Mecklenburg vorpommern : Lücken bei Kursen für Analphabeten

Mehrere Volkshochschulen bieten keine Lehrgänge zum Lesen- und Schreibenlernen für Erwachsene an.

svz.de von
21. Juli 2014, 07:49 Uhr

Im Netz der Kursangebote für Analphabeten klaffen in Mecklenburg-Vorpommern empfindliche Lücken. Mehrere Volkshochschulen bieten keine Lehrgänge zum Lesen- und Schreibenlernen für Erwachsene an, weil sie keine oder zu wenige Teilnehmer finden. „Wir haben nicht genügend Personal, um flächendeckend in den Ämtern, die mit möglicherweise Betroffenen Umgang haben, Aufklärungs- und Schulungsarbeit zu leisten“, sagte die Direktorin des Volkshochschulverbandes, Ines Schmidt.

Dem Bildungsministerium zufolge boten im vergangenen Jahr die Volkshochschulen in Wismar, Nordwestmecklenburg, Rügen, Bad Doberan und Güstrow keine Kurse an. Das geht aus der Antwort auf eine Kleine Anfrage der Linken im Landtag hervor.

Einer Studie aus dem Jahr 2010 zufolge können in Deutschland rund 7,5 Millionen Erwachsene nicht ausreichend lesen und schreiben und sind funktionale Analphabeten. Das würde für Mecklenburg-Vorpommern gemäß seinem Bevölkerungsanteil etwa 150 000 Betroffene bedeuten. Im vergangenen Jahr nahmen dem Bildungsministerium zufolge 1108 Menschen an Alphabetisierungskursen der Volkshochschulen teil.

Die bildungspolitische Sprecherin der Linken im Landtag, Simone Oldenburg, forderte ein Landesprogramm, um Mitarbeiter von Ämtern, Arbeitsagenturen und Jobcentern im Erkennen von Analphabetismus zu schulen. Denn viele versuchen, ihre mangelnden Lesekenntnisse zu kaschieren. Ein Programm dieser Art wäre gut, sagte auch Verbandsdirektorin Schmidt.

Obwohl das Land für die Grundbildung erhebliche Mittel bereitstellt – pro Jahr sind es derzeit 330 000 Euro – müssen Analphabeten für Kurse einen Beitrag entrichten. Oldenburg fordert daher eine komplette Abschaffung der Gebühren.

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