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Prozess in Schwerin : Mann gesteht Kindesmissbrauch

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

44-Jähriger räumt vor Gericht sexuelle Übergriffe auf Sohn und dessen Freund ein / Lebensgefährtin zeigt sich als nachsichtige Fürsprecherin

Mit leiser und stockender Stimme hat ein Mann aus Lübtheen vor dem Landgericht Schwerin gestanden, über mehrere Jahre seinen eigenen Sohn und einen Freund des Kindes immer wieder missbraucht zu haben. Mehrfach bekundete er gestern vor der dritten Strafkammer, es täte ihm leid. Er bestritt allerdings, pädophil, also generell sexuell Kindern zugeneigt zu sein. Als nachsichtige Fürsprecherin des Angeklagten präsentierte sich vor Gericht die Mutter seines Sohnes, mit der er seit über 20 Jahren liiert ist.

Der 44-jährige gelernte Lagerarbeiter ist wegen mehrfachen, teilweise schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern angeklagt. Im April 2007 hat er seinen damals zehn Jahre alten Sohn beim Fernsehgucken auf der Wohnzimmercouch zum ersten Mal ausgezogen und an den Genitalien gestreichelt. In den Monaten darauf gingen seine Übergriffe deutlich weiter. Ab 2009 wandte er sich einem um ein Jahr älteren Freund seines Sohnes zu und missbrauchte ihn offenbar, wenn dieser am Wochenende zum Übernachten blieb. Die Mütter der Kinder waren damals befreundet. Von diesem Jungen wusste der Angeklagte, dass sich bereits früher jemand an ihm vergangen hatte.

Der Sohn hat dem Vater wohl irgendwann gesagt, dass er mit diesen Übergriffen aufhören solle. Dennoch machte er weiter. Andeutungen gegenüber der Mutter wurden offenbar zu einem einmaligen und angeblich eher harmlosen Zwischenfall beim Baden umgedeutet.

Die Staatsanwaltschaft legt dem Mann 32 Taten zur Last, die zwischen 2007 und 2010 stattfanden, ohne jeweils genau den Tag benennen zu können. Angezeigt wurde der Angeklagte im Juni 2011 von seiner Lebensgefährtin. Sie will gemerkt haben, dass sich der Freund des gemeinsamen Sohnes merkwürdig benahm und entlockte ihm letztlich das dunkle Geheimnis.

Da er während der Ermittlungen den Missbrauch gestand, außerdem einen festen Wohnsitz hat und nicht zu fliehen droht, kam er nicht in Untersuchungshaft. Unscheinbar in grauem Pullover und Jeans gekleidet saß er gestern auf der Anklagebank und biss sich immer wieder verlegen auf die Unterlippe. Es habe damals mit seiner Lebensgefährtin im Bett nicht so gut funktioniert, berichtete er auf bohrende Nachfragen des Vorsitzenden Richters Armin Lessel. „Weil ich an meiner Freundin hänge“, habe er jedoch keinen Kontakt zu anderen Frauen gesucht. An seinem Sohn habe er sich also vergangen, „weil der gerade da war?“, wollte Lessel wissen. „Kann sein“, nuschelte der Angeklagte. Allerdings schien Lessel ihm diese Erklärung für den immerhin mehr als drei Jahre anhaltenden Missbrauch von Kindern nicht abzunehmen. Auch ein Gutachter erklärte, Tests mit dem Angeklagten deuteten darauf hin, dass er pädophil sei – und wahrscheinlich Hilfe brauche.

Seine um einige Jahre ältere Lebensgefährtin wollte indes fast nur Gutes über den Angeklagten berichten. Er sei „ein wunderbarer Mensch“ und sei „der beste Freund, den ich habe“. Er habe sie einst aus einer schweren Lebenskrise herausgeholt. „Ich werde ihn nie fallen lassen.“ Sie könne sich nicht vorstellen, dass ihr Freund noch einmal Kinder missbrauchen werde, beteuerte sie. Längst leben sie offenbar wieder fast so wie zu jener Zeit, bevor der Missbrauch ans Licht kam.

Dem Angeklagten drohen zwischen zwei und sieben Jahren Haft. Das Urteil soll Anfang kommender Woche fallen.  

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