Ratsvorsitzende fordert Gespräche und Kompetenzzeugnis : Mangelhaft: Kopfnoten fallen bei Eltern durch

Der Landeselternrat ist gegen die Wiedereinführung der Benotung des Sozialverhaltens der Schüler. Die Kopfnoten sind ein zentrales Thema auf der Tagung des Gremiums, die heute in Plau am See beginnt.

svz.de von
08. März 2013, 08:33 Uhr

Schwerin | Im Landeselternrat regt sich Widerstand gegen die Kopfnoten, die Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD) wieder als Ziffernnoten auf den Schulzeugnissen einführen will. Wichtiger seien regelmäßige Gespräche zwischen den Klassenlehrern, den Eltern und den betroffenen Schülern, sagte die Vorsitzende des Landeselternrates, Martina Richter, im Gespräch mit dieser Zeitung.

Die Kopfnoten sind ein zentrales Thema auf der Frühjahrstagung des Gremiums an diesem Wochenende in Plau am See.

Regelmäßige Gespräche zwischen Lehrern, Eltern und Kindern sollten zur Pflicht werden, so Martina Richter. Dabei sollte gegebenenfalls verbindlich festgelegt und schriftlich festgehalten werden, ob und wie das Arbeits- und Sozialverhalten einer Schülerin oder eines Schülers verändert werden sollte. Martina Richter: "Dadurch würden auch die Eltern viel stärker in die Verantwortung genommen, ihren Teil dazu beizutragen, dass ein Kind sein Verhalten ändert." Ziffernnoten für Betragen, Mitarbeit, Fleiß und Ordnung jedenfalls würden nicht von allen Eltern so ernst genommen, wie die Lehrer es sich vielleicht wünschen. Verbindliche Gespräche könnten mehr bewirken.

Richter sagte, auch Unternehmer könnten anhand der Kopfnoten auf den Zeugnissen kaum auf den Charakter eines potenziellen Lehrlings schließen. Deshalb sollten Schulabgänger ein "Kompetenzzeugnis" bekommen, in dem ihre Stärken und Schwächen beschrieben werden. Vor allem die CDU hatte die Forderung der Wirtschaftsverbände unterstützt, wieder Kopfnoten einzuführen.

Martina Richter räumte ein, dass es auch im Landeselternrat Delegierte gibt, die Kopfnoten befürworten. Zudem seien in den Texten der Gesamteinschätzungen, die die Klassenlehrer für die Zeugnisse am Ende eines Schuljahres verfassen müssen, meist Floskeln enthalten, die längst "versteckten" Ziffernnoten entsprechen. Zweifellos habe auch das Argument von Bildungsminister Brodkorb Gewicht, der Lehrer vom Schreiben langer Texte entlasten will, damit sie mehr Zeit für den Unterricht haben.

Der Widerstand aus den Reihen des Landeselternrats wird die in Ziffern ausgedrückten Kopfnoten allerdings kaum noch verhindern. SPD und CDU hatten sich Ende Januar darauf "streitfrei" geeinigt, wie damals Marc Reinhardt, bildungspolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, sagte. Aus dem Bildungsministerium hieß es gestern, eine Lehrer-Arbeitsgruppe habe Vorschläge erarbeitet. Dazu werden demnächst Gewerkschaften und Elternverbände angehört, bevor eine endgültige Entscheidung falle.

Landeselternratschefin Martina Richter forderte Brodkorb auf, die so genannte inklusive Schule in Mecklenburg-Vorpommern besser vorzubereiten. Viele Kinder, die früher auf eine Förderschule gekommen wären, gehen inzwischen auf eine reguläre Grundschule. Sie habe nicht den Eindruck, dass die Lehrer an den weiterbildenden Schulen, auf die diese Kinder demnächst wechseln werden, bereits ausreichend darauf vorbereitet sind, so Richter.

Nachdem Brodkorb seit seinem Amtsbeginn versucht habe, die Arbeitsbedingungen der Lehrer zu verbessern, sei es nun Zeit, auch den Unterricht für die Kinder zu ändern, sagte Richter. Es werde noch viel zu viel frontal unterrichtet. Das werde den unterschiedlichen Lernpotenzialen der Kinder nicht gerecht.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen