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EWN-Fachleute in Ex-Ostblock-Staaten gefragt : Lubminer Atom-Feuerwehr

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Sechs Jahre lang studierte Detlef Mietann an der Uni Kiew Kernkraftwerkstechnik. Seit 2003 pendelt er zwischen Lubmin und Murmansk, wo die EWN ein Zwischenlager für ausgemusterte Atom-U-Boote errichteten.

Lubmin | Sechs Jahre lang - von 1972 bis 1978 - studierte der Atommüll-Experte Detlef Mietann an der Universität in Kiew Kernkraftwerkstechnik. Er lernte Russisch und die Mentalität der Ukrainer und Russen kennen - eine Erfahrung, die ihm jetzt, fast 40 Jahre später, bei den Verhandlungen mit seinen russischen Kollegen sehr nützt. "Es gibt keine Sprachbarrieren und daher auch weniger Missverständnisse", sagt der 58 Jahre alte Projektleiter bei den Energiewerken Nord (EWN). Seit 2003 pendelt Mietann zwischen seinem Stammarbeitsplatz in Lubmin und dem russischen Murmansk, wo die EWN ein Zwischenlager für ausgemusterte Atom-U-Boote errichteten und nun den Bau eines atomaren Entsorgungszentrums vorantreiben.

In der rund 300 Millionen Euro teuren Anlage in der Saida-Bucht sollen ab 2015 schwach- und mittelradioaktive Abfälle, die während des Betriebs der sowjetischen Atom-U-Boot-Flotte angefallen sind, gelagert und bearbeitet werden. Nach zwei Jahren Bauzeit sei der Lagerkomplex inzwischen im Rohbau weitgehend fertiggestellt, erklärt Mietann, Chef eines rund 15 Mitarbeiter starken Teams.

Dokumentationszentrum für Tschernobyl

Noch mitten im Rückbau der einstigen DDR-Atomanlagen in Lubmin und Rheinsberg (Brandenburg) übernahmen die bundeseigenen Energiewerke Nord im Oktober 2003 einen 300-Millionen-Euro-Auftrag für den Bau des 5,5 Hektar großen Lagerplatzes für 150 Atom-U-Boote in Murmansk. Dies geschah im Rahmen der G8-Partnerschaft gegen die weltweite Verbreitung von Massenvernichtungswaffen. Die EWN entwickelten für die in der Nordmeer-Bucht dümpelnden Altlasten ein Entsorgungskonzept nach internationalen Sicherheitsstandards. Das so genannte Langzeitzwischenlager, eine gesicherte Freifläche mit Messeinrichtungen, beherbergt inzwischen 47 Reaktorsektionen ehemaliger sowjetischer U-Boote.

Als Rückbauspezialist für atomare Altlasten sind die EWN auch in anderen ehemaligen Ostblock-Ländern gefragt. Der internationale Wettbewerb um die Prestige-Vorhaben ist hart. EWN-Geschäftsführer Henry Cordes ist davon überzeugt, dass neben der hohen fachlichen Kompetenz auch "weiche Faktoren" wie die Vertrautheit der EWN-Mitarbeiter mit den sowjetisch geprägten Reaktorlinien und die Kenntnis der Sprache dafür sorgen, dass die EWN im Konkurrenzkampf gut dastehen.

Für das 1986 havarierte Atomkraftwerk in Tschernobyl erstellen die EWN derzeit ein Dokumentations- und Informationssystem zum Rückbau. Der letzte Block der Anlage war erst Ende 2000 vom Netz genommen worden. In der Datensammlung würden die Demontage-Abläufe für den späteren Rückbau, Kosten sowie das Genehmigungsmanagement präzise festgelegt, erklärt EWN-Sprecherin Marlies Philipp. Auch für die abgeschalteten Kernkraftwerke in Ignalina in Litauen, in Rowno und Zaporoshye (beide Ukraine), Bohunice (Slowakei) und Kozlodoy (Bulgarien) erarbeiten die EWN Stilllegungs- und Rückbaukonzepte.

Zur Nachhilfe aus Japan oder China nach MV

Mit diesem Auslandsgeschäft - ohne den Sonderfall des U-Boot-Projekts - hat die EWN durchschnittliche Erträge von rund 2,5 Millionen Euro pro Jahr erzielt. Das seien rund 2,5 Prozent des EWN-Budgets, um die Bund und Steuerzahler entlastet würden.

Ein wichtiger Bestandteil der Auslandsaktivitäten seien die Trainingskurse für Kraftwerksspezialisten aus anderen Ländern, die sich die EWN bezahlen lassen. Fachleute aus Japan, China oder Russland kommen nach Lubmin, um sich das Know-how über den Rückbau von Kraftwerksanlagen anzueignen.

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erstellt am 07.Dez.2011 | 06:57 Uhr

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