Aus dem Gerichtssaal : Mann greift Rentnerin im Zug an - „ein Pulverfass“

37-Jähriger verletzt 76-Jährige mit einer zerbrochenen Flasche schwer. Immer wieder Gewaltausbrüche

von
12. Mai 2017, 20:45 Uhr

Schon als der Zug mittags vom Hauptbahnhof Hamburg losfuhr, fühlte sich Hannelore W. nicht mehr recht wohl in diesem Regionalexpress. Ein paar Sitzreihen von ihr entfernt saß an jenem 9. November vergangenen Jahres ein Mann, der Bier trank und fast pausenlos laut schimpfte. Vor allem über Frauen zog er unflätig her. Die 76-jährige Rentnerin schaute angestrengt aus dem Fenster, um den provozierenden Blicken des Mannes nicht begegnen zu müssen.

Kurz vor Hagenow warf der Mann plötzlich eine seiner leeren Bierflaschen nach Hannelore W. Dann stand er auf, schlug ihr mit einer anderen Flasche über den Kopf, zerschlug die Flasche und stach damit der Rentnerin ins Gesicht.

„Ich war total perplex“, berichtete die Angegriffene als Zeugin vor Gericht. Sie hatte mit nichts dergleichen gerechnet.“ Vielleicht griff der Mann sie an, weil niemand auf seine Pöbeleien reagiert hatte und „ich das schwächste Glied“ unter den Fahrgästen war. Mit ihr saßen vor allem ältere Frauen und einige Mütter mit ihren Kindern im Zug. „Vielleicht musste er sich irgendwie austoben“, mutmaßte die alte Dame über ihren Angreifer. Zwei große Narben erinnern sie an den verhängnisvollen Tag, wann immer sie in den Spiegel schaut.

Als sie das blutüberströmte Gesicht der Rentnerin sahen, holten Mitreisende Hilfe. Zwei Polizisten brauchte es, um den Angreifer zu bändigen. Das Landgericht Schwerin wies den 37-jährigen Mann aus Wismar nun auf unbestimmte Zeit in eine geschlossene psychiatrische Klinik ein, weil weiter Gefahr für die Allgemeinheit von ihm ausgeht.

Er ist drogensüchtig und leidet an einer Psychose, weshalb er schuldunfähig ist und für die Tat nicht bestraft wurde. Er leidet an Wahnvorstellungen und fühlt sich häufig verfolgt.

Auch vor dem Angriff auf die Rentnerin, so erzählte er einem Gutachter, habe er Stimmen gehört, die ihn warnten, dass die Frau ihm Böses wolle.

Dem Angriff im Zug waren zahlreiche andere Gewaltausbrüche vorangegangen. Seit seiner Jugend nahm der Beschuldigte Drogen. Sie lösten jedoch nicht seine psychische Krankheit aus, sondern verdeckten sie. Immer wieder pöbelte er Passanten an, so auch die Apothekerin, bei der er Ersatz-Medikamente für seine Sucht bekam.

Er griff in einer Klinik und im Obdachlosenheim Mitarbeiter und Mitbewohner an. Im März 2016 schlug er nachts am Hafen in Wismar einem Kutter-Matrosen einen Hammer auf den Kopf. Bis 2015 wohnte er noch im Elternhaus, dann wurde es auch seiner Mutter und seinem Stiefvater zu viel.

Ein Gutachter wunderte sich vor Gericht, dass nicht viel früher in den Werdegang des Beschuldigten eingegriffen wurde. Der zeige weder Einsicht noch Reue und sei „ein Pulverfass“.

Das Risiko sei groß, dass er in seinem Wahn jemanden umbringt, falls er in Freiheit bleibe.
 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen