Schleswig-Holstein-Haus Schwerin : Malen mit Licht

Gerhard Stromberg, Flussbett in Gebirgslandschaft (Madeira), 2015/17
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Gerhard Stromberg, Flussbett in Gebirgslandschaft (Madeira), 2015/17

Tendenzen moderner Fotografie aus Mecklenburg-Vorpommern im Schleswig-Holstein-Haus Schwerin

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12. Dezember 2019, 12:00 Uhr

Lassen Sie sich nicht vom spröden Titel dieser faszinierenden Ausstellung abschrecken. Auch wenn er ja genau genommen nicht falsch ist – nur eben, sagen wir mal, sehr kunstwissenschaftlich. Doch abgesehen davon, werden Ihnen die Augen übergehen, wenn Sie die Galerie des Schweriner Schleswig-Holstein-Hauses durchstreifen. Versprochen. Kurator Thomas Häntzschel hat Arbeiten von zwölf Fotografenkollegen aus Mecklenburg-Vorpommern ausgewählt, die sich alle auf sehr unterschiedliche Weise der Landschaft nähern, der vor ihrer Haustür und sowohl inneren als auch exotisch-fernen. „Ich habe mich letztlich vom Prinzip der größtmöglichen Vielfalt leiten lassen“, so Häntzschel, der diese Ausstellung, ohne die Arbeiten des Schweriners Manfred Scharnberg, zuvor bereits im Rostocker Kunstverein präsentiert hat. So ist es denn auch kein Zufall, dass mit Wilfried Schröder, Gerhard Stromberg, Heiko Krause und Tim Kellner gleich vier Rostocker Kunstpreisträger in Schwerin vertreten sind.

Wie sich überhaupt das Schleswig-Holstein-Haus unter seiner Leiterin Antje Schunke zu einem Zentrum moderner Fotografie entwickelt. Gerade ging dort ja die Ausstellung „Über den Augenblick hinaus“ mit fotojournalistischen Arbeiten zu Ende.

Nun also die künstlerische Fotografie. Einer ihrer Vertreter seit Jahrzehnten ist Andre van Uehm, dessen drei große Birkenbilder am Beginn des Rundgangs stehen. Virtuos, nahezu kontemplativ, spielt van Uehm mit den Möglichkeiten des digitalen Baukastens, wenn er seine hochauflösenden Fotografien am Rechner über Wochen aufwändig nachbearbeitet, in diesem Fall Ästchen für Ästchen, sodass am Ende die Grenzen zwischen Fotografie und Grafik zu verschwinden scheinen. Mit einem ähnlichen, Stiching genannten Verfahren, arbeitet auch der Goldberger Fotograf Gerhard Stromberg. Seine großformatigen, mit viel Technik in exotischen Gegenden entstandenen Bilder, Landschaftsgemälden gleich, scheinen den Betrachter geradezu in ihre Welt hineinzusaugen.

Volkmar Herre, der seit vielen Jahren mit seiner camera obscura, der Lochbildkamera, vor allem auf Rügen unterwegs war, hat dieses Verfahren weiterentwickelt und nennt die so entstandenen Werke nun selbstbewusst Herrographien. Mit schier unglaublichen Belichtungszeiten von 174, 312 oder gar 370 Tagen fängt er den Verlauf der Sonne oder die Wandlungen des Lichtes und des Wetters in nur einem Bild ein. Lausitzer Land, die Provence oder ein Garten in Ahrenshoop werden so zu gespenstisch-schönen Orten.

Magisch hyperrealistisch sind auch die Fotoarbeiten von Ramona Czygan aus Greifswald, die mit der Drucktechnik Cyanotypie experimentiert, wobei Flüsse, Ufer oder Wälder in einem geheimnisvollen Blau getaucht sind. Da sie als Bildträger Büttenpapier oder weiße Tischdecken wählt, entstehen weitere, vom Zufall inspirierte Effekte.

In der näheren Heimat finden Künstler wie Heiko Krause, Wilfried Schröder oder Manfred Scharnberg ihre Motive. Krause, in dem er Reste von Vergangenheit in der Landschaft aufspürt. Scharnberg, der von der Mystik Mecklenburger Wälder begeistert ist, und Schröder, der geschundenen Bäumen ein Denkmal setzt.

Kirk Sora aus Wismar schließlich arbeitet vielleicht am experimentells-ten mit dem Medium Fotografie. „Meine Fotos sind mit Sonnenlicht gemalte Träume, gemacht, um die Geschichten, die mir das Licht erzählt, mit der Welt zu teilen.“ Was Sora hier für sich postuliert, trifft auf alle Fotografen dieser Ausstellung zu – die dennoch sehr eigene Wege gehen.

Öffnungszeiten
„Positionen zur Landschaft –

Fotografie aus Mecklenburg-Vorpommern“

Bis 16. Februar 2020 im Kulturforum

Schleswig-Holstein-Haus Schwerin,

Puschkinstr. 12

Dienstag-Sonntag 11 - 18 Uhr

Internet: www.schleswig-holstein-haus.de

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