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Fürsorge für Gestrauchelte : Lukratives Geschäft mit Arbeitslosen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Bildungsfirmen organisieren dank EU-Förderung Intensivbetreuung für Rückkehr auf den Arbeitsmarkt

von
erstellt am 12.Apr.2016 | 05:00 Uhr

Fürsorge für Gestrauchelte: Mit rund 1,8 Millionen Euro aus EU- und Mitteln der Jobcenter versucht das Sozialministerium MV Langzeitarbeitslose mit erheblichen Problemen in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Fast 650 Menschen konnten im Vorjahr durch intensive Betreuung und Beratung schrittweise an den Arbeitsmarkt herangeführt werden, teilte der im Ministerium angesiedelte Regionalbeirat Westmecklenburg für den Europäischen Sozialfonds (ESF) gestern mit. Das bedeutet, für jeden Einzelfall bringt die Gemeinschaft durchschnittlich fast 2770 Euro auf. Finanziert werden damit Projekte freier Bildungsträger, die davon Integrations- und Familienbetreuungsmaßnahmen („Coaching“) organisieren.

Die Klienten sind überweigend zwischen 25 und 50 Jahre alt und meist weitaus länger als ein Jahr arbeitslos, verfügen oft über geringe Qualifikation und haben meist gesundheitliche Einschränkungen, sagte Dr. Karsten Schuldt von der Geschäftsstelle des ESF-Regionalbeirats unserer Zeitung. Von Depression und Demotivation über verschiedenste Suchterkrankungen „bis zur ganzen Bandbreite der Handicaps“, so Schuldt. „Fast jeder hat im Schnitt drei solcher Rucksäcke zu tragen.“

Die Klienten kämen über zwei Stufen ins Programm: Jobcenter verpflichten geeignete Langzeitarbeitslose, Informations-Veranstaltungen von Bildungsträgern zu besuchen, andernfalls drohen Sanktionen. Die Teilnahme an einer der angebotenen Maßnahmen ist dann allerdings freiwillig, betonte Schuldt.

Neu im Programm sind Formen der aufsuchenden Betreuungsarbeit. So werden in kleinen Gemeinden im Bereich Sternberg und Crivitz Sprechstunden angeboten. Im Bereich Wismar, Grevesmühlen, Gadebusch schickt die Bildungsfirma jetzt einen Beratungs-Bus über die Dörfer. Das seien zwei Versuche, möglichst nahe an die Betroffenen heran zu kommen. Die Quote negativer Abbrecher sei mit 25 Fällen außergewöhnlich gering. Gering ist auch der Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund. Dabei handelt es sich laut Schuldt um Zuwanderer, die schon länger in MV lebten. Für Flüchtlinge gäbe es wegen der Sprachbarriere spezielle Integrationsprogramme.

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