zur Navigation springen
Mecklenburg-Vorpommern

21. November 2017 | 07:25 Uhr

Wissenschaft : Mäuse weisen Forschern den Weg

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Dummerstorfer Wissenschaftler wecken mit ihren Ergebnissen auch Interesse in Amerika.

Wie alt werden wir und was beeinflusst die Lebensdauer? Antworten auf diese Fragen haben jetzt Forscher aus Dummerstorf gefunden. Die Wissenschaftler vom Leibniz-Institut für Nutztierbiologie konnten am Mausmodell nachweisen, dass das Wachstum und die Lebensdauer nicht kausal zusammenhängen. „Bis ins aktuelle Jahr wurde von einschlägigen Fachgesellschaften intensiv die Frage diskutiert, ob nun ein derartiger ursächlicher Zusammenhang zwischen Wachstum und Lebensdauer besteht oder nicht. Und wir können nun diese Frage eindeutig mit nein beantworten“, so der Molekularbiologe Dr. Andreas Höflich. Die Studienergebnisse aus Dummerstorf wurden vor Kurzem in der renommierten amerikanischen Fachzeitschrift „Aging Cell“ veröffentlicht, die sich mit Aspekten der Alterungsforschung befasst.

Gehen hohe Wachstumsraten zu Lasten von Lebensdauer und Gesundheit? Diese Frage ist nicht nur für Nutztiere, sondern auch für den Menschen selbst höchst relevant. „Wir wollten in Erfahrung bringen, über welchen Mechanismus das Bindungsprotein 2 für den Insulin-ähnlichen Wachstumsfaktor (IGFBP-2) das Leben verlängert“, erläuterte Höflich. Man hätte herausgefunden, dass IGFBP-2 über seine sogenannte Integrin-Bindungsstelle zwar das Leben verlängern kann, aber definitiv nicht über den Einfluss des Körperwachstums. Die Veränderung einer einzigen Aminosäure innerhalb des Proteins IGFBP-2 reiche aus, um die unterschiedlichen biologischen Wirkungen von IGFBP-2 voneinander zu trennen.

„Mäusemodelle mit einer solchen Veränderung waren kleiner, ohne länger zu leben. Somit ist offensichtlich, dass Wachstum und Lebensdauer über unterschiedliche Mechanismen gesteuert werden, also nicht kausal zusammenhängen“, sagt der Wissenschaftler. Damit sei eine der grundlegenden Hypothesen im laufenden, von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Forschungsprojekt bestätigt: IGFBP-2 verlängert das Leben über seine Integrinbindung. Es erhöht bei weiblichen Mäusen die Lebensdauer, verlangsamt aber gleichzeitig die Fortpflanzung und beeinflusst den Stoffwechsel. „Anstelle eines allgemein vermuteten Zusammenhanges zwischen Wachstum und Lebensdauer fanden wir eine Verbindung zwischen Lebensdauer, reproduktiver Entwicklungsdynamik und dem Stoffwechsel“, sagt Höflich. Es reiche also nicht, das Körperwachstum zu reduzieren, um das Leben der Tiere zu verlängern. Stattdessen müsse man viel stärker die reproduktive Entwicklung und den Energiestoffwechsel im Zusammenhang von Gesundheit und Lebensdauer in einem ganzheitlichen Ansatz berücksichtigen als bisher angenommen, so das Fazit von Höflich.

Die Ergebnisse aus Dummerstorf haben das Interesse amerikanischer Wissenschaftler geweckt. Das Forschungsvorhaben soll jetzt mit der sogenannten Methusalem-Maus fortgesetzt werden. Dieses Mausmodell von der Universität Ohio ist für seine Langlebigkeit bekannt.
Die neue Lebensdauerstudie wird im modernen Dummerstorfer Maushaus durchgeführt, das vor fünf Jahren eröffnet worden ist.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen