Schwerin : Malerei auf Riesen-Eiern

Ines Höfs bemalt in der kleinen Malstube in Banzkow ein Straußenei.
Ines Höfs bemalt in der kleinen Malstube in Banzkow ein Straußenei.

Ines Höfs erzählt mit ihrer Kunst auf Kalkschalen Geschichten vom Frühling in Norddeutschland

svz.de von
18. März 2016, 12:00 Uhr

Sacht setzt Ines Höfs die Schreibfeder an und zieht schwarze Tusche über die harte Kalkschale. Ein Gedicht in winziger Schönschrift fließt nun rund um das Gemälde. Literarische Texte sind auf fast jedem Werk der Schweriner Grafikerin zu finden. Ihre Aquarelle malt sie aber nicht auf Papier, sondern auf hohle Eier. Vor Ostern verziert die 57-Jährige ausgeleerte Straußeneier.

Die rund 15 Zentimeter großen Riesen liefert ein Zuchthof in Lübz bei Parchim. Die Motive erinnern an Frühling in Norddeutschland – Wiesen, Blumen, Bäume, reetgedeckte Häuser und jede Menge Tiere.

Zur Saison hat die Ostereier-Künstlerin ihre Malstube in die Lewitzmühle Banzkow, ein Hotel nahe der Landeshauptstadt, verlegt. Im Frühstücksraum vollendet sie gerade einen Auftrag für die Lübzer Straußenzüchter, die die bemalten Eier in ihrem Hofladen verkaufen.

Das jüngste Werk zeigt blühende Heckenrosen vor einem Fachwerkhaus, zu dem ein Schäfer mit Hund und Herde heimkehrt. „Auf jedem Ei erzähle ich eine Geschichte“, sagt Höfs. Schiffe, Kirchen, Schlösser, Porträts umranke sie mit Kalligrafien, die die Historie erläutern. Kein Ei gleiche dem anderen, jedes sei ein Unikat.

Straußenfarmerin Monika Helfrich legt seit Jahren einen Teil ihrer wertvollen XXL-Eier nicht in den Brutschrank, sondern für die Kunst beiseite, wie sie erzählt. Vor allem als überdimensionierte Ostereier seien die ungewöhnlichen Malereien begehrt. „Höfs“ Stil ist unverkennbar.

Einzigartig seien die filigranen Zeichnungen und Texte, geradezu witzig die winzigen Details und überraschenden Momente auf den Kunst gewordenen Agrarprodukten. „Unsere Hofmalerin gestaltet auch Glückwunsch-Eier zu Taufen, Hochzeiten, Geburtstagen.“ Für langlebige Geschenke eigneten sich die dickschaligen Eier der afrikanischen Laufvögel besonders gut, sagt die Künstlerin. „Mein Wunsch wäre es, dass sie über Generationen vererbt werden.“ Mindestens 15 Stunden Arbeit, verteilt über mehrere Tage, stecken in einem einzigen Osterei. Während sie Bildideen aus der Mecklenburger Landschaft schöpfe, suche sie in Archiven nach Gedichten für ihre Bilder-Geschichten. „Manchmal schreibe ich Plattdeutsch, niemals Goethe, das passt einfach nicht.“ Eine Herausforderung sei die Eiform an sich, erklärt die Gestalterin.

Gerade Linien von Häusern, Bäumen, Segelschiffen dürften nicht krumm werden, ins Kippen geraten oder optisch wegdriften. Von jeder Seite müsse das ungleichmäßig gebogene Bild erkennbar sein und Sinn machen. Ihr Anspruch sei es, ein Ei komplett anzumalen und keine weißen Stellen zu lassen. Erst dann sei das Kunstwerk wirklich „rund“. Korrigieren ließen sich die Zeichnungen auf den Schalen nur schwer. Kleine Fehler kratze sie mit einem Cuttermesser ab, notfalls müsse ein Bildteil übermalt werden.

Neben Ausziehtusche, die sie mit einer hauchdünnen Feder aufbringt, verwendet Höfs Kreiden und Pastellstifte mit Wasserfarben. Auch flüssiges oder Blattgold komme manchmal aufs Kunst-Ei, wenn es an Jugendstil-Malerei erinnern soll. Zum Schluss folgen drei, vier Lackschichten, die machen die farbig verzierten Kalkschalen haltbar. Noch lieber als schwere Straußeneier mit ihrer fast kugeligen Form nehme sie schlanke zarte Gänseeier zur Hand, sagt die Malerin. Diese bekomme sie von einer Farm in Malente (Schleswig-Holstein), wenn sie dort nicht gerade für die nächste Generation von Weihnachtsgänsen gebraucht werden, meint die Eier-Künstlerin mit Augenzwinkern.

Kleinere Ostereier eigneten sich auch besser zum Aufhängen an Sträuchern und Zweigen. „So ein Straußenei braucht schon einen dicken Ast als Halterung, besser man legt es sicher in ein Nest.“

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