zur Navigation springen
Mecklenburg-Vorpommern

24. November 2017 | 23:32 Uhr

Machtprobe ums Kulturamt

vom

svz.de von
erstellt am 02.Aug.2012 | 12:32 Uhr

Machtkampf auf dem Rücken der Rostocker Kultur: Die Bürgerschaft will den Kulturbereich für Senatorin Liane Melzer (SPD) retten. Sie verhängte gestern einen Stopp für die umstrittenen Umstrukturierungspläne von Oberbürgermeister Roland Methling (parteilos). Dieses Ergebnis war abzusehen. Wie groß aber das Zerwürfnis zwischen den Kommunalpolitkern und dem Rathaus-Chef inzwischen ist – das dürfte viele schockiert haben.

„Das Amtsverständnis von Roland Methling lähmt die Verwaltung“, sagte SPD-Fraktionsvorsitzender Steffen Wandschneider. „Wir sind klar gegen die Zerschlagung des Kulturbereichs“, setzte Kulturausschuss-Vorsitzende Susan Schulz (Grüne) nach. Linken-Chefin Eva-Maria-Kröger meint: „Das Karussell gegenseitiger Vorwürfe dreht sich so schnell, dass uns allen inzwischen schon schlecht ist.“

Darum geht es: Methling will die Denkmalpflege aus dem Kulturbereich ausgliedern und zum Stadtplanungsamt geben, das ihm selbst untersteht. Zugleich soll das Kulturamt mit den städtischen Museen fusionieren und ebenfalls aus Melzers Senatsbereich zu Methling wechseln. Als neue Chefin steht die bisherige Direktorin der städtischen Museen, Michaela Selling, bereit. „Ich werde dort meine Arbeitleisten, wohin mich mein Arbeitgeber setzt“, erklärte sie gestern bei einer Sondersitzung des Kulturausschusses direkt vor der Bürgerschaft. Methling verteidigte die Pläne. er beruft sich dabei auf sein in der Kommunalverfassung verankertes Recht, die Verwaltung zu organisieren. „Das ist kein Handstreich, sondern geordnetes Verwaltungshandeln“, sagt Methling. Er verweist auf eine Organisationsuntersuchung, die aus dem Haushaltssicherungskonzept hervorgegangen war.

Auch bei den Kulturschaffenden stoßenMethlings Pläne auf Protest. Rund 100 Rostocker protestierten gestern bei einem so genannten Flashmob auf dem Neuen Markt. Ihr Motto: „Kultur ist eine Sache – wir gehören zusammen.“ Auf das Signal einer Vuvuzela hin erstarrten die Teilenehmer für fünf Minuten, denn sie befürchten ein Erstarren der Kultur. Auch im Bürgerschaftssaal gab es Proteste – und unterstützenden Protest für Kultursenatorin Melzer. „Die Bürgerschaft erwartet, dass ich dem OB auf Augenhöhe begegne. Das kann ich nicht, wenn ich Angst haben muss, dass mir Ämter von heute auf morgen weggenommen werden“, sagte sie. Dieses Klima kitisierten nicht nur Kommunalpolitiker, sondern auch die Personalratsvorsitzende Eva Wesenberg. Die Mitarbeitervertretung sei nicht mit der Sache befasst worden. „Es könnte durchaus Veränderungen für die Mitarbeiter geben, auch in puncto Lohn und Gehalt.“
Ob sich die Bürgerschaft mit ihrem Veto durchsetzen kann, ist noch völlig unklar. Methling hat jetzt zwei Wochen Zeit, Widerspruch gegen die gefassten Beschlüsse einzulegen. Am Ende könnten Gerichte den Rostocker Kulturstreit entscheiden.


zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen