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Landespastor Martin Scriba : Luther im Outlook-Kalender

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Martin Scriba, scheidender Landespastor, sieht sich ganz in der Tradition des Reformators

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erstellt am 08.Jul.2017 | 16:00 Uhr

Er hat Ex-Ministerpräsident Erwin Sellering verheiratet und seine Nachfolgerin Manuela Schwesig getauft: Landespastor Martin Scriba. Vor allem aber war er Vorstandsvorsitzender des Diakonischen Werkes, trug Verantwortung für viele Menschen, die im sozialen Bereich tätig sind. Am Sonntag um 10 Uhr wird der 65-Jährige mit einem Gottesdienst im Schweriner Dom in den Ruhestand verabschiedet. Die Vielfalt habe ihn am Job als Landespastor gereizt, sagt er. Nun wolle er einen Gang zurückschalten, nicht mehr nur E-Mails lesen, sondern gute Bücher, mit den Enkeln Kanu fahren, in der Ostsee surfen.

Scriba sitzt in seinem Büro im Haus des Diakonischen Werkes in der Körnerstraße in Schwerin. An den Wänden drei große Fotografien: eine Allee, ein Rapsfeld, eine Aufnahme von der Ostseeküste – Sinnbilder für Mecklenburg-Vorpommern. Nein, gepackt habe er noch nicht, sagt der Landespastor. Was wird er mitnehmen? „Meine Gitarre und ein kleines Kreuz aus Ton, das mir jemand zum Amtsantritt geschenkt hat.“ Das Gitarrenspiel habe ihn während der gesamten Zeit als Seelsorger begleitet, sagt Scriba. Wegen der Beatles sei er als Jugendlicher vom Klavier auf das Saiteninstrument umgestiegen. „A Hard Day’s Night“ hatte es ihm angetan.

Natürlich hat der Landespastor auch ein kirchliches Lieblingslied. „Nun danket alle Gott“, das Kirchenlied. Aufgewachsen ist Scriba in Thüringen, in einem Pfarrhaus. „Ein Lehrer wollte, dass ich Mathematik studiere“, sagt er. Aber er habe den Freiraum der Kirche in der DDR genossen, sich für die Theologie entschieden. „Ich wusste, das Leben geht nicht in einer Formel auf, wollte der Frage nach Gott auf den Grund gehen.“

Scriba studierte in Jena, erhielt seine erste Anstellung als Pastor im nahen Altendorf, 14 Dörfer, acht Predigtstellen. Eine Herausforderung für einen jungen Pastor. 1986 bewarb sich Scriba in Schwerin, weil er die Stadt so mochte, wurde Seelsorger an der Paulskirche. In Schwerin erlebte er die Wende, wurde selbst ein Teil der Freiheitsbewegung. „Am 2. Oktober 1989 traf sich das Neue Forum bei uns“, sagt Scriba. Am nächsten Tag konnte er bei der Bezirksdirektion der Volkspolizei am Pfaffenteich antreten. „Ich dachte, hier kommst du niemals wieder raus.“ Doch der Paulskirchen-Pastor kam wieder heraus, gehörte zu den Leitern des Runden Tisches in Schwerin, ließ eine neue Heizung in seine Kirche einbauen, rettete die kostbaren Fenster mit Glasmalerei, setzte zu Weihnachten einen Tannenbaum auf den Turm.

1999 wurde Scriba Regierungsbeauftragter der evangelischen Kirchen, kümmerte sich um die Zusammenarbeit mit der Landesregierung, knüpfte Kontakte zur Politik, vertrat die Positionen der Kirche bei der Kindertagesförde- rung, in der Schulpolitik oder beim Sonntagsschutz.

Das Amt des Landespastors für Diakonie übernahm Scriba 2009. 113 Vereine, Stiftungen und Gesellschaften arbeiten heute unter dem Dach des Diakonisches Werkes. In knapp 1000 Einrichtungen mit mehr als 13 000 Mitarbeitenden bietet die Diakonie in Mecklenburg-Vorpommern Rat und Hilfe in ganz unterschiedlichen sozialen Bereichen und Lebenslagen an – von der Kinderbetreuung und der Unterstützung bei Suchtproblemen bis zur Altenhilfe und Behindertenarbeit. Das Diakonische Werk als Werk der Kirche darzustellen, soziale Hilfe auch auf dem flachen Land sicherzustellen, das seien ihm stets besondere Anliegen gewesen, sagt Scriba. Die Fusion der Diakonischen Werke in Mecklenburg-Vorpommern und die Verankerung des gemeinsamen Diakonischen Werkes unter dem Dach der Nordkirche nennt er als wichtige Meilensteine seiner Amtszeit. Seit geraumer Zeit bemüht sich der Landespastor außerdem um die Sanierung des Wichernsaals am Sitz des Diakonischen Werkes in Schwerin. 200 Gäste fasste einst der Saal, der zu dem Gebäude gehört, das 1893 als Herberge „Zur Heimat“ errichtet wurde. Geplant ist ein diakonisches Bildungs- und Begegnungszentrum. Das Land habe eine Förderung mit Mitteln aus Europa zugesagt, sagt Scriba. Bauen werde nun sein Nachfolger im Amt des Landespastors, Paul Philipps, bis dato Leiter des Predigerseminars der Nordkirche in Ratzeburg.

Ganz ausdrücklich, sagt Scriba im Jahr des Reformationsjubiläums, sehe er sich als lutherischer Theologe, der dem Credo folge: Das Leben muss man sich nicht erst verdienen, es ist ein Geschenk Gottes. Für ihn beginne die Woche deshalb mit dem Sonntag, dem Feiertag, betont der scheidende Landespastor, den mit dem großen Reformator ja auch der Vorname verbindet. „Am Outlook-Kalender auf dem Computer kann ich erkennen, wie es ein Mensch mit Luther hält.“ Als Seelsorger habe er immer die Nähe zu den Menschen gesucht, so viele Gemeindemitglieder wie möglich besucht, sagt Scriba. An den Küchentischen im Land entstehe die Kraft des Glaubens.

Im Ruhestand gelte für ihn „family first“, stünden seine Frau, die vier Kinder und die Enkel an erster Stelle, sagt Scriba. Aber sicher werde er weiter gern über Grundfragen des Lebens und des Glaubens diskutieren, die eine oder andere Predigt halten – und zur Gitarre greifen.

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