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Gesundheit : Mandeln in Rostock am häufigsten raus

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Bertelsmann-Studie deckt deutliche regionale Unterschiede bei Operationen auf.

svz.de von
erstellt am 13.Sep.2014 | 15:55 Uhr

Der Wohnort entscheidet mit darüber, wie oft Patienten untersucht und operiert werden. Zu diesem Ergebnis kommt die Bertelsmann Stiftung in ihrem gestern veröffentlichten „Faktencheck regionale Unterschiede in der Gesundheitsversorgung“ sowohl bezogen auf ganz Deutschland als auch auf einzelne Bundesländer.

Bewohner des Landkreises Mecklenburgische Seenplatte müssen demnach dreimal so häufig wie Rostocker oder Schweriner damit rechnen, dass ihr Blinddarm operativ entfernt wird. Die Mandeln werden in der Stadt Rostock und an der Seenplatte annähernd doppelt so vielen Kindern und Jugendlichen herausgenommen wie in Schwerin oder im Landkreis Nordwestmecklenburg. Ein deutliches Ost-West-Gefälle gibt es bei Gallenblasen-Operationen: In den Landkreisen Vorpommern-Greifswald und Mecklenburgische Seenplatte liegen die OP-Zahlen gemessen an der Einwohnerzahl über denen in Stadt und Landkreis Rostock oder in Schwerin. Bei der Entfernung der Prostata liegen die Operationszahlen in Rostock knapp doppelt so hoch wie im Landkreis Nordwestmecklenburg.

Insgesamt hat die Stiftung anhand statistischer Daten aus den Jahren 2010 bis 2012 neun verschiedene Operationen verglichen. Auch die Kaiserschnittrate, Koronare Bypass-Operationen, Defibrillator-Implantationen und Kniegelenk-Erstimplantationen gehören dazu. Bei Letzteren zählen mit der Stadt und dem Landkreis Rostock sowie der Mecklenburgischen Seenplatte gleich drei Kreise aus MV zu den zwölf Regionen mit den bundesweit niedrigsten Operationsraten. Auch die anderen Landesteile liegen hier deutlich unter dem Bundesdurchschnitt. Generell kommen Patienten aus Mecklenburg-Vorpommern der Studie zufolge nur vergleichsweise selten unters Messer.

Weder durch Alters- oder Geschlechtsstrukturen noch medizinisch können aus Sicht der Bertelsmann-Stiftung die regionalen Unterschiede erklärt werden. Bemerkbar mache sich aber das Fehlen klarer medizinischer Leitlinien. Und: Regionalen Unterschiede wiesen deutlich darauf hin, dass die Gesundheitsversorgung nicht immer dem Bedarf der Bevölkerung entspricht.

Extremwerte seien ein Indiz dafür, dass ärztliche Aufklärung unterschiedlich wahrgenommen wird. Entscheidungen für eine Operation dürften aber nicht eine Frage der Angebotskapazität oder von Gewohnheiten der ortsansässigen Ärzte sein, so die Stiftung.


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