Meeresmuseum Stralsund : Männertausch bei Schildkröten

Unechte Karettschildkröte  im 350 000-Liter-Schildkrötenaquarium des Meeresmuseums Stralsund
Unechte Karettschildkröte im 350 000-Liter-Schildkrötenaquarium des Meeresmuseums Stralsund

Meeresmuseum Stralsund bekommt neue Unechte Karettschildkröte, für die in Büsum das Becken zu klein geworden war

svz.de von
08. Juli 2014, 20:06 Uhr

Jahrelang hatte das Deutsche Meeresmuseum in Stralsund auf Nachwuchs bei den Meeresschildkröten gehofft – bislang vergeblich. Nun wird die Stralsunder männliche Unechte Karettschildkröte gegen ein artgleiches Männchen aus den Meereswelten Büsum getauscht.

Der „Männertausch“ beginnt heute mit dem Transport des Stralsunder 50-Kilogramm-Männchens nach Büsum. Am Donnerstag kommt das Büsumer Exemplar, das rund 20 Kilogramm schwerer ist, nach Stralsund. Hauptgrund des Männertauschs sei aber nicht die Hoffnung auf Nachwuchs, sondern die Tatsache, dass das 20 000-Liter-Becken in Büsum mittlerweile zu klein für „Morla“ sei und in Stralsund keine zusätzliche Schildkröte aufgenommen werden darf, sagte Aquarienleiterin Nocole Kube. „Wenn es trotzdem zu Nachwuchs kommen sollte, wäre es schön.“ Die Meeresschildkröten gelten als streng geschützt.

Die männliche Karettschildkröte, die jetzt nach Büsum geht, kam 2005 in einem schlechten Gesundheitszustand aus dem polnischen Gdynia ins Deutsche Meeresmuseum und wurde dort aufgepäppelt. Mit aktuell 50 Kilogramm ist sie trotzdem nur halb so schwer wie ihr weibliches Pendant – möglicherweise ein Grund, warum die Paarung bislang nicht klappte. Anfängliche Paarungsversuche hatten die Forscher zunächst optimistisch gestimmt und hinterließen 2006 sogar einen erschöpften Schildkrötenmann, der wegen der beim Paarungsversuch zugezogenen Hämatome zurück ins Quarantänebecken musste. Bei späteren Ultraschalluntersuchungen des Weibchens entdeckten die Wissenschaftler auch immer wieder Eier, die aber offenbar nicht befruchtet waren. Bislang sei weltweit noch kein Fall beschrieben, dass Meeresschildkröten, die lange Zeit in Gefangenschaft leben, Nachwuchs bekommen, sagte Kube. Erfolg gebe es nur dort, wo die Tiere kurz zuvor aus der natürlichen Umgebung genommen wurden.

Mit Nachwuchs wäre die Situation auch schwierig, sagte Kube. Normalerweise legt eine Schildkröte 100 bis 150 Eier ab.

Die kleinen Schildkröten dürfen nicht ausgewildert werden – auch weil man davon ausgeht, dass Schildkröten an den Strand zurückkehren, an dem sie geboren wurden. „Das ist alles sehr kompliziert.“

„Morla“, das Büsumer Männchen, hat sich in den vergangenen Jahren dort sehr gut entwickelt. Es war 2010 von einem Ehepaar in Baden-Württemberg abgeholt worden, das das Tier 20 Jahre in einem zwei mal ein Meter großen Becken gehalten und sich dann selbst angezeigt hatte. Das Büsumer Männchen muss sich in Stralsund das 350 000-Liter-Becken mit vier weiteren Riesenschildkröten teilen. Neben der weiblichen Unechten Karettschildkröte leben dort eine Echte Karett- und zwei grüne Meeresschildkröten.


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