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Ungewöhnlicher Betrugsfall : Lotteriegewinner mit viel Pech

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Eine Frau bringt einen 54-Jährigen um viel Geld – das Problem vor Gericht: Der Geschädigte hat keinen Überblick und die Angeklagte schweigt

svz.de von
erstellt am 27.Jan.2014 | 21:00 Uhr

Im Sommer 2010 hatte ein Arbeitsloser in Mecklenburg-Vorpommern viel Glück. Er gewann rund eine Million Euro in einer Lotterie. Doch dann kam das Pech: „Davon ist nichts mehr übrig“, sagte der 54-Jährige gestern vor dem Landgericht Neubrandenburg. Dort hat der Prozess gegen eine 60-jährige mutmaßliche Betrügerin begonnen, die auch den Lotteriegewinner um viel Geld gebracht haben soll. Die Frau soll ihren „Kunden“ 50 Prozent Zinsen versprochen haben.

Die Frau muss sich laut Anklage wegen gewerbsmäßigen Betruges in 27 Fällen verantworten. „Sie gab sich als Anlageberaterin aus und soll sich so knapp 290 000 Euro erschlichen haben“, erklärte Staatsanwalt Klaus Oerters zu Prozessbeginn. Der Lotteriegewinner soll ihr Ende 2011 an die 24-mal Geld übergeben haben, insgesamt 284 000 Euro, schilderte die Anklagebehörde. Erst habe sie ein Ehepaar betrogen, danach vor allem den gelernten Heizungsinstallateur mit seiner Million. Die Angeklagte, die zur Tatzeit wegen einer drohenden Haftstrafe untergetaucht war, schwieg zunächst. „Sie will sich vielleicht später äußern“, sagte Verteidiger Uwe Altemeyer.

Die Befragung des Opfers erwies sich am ersten Prozesstag als schwierig. „Dass sie so gar keine Erinnerung haben, wann sie der Frau was gegeben haben, das verstehe ich nicht“, erklärte Richter Klaus Kabisch nach drei Stunden sichtlich genervt dem Zeugen.

„Ja wir hatten Kontakt“, gibt die Angeklagte dann auch in einem Nebensatz zu. Aber der Lotteriegewinner sei wegen Naivität selbst schuld gewesen und habe ihr freiwillig das Geld gegeben, erklärte sie in einem Schreiben.

Den Ermittlungen zufolge suchte die Angeklagte den Lotteriegewinner Ende 2010 in seinem Dorf bei Loitz (Kreis Vorpommern-Greifswald) auf. Eine Zeitung hatte über den Gewinn von einer Million Euro geschrieben. Im November 2011 übergab der „Glückspilz“ der Frau 50 000 Euro, die ihm bis Jahresende 75 000 Euro zurückzahlen wollte. Aber statt der Gewinne, habe der Geschädigte der Frau bis Ende 2011 dann 284 000 Euro ausgehändigt, erklärte die Staatsanwaltschaft.

An die konkreten Termine und Summen kann sich das Opfer nicht mehr erinnern. Erst im April 2012 zeigte er die Frau an. „Das Einzige, was ich noch habe, sind zwei Schuldscheine“, sagte der Zeuge. Darin habe die Frau ihm drei Millionen Euro und weitere zehn Millionen Euro versprochen.

„Die Masche hat sie auch bei uns angewandt“, sagt eine Frau aus Ribnitz-Damgarten im Zuschauerraum. Sie habe rund 8000 Euro verloren. „Bei uns gehörte die Frau schon fast zur Familie.“

Der Fall sorgte für viel Aufsehen, weil die wegen Betrugs schon verurteilte Frau 2010 untergetaucht war und erst Anfang 2013 von Zielfahndern in Barth (Kreis Vorpommern-Rügen) aufgespürt wurde. Sie hatte sich unter falschem Namen in einer Ferienwohnung eingemietet.

Die Angeklagte schaute während des Prozesses nur ganz selten zu ihrem „Bekannten“. Die schlanke, kleine Frau hüllte sich in ihren Parka. Ihr drohen mehr als vier Jahre Freiheitsstrafe. Der Prozess wird am 17. Februar fortgesetzt. Mit einem Urteil wird frühestens im März gerechnet. „Ich glaube nicht, dass ich noch Geld wiedersehe“, erklärte der Geschädigte.

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