Ältere oft falsch ernährt : Mangel im Überfluss

Gesine Roß von der DGEred
Gesine Roß von der DGEred

Kranke Menschen sind oft mangelhaft ernährt. Bei etwa 60 Prozent der über 80-Jährigen, die ins Krankenhaus kommen, werde eine Mangelernährung festgestellt, sagte gestern die Ernährungswissenschaftlerin Gesine Roß.

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05. September 2012, 10:39 Uhr

Schwerin | Kranke Menschen sind oft mangelhaft ernährt. Bei etwa 60 Prozent der über 80-Jährigen, die ins Krankenhaus kommen, werde eine Mangelernährung festgestellt, sagte gestern die Ernährungswissenschaftlerin Gesine Roß. Gründe seien etwa die vermehrte Medikamenteneinnahme oder das Alleinleben. "Bei jungen Leuten zwischen 18 und 29 Jahren sind etwa nur zehn Prozent betroffen", berichtete die Geschäftsstellenleiterin der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) in Mecklenburg-Vorpommern. In den Kliniken sei die Verpflegung ebenfalls nur selten vollwertig. Morgen veranstaltet die DGE in Schwerin eine Tagung mit dem Titel "Mangel im Überfluss - auch ein Thema in Kliniken?". Dazu werden Diätassistenten, Ernährungswissenschaftler, Caterer und Ärzte aus Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein und Hamburg erwartet.

Die Ernährungswissenschaft unterscheidet Roß zufolge zwischen qualitativer und quantitativer Mangelernährung. Bei der ersten fehlen Proteine sowie andere Nährstoffe, Vitamine und Spurenelemente. Bei quantitativen Mängeln liege die aufgenommene Energie unter dem Bedarf, Fett und Muskelmasse würden abgebaut. "Ein ungewollter Verlust von mehr als zehn Prozent des Körpergewichts in sechs Monaten hat einen negativen Einfluss auf den Krankheitsverlauf", sagte Roß.

Oft werde der Mangel mit Hautveränderungen sichtbar. Hautblutungen deuteten auf einen Vitamin A-Mangel hin, Ödeme auf den Mangel an Proteinen oder Vitamin B1, schlechte Wundheilung auf den Mangel an Vitamin C, Protein oder Zink. "Grundsätzlich sollte bei der Aufnahme ins Krankenhaus bei jedem Patienten der Ernährungszustand erfasst werden." Dies sei Grundlage für einen individuellen Ernährungsplan.

Eine Mangelernährung kann Roß zufolge den Heilungsprozess und die Entlassung aus dem Krankenhaus verzögern. Die Lebensqualität verschlechtere sich, das Risiko von Komplikationen sowie die Kosten stiegen. "Bei Mangelernährten sind die Behandlungskosten 20 Prozent höher als bei normal ernährten Patienten." In Deutschland hätten die zusätzlichen Kosten durch Mangelernährung 2003 etwa neun Milliarden Euro ausgemacht, für 2020 würden sie auf elf Milliarden geschätzt. Die DGE habe 2011 Qualitätsstandards für Kliniken entwickelt, die auf der Tagung vorgestellt werden sollen.

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