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Anschlag auf Spielhalle Schwerin : „Mache keine Aussage“

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Gericht nimmt Zeugen in Beugehaft

von
erstellt am 02.Feb.2017 | 08:00 Uhr

Weil er sich weigerte auszusagen, hat das Schweriner Landgericht einen Zeugen für bis zu sechs Monate in Beugehaft geschickt. Auch nachdem der Vorsitzende Richter ihn die drohenden Sanktionen vor Augen geführt hatte, blieb der 49-jährige gestern bei seinem Entschluss: „Ich werde keine Aussage machen.“

Er war aus dem Gefängnis in Bielefeld angereist. Dort verbüßt er neun Jahre Haft wegen versuchten Mordes. Vor Gericht sollte er aussagen, ob der 52-jährige Angeklagte ihm den Auftrag zu dem Anschlag auf einen Spielhallen-Mitarbeiter auf der Schweriner Krösnitz im Jahr 1995 vermittelt hat.

Der Zeuge war auf die Beugehaft vorbereitet und mit einem Koffer, einem Seesack und einem Pappkarton angereist. Darin hatte er seine Habseligkeiten verstaut, die er in der Haft in Bützow zu brauchen glaubt.

Zeugen dürfen die Aussage nur verweigern, wenn sie mit dem Angeklagten verwandt sind oder wenn sie sich sonst selbst einer möglichen Straftat bezichtigen würden. Der 49-jährige machte geltend, da gebe es ein Strafverfahren gegen ihn, dass die Staatsanwaltschaft nicht endgültig eingestellt habe. Außerdem sitze er unschuldig im Gefängnis, er habe mit dem Auftragsmord nichts zu tun. Wenn er dies als Zeuge behaupte, obwohl es in dem Urteil gegen ihn anders dargestellt sei, drohe ihm womöglich ein Verfahren wegen Falschaussage. Staatsanwaltschaft und Gericht schlossen diese Befürchtungen aus. Dennoch wollte der Zeuge das vermeintliche Risiko nicht eingehen. „Dann sage ich lieber gar nichts.“

Es ist nicht der einzige Zeuge oder Verdächtige, der der Justiz bei der Aufarbeitung zweier Auftragsmorde von vor über 20 Jahren abhanden kommt – wenn in diesem Fall auch auf eher harmlose Weise. Im aktuellen Prozess wird der Angeklagte beschuldigt, in beiden letztlich gescheiterten Versuchen die Killer vermittelt zu haben. Kurz nach dem Anschlag auf der Krösnitz ließ ein Fahrlehrer in Plate auf seine Ex-Frau schießen.

Im Krösnitz-Fall ist der mutmaßliche Mittäter bereits Mitte der 1990er Jahre bei einem Motorradunfall ums Leben gekommen. Ein weiterer Verdächtiger wurde in einem Bordell erschossen. Ein möglicher Zeuge ertrank im Schweriner See, ein anderer verübte im Drogenrausch Selbstmord. Der Plater Fahrlehrer und einer der Schützen haben den mutmaßliche Vermittler belastet.

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