zur Navigation springen
Mecklenburg-Vorpommern

20. November 2017 | 20:23 Uhr

Wissenschaftspreis : Lupinen in der Milch

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Projekt zur Erforschung der heimischen Eiweißpflanze als Nahrungsmittel für Zukunftspreis nominiert.

svz.de von
erstellt am 02.Okt.2014 | 07:30 Uhr

In Gärten sind sie eine Zierde. Die Bauern nutzen sie als Zwischenfrucht und pflügen sie anschließend unter. Zum Essen aber sind Lupinen zu bitter. Sie schmecken nicht und riechen nach Heu. Ein Jammer, denn Lupinensamen sind sehr eiweißreich. Forschern des Fraunhofer-Instituts für Verfahrenstechnik und Verpackung in Freising bei München und der in der Folge gegründeten Prolupin GmbH in Grimmen (Vorpommern) ist es gelungen, in einem mehrstufigen Verfahren mit Kohlendioxid unter Druck den bitteren und grasigen Beigeschmack zu entfernen. Dieses und zwei weitere Projekte sind nominiert für den Deutschen Zukunftspreis 2014.

Der mit 250 000 Euro dotierte Preis des Bundespräsidenten gehört zu den bedeutendsten Wissenschaftspreisen in Deutschland. Voraussetzung ist neben dem Innovationspotenzial die Marktfähigkeit. Im Rennen sind auch eine Technologie, mit der Stoffe für neue Arzneimittel schnell und kostengünstig auf Wirksamkeit getestet werden können, sowie ein Verfahren zur Herstellung von festem und dennoch gut formbarem Stahl. Beide haben sich im Markt etabliert. Prolupin will jetzt Gas geben.

Seit 2011 gibt es Speiseeis namens Lupinesse. Anfang 2015 sollen Milch, Joghurt, Brotaufstrich und Mayonnaise folgen. „Wir gehen davon aus, dass wir loslegen können“, sagte Peter Eisner von Prolupin. 250 Tonnen Grundstoff könne die Firma im Jahr herstellen, genug für 12 Millionen Liter Lupinen-Milch. „Es war unsere Aufgabe, einen einheimischen Rohstoff zu finden.“ Bei Soja gebe es Kritik, da für den Anbau Regenwälder abgeholzt und die Bohnen von weit importiert würden. Viele störe der Geschmack. Auch Soja bringe ein „muffiges, bohniges, bitteres Aroma“ mit. Bauern nutzen Lupinen zur Bodenverbesserung. Ob sich – wie das Team von Prolupin hofft – mit neutral schmeckenden Lupinenprodukten lohnende Absatzmöglichkeiten auftun, ist offen.

Der Deutsche Bauernverband setzt sich seit Langem für die Entwicklung heimischer Eiweißpflanzen ein, sieht aber noch erheblichen Forschungsbedarf. Bei Soja sei man mit Züchtungen für hiesige Breiten noch am Anfang, und auch Lupinen brächten nicht unbedingt die erwartete Ernte. Die Erträge seien „nicht hoch und nicht stabil“, sagt Verbandssprecher Michael Lohse.

Bis zum 19. November müssen die Teams sich nun gedulden: Die Jury gibt ihre Entscheidung erst am Tag der Preisvergabe bekannt. Joachim Gauck verleiht die Auszeichnung dann bei einem Festakt in Berlin.


zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen