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Lucas Albrecht: Den Druck mache ich mir selbst

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erstellt am 03.Aug.2012 | 06:22 Uhr

Rostock | Malick Bolivard, Freddy Borg, Marek Mintál, Enrico Neitzel, Marcel Schied, Tino Semmer, Radovan Vujanovic. Sie alle stürmten in den zurückliegenden zwei Saisons für den FC Hansa. Und sie alle sind spätestens jetzt - nach dem zweiten Absturz in die Fußball-Drittklassigkeit - nicht mehr da.

Einzige Ausnahme: Lucas Albrecht (Vertrag bis 2013). Der 21-Jährige hat zwar eine wahrlich nicht überragende Profi-Bilanz von 35 Einsätzen und einem Tor vorzuweisen (3. Liga 2010/11 - 26/0, 2. Bundesliga 2011/12 - 7/1, 3. Liga 2012/13 - 2/0). Aber wo die Kiste steht und wie man die Kugel in ihr versenkt, das weiß er eigentlich. Mit 17 Treffern hatte der gebürtige Neubrandenburger maßgeblichen Anteil daran, dass die A-Junioren des FCH 2009/10 Deutscher Meister wurden. Sechs Tore in 13 Einsätzen steuerte er zum Titel der zweiten Männer in der Oberliga Nordost/Nord 2011/12 bei. Und in der Saisonvorbereitung knipste er ebenfalls sechsmal in sieben Tests.

"0:3 in Unterhaching war ein Kackspiel"

Auch diese gute Quote bescherte ihm einen Platz in der Start-Elf beim 0:3 heute vor einer Woche in Unterhaching. "Das war aber leider ein, auf Deutsch gesagt, Kackspiel. Allgemein, von uns allen", so Albrecht. "Ich persönlich wollte mich mehr zeigen, Akzente setzen, doch es war an dem Tag nicht möglich. Aber es ist erst der 2. Spieltag gewesen. Wir sollten ruhig bleiben. Wobei wir natürlich am Sonnabend gegen Babelsberg auf jeden Fall drei Punkte holen müssen. In Unterhaching haben wir nicht nur verloren, sondern auch noch eine schlechte Leistung gezeigt. Insofern war das doppelt bitter. Aber es gibt noch genug Gelegenheiten, wo wir dieses 0:3 wieder ausgleichen können. Das Problem ist, dass wir das, was im Training klappt, im Spiel noch nicht so gut wie möglich umsetzen."

In der 2. Liga 2011/12 war es Albrecht ein einziges Mal vergönnt gewesen, von Beginn an aufzulaufen und dann auch über die volle Zeit auf dem Platz zu verbringen. Prompt traf er damals, am 25. November 2011 beim 2:5 gegen den 1. FC Union Berlin, zum 2:4 (74.) - sein bislang einziges Tor bei den Profis.

Obwohl er selbst Werder Bremen einen einschenkte (beim 3:0 im Freundschaftsspiel am 17. Januar 2012), kam er in der Rückrunde nur ein einziges Mal zum Einsatz, nach dem 9. Dezember 2011 gar nicht mehr. "Da", erinnert sich der junge Angreifer mit Grausen, "habe ich an mir gezweifelt, kamen Gedanken auf, dass Fußball manchmal ein doofes Geschäft ist. Ich war überzeugt, dass ich einigermaßen die Leistung bringe. Aber das hat sich nicht widergespiegelt."

Inzwischen ist die Chance zu einem Neubeginn da. Für Lucas Albrecht trotz seiner Jugend vielleicht die letzte, im Profi-Fußball Fuß zu fassen. Schon jetzt gibt es genug Stimmen à la "Der packt’s nicht mehr". Dem 1,93-Meter-Schlaks verbleibt womöglich nur diese eine Saison, in der endlich der Knoten platzen muss. Das wisse er, und mit dem Druck könne er umgehen: "Druck habe ich für mich persönlich immer, den mache ich mir selbst. Die vorige Saison war für mich eine absolute Katastrophe. Da konnte ich machen, was ich wollte, ich wurde gar nicht richtig wahrgenommen. Aber ich konzentriere mich immer im Kurzbereich. Und jetzt spiele ich eine wichtigere Rolle. Darum mache ich mir noch keine Gedanken, was in einem Jahr ist."

Also: Fokussierung auf die heutige Aufgabe gegen Babelsberg und die Hoffnung - auch wenn er wahrscheinlich nicht in der Start-Elf steht -, erneut Einsatzzeit zu bekommen. "Ich merke im Training, dass es gut läuft, dass ich mich weiterentwickle, und nehme daraus größeren Mut. Was den Verein betrifft, meine ich: Wenn man aus der 2. Bundesliga abgestiegen ist, muss man sich einfach den Aufstieg vornehmen. Hansa Rostock, das Umfeld, die Leute gehören nicht in die 3. Liga. Es kann nur heißen, schnellstmöglich wieder hoch zu kommen. Dafür muss alles versucht werden, auch wenn nur wenig Geld da ist."

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