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Kunden stinkts: Hersteller setzen immer öfter Antibiotika ein : Mängel in jeder zehnten Käseprobe

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Dicke Luft im Verkaufsregal: In MV verkaufter Käse fällt im Qualitätstest häufig durch. 2012 musste jede zehnte Probe beanstandet werden. Von 384 Kontrollproben sind bei 50 Mängel festgestellt worden.

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erstellt am 19.Aug.2013 | 07:40 Uhr

Rostock | Dicke Luft im Verkaufsregal: In MV verkaufter Käse fällt im Qualitätstest häufig durch. 2012 musste jede zehnte Probe beanstandet werden, erklärte Cornelia Trapp, Lebensmittelexpertin des Landesamtes für Landwirtschaft, Lebensmittelsicherheit und Fischerei (LALFF), gestern in Rostock. Von 384 Kontrollproben seien bei 50 Mängel festgestellt worden. In drei Fällen sei der Käse nicht mehr zum Verzehr geeignet gewesen. Ein Feta-Käse war gänzlich verdorben. In fünf Proben stellten die Prüfer u. a.erhöhte Keimzahlen und Stärkegehalt fest. Dieser Käse sei zwar noch verzehrfähig gewesen, aber wertgemindert. Insgesamt waren 13 Prozent der Proben bemängelt worden - der Schnitt aller Lebensmittelproben in MV.

Am häufigsten flogen Kennzeichnungsfehler auf. Besonders dreist: In einem Fall sei ein Käse angeboten worden, der zu 100 Prozent aus Schafsmilch bestehen sollte. Tatsächlich aber enthielt er nur Kuhmilch, erklärte Trapp. Bei anderen Proben seien falsche Angaben zu Käsegruppe, Fettgehalt und Zutaten entdeckt worden. Bei zehn Prozent hatten die Produzenten die Zusatzstoffe nicht korrekt angegeben.

Die Hersteller muten den Verbrauchern immer mehr zu: Entgegen allen Warnungen setzen die Käsereien im Produktionsprozess immer häufiger Antibiotika ein. Nach gestern vorgestellten Untersuchungsergebnissen wiesen Lebensmittelprüfer in MV 2012 und 2013 in jeder zweiten von insgesamt 85 untersuchten Schnitt- und Hartkäseproben im Rindenteil Natamycin nach - ein mikrobiell gewonnenes Antibiotikum, das in der Lebensmittelindustrie als Konservierungsstoff zur Oberflächenbehandlung von Hart- und Schnittkäse, halbfestem Schnittkäse und getrockneten, gepökelten Würsten zugelassen ist, teilte das Landesamt mit. Ein hoher Anteil, meinte Trapp. Fünf Millimeter unterhalb der Oberfläche dürfe der Konservierungsstoff nicht mehr nachweisbar sein. Bis zu einem Grenzwert von 1 Milligramm je Quadratdezimeter sei Natamycin zwar nicht gefährlich, sagte Trapp. Immer mehr Verbraucher wollten aber weg von der Vielzahl der Zusatzstoffe und möglichst wenig behandelte Lebensmittel kaufen. In einem Fall war die zulässige Höchstmenge sogar überschritten worden. In fünf Käseproben loser Ware war Natamycin oder auch E 235 auf der Verpackung nicht kenntlich gemacht worden.

Die Anwendung von Antibiotika ist umstritten, weil der Wirkstoff zu Resistenzen führen kann. Natamycin wird in der Humanmedizin u. a. bei Hefepilzerkrankungen der Haut, bestimmten Hornhautentzündungen der Augen und anderen durch Pilze verursachten Erkrankungen verwendet. Das Bundesinstitut für Risikobewertung mahnte inzwischen, den Einsatz als Lebensmittelzusatzstoff nicht über das bisherige Maß hinaus zu erweitern. Trapps Rat an die Verbraucher: Wer sichergehen will, sollte stets mindestens fünf Millimeter der Käserinde abschneiden und sie nicht essen.

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