten "Da schlafen die Mongos" ihre Kojen zugewiesen haben.

Wegen Platzmangels habe er schließlich im selben Raum mit den Obermaaten schlafen müssen und sei dann von ihnen aus der Koje gezerrt worden.

Marine-Inspekteur Axel Schimpf verurteilte den Angriff von Bundeswehrsoldaten auf einen Vorgesetzten im Libanon-Einsatz scharf und kündigte harte Ermittlungen an. "Derartige Fälle dulde ich nicht in unserer Marine", sagte er der Zeitung "Die Welt" . "Deswegen wird nun mit der gegebenen Härte ermittelt. Intern sind sofort die nötigen Konsequenzen gezogen worden."

Der stellvertretende Ministeriumssprecher Christian Dienst sprach von einem "höchst bedauernswerten Einzelfall". CDU-Verteidigungsexperte Ernst-Reinhard Beck betonte, der Fall sei "kein Politikum".

Der Vorfall wurde am 22. Februar wegen des Verdachts eines tätlichen Angriffs auf einen Vorgesetzten an die Staatsanwaltschaft Rostock abgegeben. Der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Holger Schütt konnte bislang noch keine Auskunft über den Vorfall geben. Die Unterlagen befänden sich noch auf dem Weg, noch sei nichts bei der Staatsanwaltschaft eingegangen. "Freitag wurde die Abgabe des Vorfalls an uns beantragt, bisher haben wir jedoch noch keine Unterlagen erhalten. Erst dann können wir Auskunft über den Fall geben."

Mehr als zwei Jahre ist es her, dass die Marine der Bundeswehr zuletzt wegen Auseinandersetzungen innerhalb einer Schiffsbesatzung in die Schlagzeilen geriet. Damals ging es um das Segelschulschiff "Gorch Fock", den Stolz der Marine. Nach dem Tod einer Kadettin machten Berichte über angeblich chaotische Zustände auf dem Dreimaster die Runde. Der Kapitän wurde abgesetzt, der damalige Minister Karl-Theodor zu Guttenberg geriet in Bedrängnis und sogar über ein Ende der "Gorch Fock" als Schulschiff wurde nachgedacht. Derartige Auswirkungen wird der jetzt bekannt gewordene Angriff sicher nicht haben. Das liegt unter anderem daran, dass Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) sich grundsätzlich in die Aufklärung solcher Vorfälle nicht einschaltet - er überlässt es den zuständigen Stellen in der Truppe.

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