E-Zigarettenladen in Schwerin : Lust, Gurkensalat zu paffen?

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Vor zwei Jahren eröffnete Maxim Schuster seinen E-Zigarettenladen in Schwerin. Das Geschäft brummt.

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10. Januar 2018, 20:45 Uhr

„Apfel-Kiwi oder Wassermelone-Kaugummi sind Klassiker“, sagt Maxim Schuster. „Aber diesen Sommer war auch Gurkensalat-Minze sehr gefragt. Knoblauch-Tomate und Bockwurst haben wir wieder aus dem Sortiment genommen.“ Immer wieder zieht der 26-jährige Schweriner an seiner E-Zigarette. „Das ist Trauben-Geschmack“, erklärt er, während dicke weiße Wolken aus seiner Nase steigen. Dabei ist in seinem Laden Luxury Vape das Rauchen strickt verboten. Doch Schuster raucht nicht. Er dampft.

Dampfen, so nennen Insider den Konsum von E-Zigaretten. Denn sie sind ohne Tabak und erzeugen keinen Rauch, sondern eben Dampf und sollen damit weniger gesundheitsgefährdend sein. Die Nachfrage nach der Alternative zum Glimmstängel ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen. „Das ist kein Suchtmittel. Das ist ein Lifestyle-Produkt“, meint Schuster.

Vor zwei Jahren eröffnete der Schweriner seinen E-Zigarettenladen. Einer von vielen Shops, die in den vergangenen Jahren in MV aus dem Boden geschossen sind. Das Geschäft brummt. Auf 300 Quadratmetern bietet er in der Einkaufspassage Mecklenburgstraße alles an, was das Dampferherz begehrt: verschiedene Geschmacksrichtungen – so genannte Liquids –, Akkus, Mundstücke, Taschen…

Die E-Zigaretten kommen in allen Formen und Farben. Sie haben Displays, einige verfügen über Schrittzähler, mp3-Player oder auch ein Navi, manche sind aus Gold. – Da bekommt der Begriff Dampfmaschine eine ganz neue Bedeutung. Noch skurriler wird es bei den Liquids. Wenn Schuster sagt, es ist für jeden Geschmack etwas dabei, meint er das wörtlich: Es gibt Apfel oder Kirsche genauso wie Kaffee, Käsekuchen, Snickers oder Nutella, aber auch Pommes und Currywurst oder eben Knoblauch-Tomate. Über 400 Geschmacksrichtungen bietet Schuster in seinem Laden an – mit und ohne Nikotin. „Richtig gut schmeckt auch Toast mit Marmelade.“

Bis vor drei Jahren rauchte Schuster noch Tabakzigaretten. Als er auf „den tragbaren Wasserkocher“ umstieg – wie er die Verdampfer nennt – sei er sofort begeistert gewesen. Er spare so etwa 180 Euro im Monat. Außerdem erzeugte der Dampf keine Rückstände wie der Tabakrauch. „Die Wand bleibt weiß.“ Von der Kritik, dass auch E-Zigaretten Nebenwirkungen haben, hält er nichts. „Ich habe innerhalb kürzester Zeit aufgehört zu rauchen“, erzählt er. „Ich fühlte mich gesünder. Es hat sich schon bemerkbar gemacht, beim Treppensteigen oder beim Sport.“ Auch das Deutsche Ärzteblatt berichtete im vergangenen Jahr: „Laut Studien weisen Raucher, die komplett auf das Dampfen umsteigen, nach einem Jahr deutlich bessere Blutdruck- und Atemfunktionswerte auf.“ Deshalb könnten E-Zigaretten jedoch nicht per se als harmlos eingestuft werden. Die Liquids bestehen neben Wasser und Aromen aus verschiedenen Chemikalien.

Bei der Verbrennung können sich u. a. die Stoffe Formaldehyd und Acrolein bilden, die in höherer Konzentration giftig sind. Besser sei immer noch, ganz auf die Inhalation von Genussmitteln zu verzichten. Mediziner befürchten außerdem, dass vor allem junge Menschen durch die scheinbar harmlose Tabakalternative zum Rauchen verleitet werden.

Den Laden Luxury Vape darf man nur mit 18 Jahren betreten. Der Durchschnittskunde sei um die 30, schätzt Schuster. Auf seinen Verdampfer wird er nicht verzichten. „Er gehört dazu, wie ein Smartphone. Ich habe ihn immer in meiner Tasche.“

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