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Heike Müller steht an der Spitze des Landfrauenverbandes in MV : Lust auf Dorf gegen Landfrust

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Seit 1990 macht sich der Landfrauenverband stark für die Frauen auf dem Dorf. Seit Anfang des Jahres steht Heike Müller aus Gessin in der Seenplatte an der Spitze des Verbandes. Wir sprachen mit ihr.

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erstellt am 26.Jun.2013 | 10:50 Uhr

Teterow | Seit 1990 macht sich der Landfrauenverband stark für die Frauen auf dem Dorf. Seit Anfang des Jahres steht Heike Müller aus Gessin in der Seenplatte an der Spitze des Verbandes. Was sie nicht nur den in 13 Kreisverbänden organisierten mehr als 1000 Bäuerinnen bieten kann und wo auf Bewährtes gesetzt wird, beantwortete die Diplom-Agrar-Ingenieurin Ralph Schipke.

"Landlust" oder "Landliebe" sind mediale Verkaufsschlager in jedem Zeitungskiosk. Ist diese Wiederentdeckung des Landlebens eine Woge, auf der sie mitschwimmen könnten?

Müller: Zum Teil. Aber oft ist das in den Zeitschriften doch ein Spiel mit Klischees. Na klar gehören auch die schönen Seiten zum Landleben hinzu. Damit prahlen wir auch gern. So gibt es in diesem Jahr eine Aktion "Landfrauen öffnen ihre Gärten", für die sich unsere Orts- und Kreisverbände Gärten oder Parks aussuchen, um dort Veranstaltungen zu organisieren. Die Realität in Dörfern und Betrieben sieht oft anders aus, als im bunten Hochglanzdruck vorgezeigt. Tierhaltung zum Beispiel, wie sie in der "Landlust" dargestellt wird, ist Hobbytierhaltung. Trotzdem hätten wir auch in unserer Nichthobby-Tierhaltung schöne Bilder zu bieten.

In Stavenhagen gibt es zum Beispiel alle zwei Jahre eine Kreistierschau. Auf der präsentiert der Bauernverband Tiere so, wie sie aus dem Bestand kommen: Milchkühe, Mutterkühe, Schweine. Da kann der Verbraucher überprüfen, wie unsere Tiere real aussehen, ob sie tiergerecht gehalten werden.

Sind die immer neuen Lebensmittelskandale ein Landfrauen-Thema?

Die meisten Skandale haben im Futtermittelbereich ihren Anfang genommen. Landwirte hatten nicht primär damit zu tun. Vielleicht bekommen jetzt aber kleine Produzenten eine größere Chance, ihre selbst erzeugten und veredelten Lebensmittel regional abzusetzen. Die Kunden wollen ja zunehmend regionale Produkte kaufen. Aber wenn Sie Lebensmittel im bäuerlichen Betrieb verarbeiten wollen, sind hohe Hürden zu überwinden. Da muss entsprechend investiert werden. Sie brauchen verlässliche Partner für Vertrieb und Absatz.

Sollte das Problem nicht aus anderer Perspektive angegangen werden? Es gibt so viele junge Leute, die den Umgang mit frischen Lebensmitteln nicht kennen und sich lieber mit Fertigprodukten sättigen. Ist gesunde Ernährung ein Bilderbuch-Thema für den Verband?

Wir Deutschen haben die teuersten Küchen und kochen am wenigsten. Vielleicht auch am schlechtesten… Das ist schon paradox. Dieser Trend stimmt uns in der Tat bedenklich. Meiner jüngsten Tochter bringe ich gerade bei, wie man aus Rohprodukten - Fleisch, Kartoffeln und Gemüse aus dem Garten -, schnell etwas Vernünftiges kochen kann. Meine Kinder lernen den Weg vom Stall und vom Feld auf den Teller mit jeder Etappe kennen. Der Verband bietet zum Beispiel einen Ernährungsführerschein, mit dem wir an Schulen gehen. Bildungsangebote gibt es aber auch zu erneuerbaren Energien, zu Gesundheitsthemen oder unter der Überschrift "Facebook, Twitter und Co - wie können wir sie effektiv für uns nutzen?" immer getreu unserem Motto "Land braucht Leben…".

Funktioniert ihr Landfrauen-Netzwerk in Zeiten von Smartphone und Computer noch ganz traditionell?

Wir kommunizieren zunehmend auch über die neuen Medien, nutzen Facebook und Newsletter, haben gerade eine neue Homepage bekommen, um uns noch besser untereinander auszutauschen. Das mag für Ältere auch eine Hemmschwelle sein. Doch wir Frauen um die 50 bemerken hocherfreut, dass unsere kleine Community im Netz wächst. Neue Technik erleichtert Austausch und gegenseitige Information enorm, ersetzt aber nicht den Treff im Dorf vor Ort.

Wann und wie wird frau denn eigentlich Mitglied in Ihrem Verein?

Jede Landfrau kann sich bei ihrem Ortsverband - sollte es den nicht geben - beim Kreisverband melden. Die Mitgliedsbeiträge liegen bei 20 Euro im Jahr. Viele unserer Vereinsfrauen haben einen bäuerlichen Berufshintergrund. Landwirtin zu sein ist aber nicht zwingende Voraussetzung. Unsere Klammer ist das Leben im ländlichen Raum. Jede, die uns unterstützen möchte, ist willkommen. Sie gibt uns die Stimme und das Mandat, auf vielen gesellschaftlichen Bühnen für den ländlichen Raum einzutreten.

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