Stimmung in der Branche sinkt : Mangel an Fachkräften holt Metallindustrie ein

In der Metallindustrie im Norden mehren sich die Alarmsignale. Noch sind die Betriebe gut ausgelastet, wollen investieren und Personal einstellen. Doch die Wettbewerbsfähigkeit lässt nach.

svz.de von
08. November 2018, 14:52 Uhr

In der norddeutschen Metall- und Elektroindustrie wachsen die Sorgen. Erstmals seit zweieinhalb Jahren weisen wichtige Zukunftsdaten wieder abwärts, teilten der Arbeitgeberverband Nordmetall und weitere norddeutsche Verbände am Donnerstag in Hamburg als Ergebnis einer Konjunkturumfrage bei ihren Mitgliedern mit. „Die Zeit des stetigen Wachstums geht zu Ende“, sagte Nordmetall-Präsident Thomas Lambusch. Die Auslastung der Kapazitäten sei im Vergleich zum Frühjahr von knapp 90 auf gut 87 Prozent gesunken. Damit liegt die Auslastung der Unternehmen allerdings immer noch über dem langjährigen Durchschnitt von 86,3 Prozent.

Auch falle der Optimismus der Firmen verhaltener aus, wenn es um die Geschäftsentwicklung in den kommenden sechs Monaten gehe. 58 Prozent erwarten gleichbleibende oder fallende Umsätze. Im Frühjahr waren das nur 45 Prozent der Unternehmen.

Im Vergleich höhere Kosten

„Seit vier oder fünf Jahren reden wir von der Fachkräfte-Krise, jetzt holt sie uns ein“, sagte Lambusch. 68 Prozent der Unternehmen leiden unter dem Mangel an Fachkräften, so viele wie noch nie zuvor. „Der Markt ist leergefegt, besonders in Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein.“ Die Hoffnung, dass Flüchtlinge und Zuwanderer die Lücken schließen könnten, sei Ernüchterung gewichen. „Der Wille ist auf beiden Seiten vorhanden, aber es geht zu langsam“, sagte Lambusch. „Die Basis der Kenntnisse ist nicht so, dass man aus einem Flüchtling schnell eine Fachkraft machen könnte.“ Die Sprachbarrieren seien schwierig zu überwinden; auch seien Sozialkompetenzen und Integrierbarkeit unterschiedlich stark ausgeprägt.

Neben dem Wettbewerbsnachteil fehlender Fachkräfte geraten die Unternehmen auch zunehmend wegen hoher Kosten ins Hintertreffen, sagte Lambusch. Das gelte vor allem für deutsche Niederlassungen internationaler Konzerne, die intern mit anderen Ländern um die Investitionen der Muttergesellschaft konkurrieren müssen. Noch hielten die Investitionspläne der Unternehmen ihr hohes Niveau; ein gutes Viertel wollten ihre Investitionen erhöhen. Doch rund 19 Prozent denken auch über Produktionsverlagerungen ins Ausland nach, ein Höchstwert seit 30 Monaten.

„Deutschland braucht jetzt einen Wirtschaftskanzler oder eine Wirtschaftskanzlerin“, sagte Lambusch. „Wenn eine Wende ausbleibt und die beginnende Eintrübung der Konjunktur fortschreitet, wird die Metallindustrie im Norden und in ganz Deutschland in schwieriges Fahrwasser geraten.“

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