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Freiwilligendienst in Chile : Marie geht weltwärts

vom
Aus der Onlineredaktion

Ein Jahr im Land, wo die Welt zu Ende ist... oder wo sie beginnt. Marie Eckermann aus Schwerin berichtet ein Jahr lang von ihrem Freiwilligendienst in Chile

Abitur geschafft, zwölf Jahre Schule liegen hinter mir. Das war’s jetzt also. Jetzt bin ich frei, kann das Leben auskosten. Doch was mache ich mit meiner Freiheit? Gehe ich gleich studieren? Es gibt so vieles, was mich interessiert. So sehr es mich reizen würde, sofort ins Studentenleben einzutauchen – ich habe mich für ein Auslandsjahr entschieden. Nicht etwa für „Work and Travel“ oder „Au Pair“, sondern für einen entwicklungspolitischen Freiwilligendienst in Chile, gefördert durch das Programm „weltwärts“. Entsenden wird mich Via e.V., ein Verein für internationalen und interkulturellen Austausch.

Die kommenden zwölf Monate werde ich in der Stadt Santa Bárbara im geografischen Zentrum Chiles leben und dort in einem Kinderheim arbeiten, in dem Kindern der indigenen Bevölkerung – der Mapuche – aus schwierigen Familienverhältnissen ein zweites Zuhause geboten wird.

Santa Bárbara ist eine Stadt mit 19 000 Einwohnern, von der Größe vergleichbar mit Parchim. Meine Aufgaben werden vor allem in der Kinderbetreuung, Hausaufgabenhilfe und Organisation des Alltags in diesem Heim bestehen. Die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen macht mir sehr viel Spaß, deshalb habe ich mich für ein Projekt mit dieser Altersgruppe entschieden. Und ich werde für meine Heimatzeitung, die „Schweriner Volkszeitung“, von meinen Erlebnissen berichten.


Wie ich darauf gekommen bin, einen Freiwilligendienst in Chile zu leisten


Schon immer wollte ich einmal für längere Zeit ins Ausland und nicht nur den Urlaub dort verbringen. Die Zeit zwischen Abitur und Studium ist ideal dafür. Ich bin neugierig und offen für andere Kulturen und Sprachen. Und ich möchte etwas Sinnvolles leisten, was nicht nur mir, sondern auch anderen Menschen etwas bringt! Die Welt zu retten, ist ein unrealistisches Ziel für mich und erst recht für ein Jahr – zwölf Monate, 365 Tage.

Mir ist klar, dass ich allein mit meiner Arbeit während des Freiwilligendienstes die gesellschaftliche Situation in Chile nicht verändern werde. Meine Mitarbeit vor Ort kann aber ein kleiner Teil einer größeren Veränderung werden. Indem ich in dem Kinderheim mithelfe, kann ich den Alltag der Kinder durch meine eigenen Ideen bereichern, die Betreuer entlasten und nebenbei viel über die chilenische Lebensweise und Kultur lernen.

Ich möchte über den Tellerrand hinausschauen und meine Energie und Fähigkeiten in einem Projekt an einem Ort dieser Welt einsetzen, wo die Lebensbedingungen der Menschen nicht so gut sind wie in Deutschland. Ich möchte lernen, wie es ist, unter völlig anderen Bedingungen und in einer anderen Kultur zu leben. Meiner Ansicht nach kann man erst über andere Lebensumstände urteilen, wenn man sie selbst erlebt hat. Ein Perspektivwechsel nach den Jahren in der „Komfortzone Elternhaus“ ist auf jeden Fall gut!

 

Was mich bewegt, ausgerechnet nach Chile zu gehen


Die geografische Vielfalt des Landes hat mich am meisten an dem Andenstaat fasziniert. Das 4300 Kilometer lange und durchschnittlich nur 180 Kilometer breite Chile vereint nicht nur alle Klimazonen der Erde sowie Wüste und Gletscher, Ozean und Hochgebirge oder Vulkane und Regenwälder. Auch gesellschaftlich ist das Land sehr spannend.Die Bevölkerung zeichnet sich durch einen hohen Anteil von Nachfahren eingewanderter Europäer aus, nur noch fünf Prozent der Chilenen gehören zur indigenen Bevölkerung, der Mapuche. Die Sprache der Ureinwohner, das Mapudungun, wird an wenigen Schulen noch als Nebenfach unterrichtet. Durch den hohen Anteil europäischer Nachfahren bestimmt europäisches Flair den Großteil des Landes. Die Leistungen deutscher Einwanderer, Wissenschaftler und Unternehmer im Süden Chiles (ab 1850) finden noch heute Anerkennung. Insbesondere im Süden des Landes sind deutsche Kultur und Sprache auch heute noch präsent. Die deutsche Sprache wird sehr gefördert, rund 24 000 Schüler und Studenten lernen sie als Fremdsprache.

Wirtschaftlich gesehen gehört Chile zu den führenden Nationen Südamerikas. Die Chilenen werden oft als besonders gastfreundlich und hilfsbereit charakterisiert. Familie und Freundschaft haben in der chilenischen Gesellschaft einen absolut hohen Stellenwert.

Ich weiss, auch ich werde mich verändern


Heute werde ich in Hamburg in den Flieger steigen, um über Paris in Richtung Santiago de Chile in ein großes Abenteuer aufzubrechen, von dem ich jetzt noch nicht weiß, wie es ausgeht. Gestern habe ich zu Hause noch meinen Rucksack gepackt. So weit weg von zu Hause wird es auch Tage geben, an denen Dinge schieflaufen, ich Heimweh bekomme und am liebsten den nächsten Flieger nehmen würde.

Ich weiß nicht, wie sehr ich mich verändern werde und ob ich die Welt danach noch so sehe, wie ich es jetzt tue. Aber eins weiß ich ganz gewiss: Ich werde wieder nach Hause kommen, in einem Jahr – und dann angefüllt von neuen Erfahrungen und Erinnerungen sein.

Weltwärts
Weltwärts ist ein entwicklungspolitischer Freiwilligendienst, der vom Bundesentwicklungshilfeministerigefördert wird. Ziel dieses Programms ist es, jungen Menschen zu ermöglichen, sich in Entwicklungs- und Schwellenländern ehrenamtlich sozial zu engagieren. Dadurch können die Freiwilligen die Kultur des Gastlandes verstehen lernen, was zur Vorbeugung von Vorurteilen dienen soll.
Während des Jahres und davor erhält der Freiwillige pädagogische Begleitung. Die Freiwilligen bekommen keinen Lohn für ihre Arbeit, sondern ein monatliches Taschengeld.

 

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