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Sagen und Märchen : Märchenhaftes Mecklenburg

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Sagen und Märchen führen durch Gadebusch, Perlin, Grevesmühlen und viele weitere Ortschaften der Region

svz.de von
erstellt am 11.Jan.2015 | 08:53 Uhr

Riesen, Hexen, Wassergeister, Piraten, Drachen und manch andere sagenhafte Gestalten begleiteten uns durch die Kindheit und bleiben noch heute allgegenwärtig. Wie nah uns aber so manche Sage oder Legende tatsächlich ist, offenbart sich bei genauerem Hinsehen. Denn in Nordwestmecklenburg sind einige Legenden Zuhause.

In Gadebusch zum Beispiel treiben einige Geister ihr Unwesen. Darunter der unsterbliche Trommelschläger aus dem 16. Jahrhundert, dessen Legende wie folgt geht: „Als Wallenstein in Gadebusch war und das Amt daselbst bewohnte, ließ er einen unterirdischen Gang bauen, vom Amt aus nach der Kirche. In diesem ist einst ein Wallenstein’scher Trommelschläger umgekommen. Von demselben erzählt man, dass er in dem Gange sitze und Tag und Nacht immerfort trommle.“

Der besagte unterirdische Fluchtgang wurde für den Fall gebaut, dass Feinde die Burg erobern. Da das aber nicht ordnungsgemäß vonstatten ging, kam es immer wieder zu Einbrüchen, bei denen letztlich der Trommler, der Mäuse und Ratten aus dem Tunnel vertreiben sollte, verschüttet wurde. Einen Teil des Ganges gibt es noch heute.

Doch dies ist noch lange nicht die einzige Sage, die sich um Gadebusch rankt: „Auf der Gadebuscher Feldmark, nicht sehr weit vom Torfmoor entfernt, befindet sich ein kleiner Teich, Funken-Kul genannt. Dieser soll gegen Hexen als Gottesgericht gebraucht worden sein. Wurde nämlich eine Frau der Hexerei angeklagt, so setzte man sie auf ein schiefes Brett und ließ sie von da in den Teich rutschen. Gelangte sie wohlbehalten ans entgegengesetzte Ufer, so galt sie als unschuldig. Ging sie aber unter, so wurde sie als Hexe betrachtet und der erfolgte Tod als gerechte Belohnung angesehen.

Die letzte Hexe nun, die so im Teiche ersoff, hieß „Funksch“ und daher rührt auch der Name der Grube. Funksch lässt noch manchmal etwas von sich vernehmen. Leute, die zur Nachtzeit übers Feld kamen, hörten in langgedehnten Tönen über den Teich her rufen: „Funksch, hal Geld; Gunksch, hal Geld.“

Diese so genannte „Wasserprobe“ war bei Hexen weit verbreitet, aber gemein, da zu der Zeit kaum jemand schwimmen konnte. Umso verdächtiger, wenn jemand es konnte. Der Teich ähnelt heute mit seinen knapp 80 Metern Länge eher einem kleinen See und ist zwischen Gadebusch und Pokrent zu finden. Des Nachts hat sich die Lokalredaktion aber noch nicht dort hin getraut.

Was genau eine Sage oder Legende von einem Märchen unterscheidet, weiß Historiker und Legendenforscher Hartmut Schmied. „Beide Welten stellen sich bei genauerem Hinsehen eher grausam dar. Was Sagen aber von der Märchenwelt abgrenzt, ist die Tatsache, dass sie an einen konkreten Ort und oft eine bestimmte Zeit geknüpft sind.“

Märchen hingegen hätten oft weder das eine, noch das andere, erklärt er. Traditionell würden Sagen eher aufgeschrieben, während Märchen erzählt werden. Beide Formen besitzen eine Moral am Ende. In den Sagen hätte diese „oft einen religiösen Hintergrund, man muss aber genau danach suchen“. Was aber die Legenden besonders macht, ist der oft noch immer aktuelle Zusammenhang. Die enthaltene Moral ist eine, nach der wir auch heute noch leben können und sollten.

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