"Mann der Wärme" steuert Wadan-Werften

von
19. August 2009, 08:14 Uhr

Rostock | Bei Deutschlands drittgrößtem Schiffbauer stehen die Zeichen auf Neuanfang. Die langfristige Zukunft der insolventen Wadan-Werften in Wismar und Warnemünde, die als Nordic Yards abermals in russischer Hand neu starten, ist aber weiterhin unsicher. Der tags zuvor vom Gläubigerausschuss abgesegnete Verkauf an den russischen Investor Igor Jussufow löste gestern Zuversicht in der Belegschaft aus. Jedoch warnten sowohl Betriebsräte als auch Landespolitiker vor Euphorie. Die Linksfraktion lud die Koordinatorin für maritime Wirtschaft im Bundeskabinett, Dagmar Wöhrl (CSU), zu einer Sondersitzung des Wirtschaftsausschusses ein. Die FDP forderte die Gründung eines Hilfsfonds für angeschlagene Wadan-Zulieferer. Insolvenzverwalter Marc Odebrecht macht Druck, um die Gespräche mit den letzten großen Auftraggebern, der schwedischen Fährreederei Stena Line und der Rostocker Reederei Laeisz voranzutreiben.

Der neue Besitzer der Wadan-Werften gilt in Russland als "Mann der Wärme" mit besten Kontakten in höchste Moskauer Kreise. Igor Jussufow löste 2001 mitten in der schlimmsten Kältewelle seit einem halben Jahrhundert den damaligen Energieminister Alexander Gawrin ab, dem Präsident Wladimir Putin "chronische Unfähigkeit" vorgeworfen hatte. Fortan wurde Jussufow als der Mann wahrgenommen, der wieder Wärme in die Wohnungen Sibiriens brachte.

Die engen Verbindungen des 53-Jährigen in den inneren Zirkel der mächtigen russischen Energiewirtschaft sind bis heute geblieben: Während der Ex-Minister seit 2004 selbst im Aufsichtsrat des staatlichen Energieriesen Gazprom sitzt, leitet sein Sohn Witali die Moskauer Niederlassung des Pipeline-Konsortiums Nord Stream. Das Unternehmen, an dem Gazprom beteiligt ist, plant den Bau einer Leitung von Russland durch die Ostsee nach Lubmin bei Greifswald. Nach Einschätzung russischer Medien kommt das Geld für den Kauf der Wadan-Werften - rund 40 Millionen Euro - kaum von Vater und Sohn allein. Auch die staatliche Schiffbau-Holding OSK und der Unternehmer Sergej Pugatschow leisteten "Unterstützung". Pugatschow gilt als Vertrauter des heutigen Regierungschefs Putin.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen