Machtkampf im Laager Rathaus

Reichlich Gesprächsbedarf schon vor Beginn der Sitzung am Mittwochabend. Foto: Frank Pubantz
Reichlich Gesprächsbedarf schon vor Beginn der Sitzung am Mittwochabend. Foto: Frank Pubantz

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11. Dezember 2008, 08:05 Uhr

Laage | Die Laager Stadtvertreter sind knapp an einem peinlichen Novum vorbeigeschrammt: Beinahe wäre eine Sitzung wegen Streits zum zweiten Mal abgebrochen worden. Thema: Zuschuss der Stadt für einen Vereinssportlehrer an den Laager Sportverein 03 (LSV). Nach massivem Druck der Stadtvertreter lenkte Bürgermeister Uwe Heinze ein: Der LSV bekommt den Restzuschuss für 2008.

Stadtvertreter fühlen sich "an der Nase herumgeführt"

Emotionsgeladen begann die Sitzung: Etwa 30 Sportler des LSV waren erschienen, forderten mit Präsenz eine Entscheidung. Seit Monaten schwelt der Streit zwischen LSV und Bürgermeister: Heinze unterstellt, der Vereinsvorstand sei nicht korrekt gewählt worden, und stellte die Zahlungen der Stadt ein (SVZ berichtete).

Die Stadtvertreter missbilligten dies bereits im November, ließen damals die Sitzung platzen. Beim zweiten Versuch am Mittwochabend erklärte Heinze nur kurz, er habe mit dem Anwalt des LSV gesprochen, sei auf dem Weg der "Entspannung"; man habe aber Stillschweigen vereinbart. Bereits kommende Woche solle eine Vereinbarung unterzeichnet werden.

Das bestritt Michael Marx, stellvertretender LSV-Chef: "Das wird von uns in keiner Weise unterschrieben." Details kamen nicht zur Sprache, da auch der LSV Ruhe in die Sache bringen wolle.

Die Stadtvertreter waren geschockt, dass der Bürgermeister fünf Wochen nach Abbruch der Sitzung nichts vorlegte. Sie fordern einhellig, dass die Stadt endlich den Zuschuss an den Verein zahle, um dem Vereinssportlehrer Gehalt auszahlen zu können. "Ich fühle mich an der Nase herumgeführt", polterte Brit Kaleun (Linke). Ilka Lochner-Borst (CDU) unterstrich: "Es geht darum, dass der Mann sein Monatsgehalt bekommt."

Das Vertrauen zwischen Stadtvertretern und Bürgermeister ist hin. Lochner-Borst schlug sogar vor, mit einem Beschluss die stellvertretende Bürgermeisterin zu beauftragen, das Geld zu überweisen - Heinze quasi zu entmachten. Der konterte: Er werde Beschlüssen widersprechen, die der Stadt schadeten.

Entrüstung folgte. Brit Kaleun setzte Heinze die Pistole auf die Brust: zehn Minuten Bedenkzeit, oder die Sitzung platze erneut - inklusive weiterer wichtiger Beschlüsse mit finanziellen Auswirkungen auf die Stadt.

Zehn Minuten Bedenkzeit! ... da lenkt Heinze ein
Nach der Denkpause willigte Heinze ein: Ja, er werde das Geld für 2008 noch am Donnerstag anweisen lassen. Lochner-Borst forderte: "Das will ich schwarz auf weiß."

Das Problem zwischen Stadt und Verein ist damit nicht aus der Welt. Beide Seiten bekunden freilich, gesprächsbereit zu sein. Adolf-Friedrich Scharf (FDP) schlug vor, der Verein solle von sich aus den Vorstand erneut wählen, um den Stein aus dem Weg zu räumen. Er erntete böse Blicke von LSV-Mitgliedern. Zu Beginn des neuen Jahres wird mit dem Haushalt der Stadt der Zuschuss an den Verein erneut Thema sein.

Chronistenpflicht: Mit seinem Einlenken entging Uwe Heinze einem Beschluss, der seine Befangenheit im Streit mit dem LSV feststellen sollte, da er einst Kämmerer des Vereins war. Christian Pentzlin (Wählergruppe Kritzkow/Weitendorf) zog seinen Antrag wieder zurück.

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