Internationaler Männertag : Männer weinen heimlich

<p>David Beckham</p>

David Beckham

Wo liegen die Schwächen des starken Geschlechts?

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18. November 2015, 17:22 Uhr

Männer weinen heimlich, Männer lügen am Telefon, Männer sind furchtbar stark. „Wann ist ein Mann ein Mann?“ Das fragte schon Herbert Grönemeyer. Der heutige Internationale Männertag rückt das vermeintlich starke Geschlecht in den Fokus – und macht etwa auf Benachteiligungen von Männern aufmerksam. Haben Männer das Nachsehen?

KINDHEIT Alleinerziehende Mutter, Aufwachsen im Problem-Viertel, schlechte Schulbildung: Jungen reagieren anscheinend empfindlicher auf soziale Nachteile als ihre Schwestern, wie US-Forscher gezeigt haben. Der Einfluss des Umfelds nach der Geburt mündet bei Jungen im Vergleich zu Mädchen etwa in schlechteren Schulnoten, mehr Lernschwächen, auffälligerem Verhalten und höherer Wahrscheinlichkeit für Straftaten im Jugendalter.

GESUNDHEIT Männer schätzen ihren Gesundheitszustand besser ein als Frauen – dabei leben sie oft ungesünder. Männer seien weniger aufmerksam für Symptome, glaubt die Expertin für Männergesundheit der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), Monika Köster. Regelmäßige Arztbesuche seien Männer nicht gewöhnt. Ihnen werden auch weniger Medikamente verordnet, mit Ausnahme der Gruppen bis 9 Jahre und zwischen 60 und 75, so der AOK-Arzneimittelreport. Das hängt auch mit der Haltung zusammen: Männer erwarten viel seltener eine Verschreibung als Frauen.

PSYCHE Frauen sind dem DAK-Psychoreport zufolge fast doppelt so häufig von psychischen Erkrankungen betroffen wie Männer. Das bedeutet aber nicht unbedingt, dass Männer weniger seelische Probleme haben. „Es ist bei Männern heute immer noch nicht selbstverständlich, sich einzugestehen, dass man ein Problem im psychischen Bereich hat“, sagt der Vizepräsident des Berufsverbands Deutscher Psychologinnen und Psychologen, Michael Ziegelmayer. Depressive Symptome würden häufig nicht diagnostiziert und unzureichend behandelt.

HYGIENE Zumindest beim Händewaschen kann von Gleichstellung nicht die Rede sein. Frauen gaben in einer BZgA-Umfrage „signifikant häufiger“ als Männer an, sich die Hände zu waschen. Ergebnis einer Londoner Studie mit 250    000 Besuchern von Raststätten-Toiletten: Nicht einmal jeder dritte Mann benutzt dort Wasser und Seife. Dafür 64 Prozent der Frauen.

ELTERNZEIT Rund 80 Prozent der Väter, die sich für Elternzeit entscheiden, beziehen Elterngeld für zwei Monate. Das ist das Minimum, wenn Paare volle 14 Monate Unterstützung bekommen wollen. Ein Grund ist laut Studien auch die Angst vor Engpässen beim Einkommen und Nachteilen im Job. 70 Prozent wären gern länger beim Kind.

FAMILIENRECHT Leibliche Väter können ihre Vaterschaft nach einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts nicht einklagen, wenn das Kind in einer anderen Familie lebt. Wenn es eine „sozial-familiäre Beziehung“ zu seinem rechtlichen Vater hat, ist eine entsprechende Klage ausgeschlossen. Unter Umständen habe der biologische Vater aber ein Recht auf Umgang mit dem Kind.

LEBENSERWARTUNG Bei im Schnitt 77,7 Jahren liegt die Lebenserwartung bei Geburt für Männer in Deutschland derzeit – rund fünf Jahre weniger als bei Frauen. Eine der Ursachen: Männer haben deutlich mehr Unfälle als Frauen, die meisten in der Freizeit. Leistung, Härte, Macht, das sei Teil traditioneller Männerrollen, die nach wie vor Fürsorge für den eigenen Körper verhinderten, sagt Monika Köster von der BZgA. Dies begünstige auch die Bereitschaft, Risiken einzugehen.

GESCHLECHT Hand auf's Herz. Wenn sie die Wahl hätten, würden die meisten Männer doch nicht mit den Frauen tauschen wollen. Manchmal „gern vom anderen Geschlecht“ wären einer Umfrage zufolge nur 17 Prozent der Männer. Bei den Frauen war es immerhin jede Vierte.  

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