Drohnen retten Leben : „Luftrettung“ für Wildtiere

Helfen Wildtieren: Michael Hillmann, Vereinschef Frank Demke und Pilot Siegfried Falke (v.l.)
Helfen Wildtieren: Michael Hillmann, Vereinschef Frank Demke und Pilot Siegfried Falke (v.l.)

Mit Drohnen auf der Suche nach Rehkitzen – bevor die Erntemaschinen rollen / Kostenloser Service für Landwirte in MV

svz.de von
24. Juli 2015, 21:00 Uhr

„Ein bisschen bekloppt muss man schon sein“, sagt Frank Demke vor der Demonstration einer Drohne. Der 53-Jährige ist Vereinschef der Wildtierhilfe MV aus Sabel bei Laage (Landkreis Rostock). Er und seine Mitstreiter haben es sich zur Aufgabe gemacht, mit den unbemannten Fluggeräten Wildtierjunge aus Wiesen zu retten, bevor diese abgemäht werden. 500 000 Wildtiere sterben bundesweit jährlich, weil sie von Erntemaschinen verstümmelt oder getötet werden, schätzt der Verein.

Zwei Drohnen haben die 16 Vereinsmitglieder mit Kameras für Video und Wärmebilder ausgestattet, um die Jungtiere aus der Luft aufzuspüren. Kostenpunkt pro Fluggerät: 12 000 Euro. Das Geld haben die Tierschützer aus Spenden von Unternehmen und von Privatpersonen erhalten. Mehrere Tausend Euro habe er in den letzten Jahren privat zugeschossen. Vor drei Jahren gründeten Demke und seine 15 Mitstreiter den Verein, unterstützt werden sie von 25 Helfern. Gestern konnte sich die Wildtierhilfe über weitere 2500 Euro freuen. Michael Hillmann vom Schweriner Energieversorger Wemag überreichte einen Scheck. Das Geld solle in neue Akkus investiert werden, sagte Pilot Siegfried Talke.

In der Mähzeit von Mai bis Juli beginnen die Tage – häufig schon zwei Uhr nachts. Mehrere Leute sind notwendig, um die Suche schnell und effizient durchzuführen. Geschwindigkeit sei wichtig, um die Landwirte nicht zu behindern, erklärt Demke. Zwei Piloten fliegen das Gerät und behalten den Wärmebildmonitor im Auge. Andere Helfer gehen mit Videobrillen ausgerüstet auf die Wiese. Damit sehen sie das Wärmebild, das von der Drohne übertragen wird. Sie müssen zu Fuß überprüfen, ob ein Wärmepunkt ein Maulwurfshügel oder ein junges Rehkitz ist. Doch „jedes Leben ist wertvoll“, sagt Demke, und so retten sie auch Vögel, die am Boden brüten.

Der Sprecher der unteren Jagdbehörde im Kreis Vorpommern-Greifswald, Achim Froitzheim, hält die Technik für eine „begrüßenswerte Sache“. „Um diese Jahreszeit spielen sich immer tragische Szenen ab, wenn Tausende Tiere den Mähtod sterben“, sagt er.

Mit den beiden Drohnen haben die Tierschützer in diesem Jahr 1000 Hektar absuchen und 31 Rehkitze retten können, erzählt Vereinschef Demke weiter. Sein Wunsch ist eine größere Sensibilität bei den Landwirten. Für sie ist der Service kostenlos, sie müssten Demke nur vor der Mahd anrufen, sagt er. „Der Landwirt sieht uns manchmal gar nicht“, erzählt er weiter, so entstehe auch keine Zeitverzögerung bei der Ernte.

Doch viel mehr als die sieben Landwirte, deren Wiesen sie in dieser Saison abflogen, sei nicht zu schaffen. Er wünscht sich eine vom Land finanzierte „Eingreiftruppe“, die sich in der Mähsaison nur um das Retten der Tiere kümmern könnte.

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