zur Navigation springen

In Sternberg fällt Meisterschaft der Männerballette aus : Männerballett sucht Konkurrenz

vom

Am Sonnabend nach Aschermittwoch wurde in Sternberg traditionell die Landesmeisterschaft der Männerballette ausgetragen. Doch in diesem Jahr findet kein Wettkampf statt - denn den Männerballetten gehen die Männer aus.

svz.de von
erstellt am 11.Feb.2013 | 10:23 Uhr

Sternberg | So zwischendurch beim Autofahren kommen ihr die besten Ideen. Deshalb läuft die Musik bei Mascha Ziehmann hoch und runter, wenn sie zur Arbeit fährt, zum Einkaufen, nach Hause. Und dann plötzlich hat sie einen Einfall. Zu denen schwingen später neun Männer die Hüfte, tanzen Pirouetten und kriegen sogar eine elegante Hebefigur hin. Popo wackeln reiche nicht mehr, sagt sie. Also wird Wochen geübt, um bei den Landesmeisterschaften der Männerballette in Sternberg eine gute Figur zu machen.

So war das bislang. 15 Jahre lang. Am Sonnabend nach Aschermittwoch wurde in Sternberg traditionell die Landesmeisterschaft der Männerballette ausgetragen. Doch in diesem Jahr findet kein Wettkampf statt - denn den Männerballetten gehen die Männer aus.

"Die meisten Vereine haben Nachwuchsschwierigkeiten", sagt Petra Todenhagen-Gredich. Sie ist im 11er Rat des Sternberger Carneval Clubs (SSC) und organisiert seit fünf Jahren den Ausscheid. "Auf dem Dorf ist das Potential natürlich schneller erschöpft", sagt sie. Die unfreiwillige Pause beim Turnier liege aber nicht nur am fehlenden Nachwuchs. Den Karnevalsvereinen fehlt es oft auch schlicht am Geld. "Es ist teuer, aus Neubrandenburg zu kommen", sagt Organisatorin Todenhagen-Gredich. Man braucht einen Bus, Tankgeld und natürlich ordentliche Kostüme. Besonders die kleinen Vereine hätten Schwierigkeiten, zahlungskräftige Sponsoren zu finden.

Todenhagen-Gredich hat einen Hefter vor sich liegen. Ordentlich sortiert sind Listen mit Karnevalsvereinen und Sponsorennamen, Stimmzettel für die Wahl des Publikumslieblings abgeheftet. Zu den besten Zeiten starteten 18 Mannschaften in Sternberg. Aus Neubrandenburg, Schwerin, von Usedom, aus Meyenburg in Brandenburg, aus Hagenow, Bad Doberan und Dabel gleich um die Ecke. "Aber in den vergangenen Jahren war es schon schwierig, weil sich so wenige Vereine angemeldet haben", sagt Petra Todenhagen-Gredich. Als in diesem Jahr nur noch zwei ihr Kommen ankündigten, zogen sie die Notbremse in Sternberg.

Im Sternberger Seehotel läuft an diesem Freitagabend die Generalprobe. Die Lichteinstellungen werden ausprobiert und Texte geübt. Seit 1980 organisiert der SSC in Sternberg Karneval. Wieder. Schon in den 50er-Jahren wurde hier gefeiert. Dann schlief die Veranstaltung ein. 120 Freiwillige tanzen, schauspielern, stehen am Mischpult, fotografieren oder trainieren heute im Verein. Im großen Saal des Hotels herrscht reges Gewusel. Ein letzter Feinschliff, damit bei den Auftritten alles klappt.

Das Männerballett war mal eine Ulkveranstaltung beim Karneval. Als Höhepunkt des Programms quetschten sich die Herren in Strumpfhosen und Tutu, und das Publikum johlte. "Es hat sich aber zu einem hochkarätigen Sport entwickelt", sagt Petra Todenhagen-Gredich. In Sternberg haben vor einigen Jahren Mascha Ziehmann und Barbara Daubner das Training übernommen. Ein dreiminütiges Programm studieren sie mit den "Prima Ballerinas" zwischen 20 und 60 Jahren ein. Die haben schon zu Abba getanzt, Schwanensee in einer Rockversion auf die Bühne gebracht und einen Bauchtanz aufgeführt. In diesem Jahr dreht sich der Karneval in Sternberg rund ums Krankenhaus, und die gestandenen Herren schlüpfen in extra große Babykostüme. Lustig ist das immer noch, aber nicht minder beeindruckend, wie sie ihre Figuren tanzen. Einmal in der Woche treffen sich die Sternberger Männer und ihre Trainerinnen am Feierabend zum Üben. Neben allem Spaß wird auch ordentlich geprobt. Die Frauen sind streng. "Aber alle kommen freiwillig wieder", sagt Mascha Ziehmann.

In Sternberg hoffen sie, dass es nur eine kurze Pause wird für den Wettkampf der Männerballette. "Aber wenn es einmal ausfällt, ist es schwer, die Veranstaltung wieder aufleben zu lassen", sagt Petra Todenhagen-Gredich. Im kommenden Jahr ändert sich die Besetzung des Organisationsteams. "Vielleicht haben sie neue Ideen", sagt sie.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen