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Lotterieaufsicht bringt Sozialprojekte um Millionen

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erstellt am 10.Sep.2013 | 09:55 Uhr

Schwerin | In der Behinderten- , Kinder- und Jugendhilfe in MV wird das Geld knapp: Nach den von der Lotterieaufsicht drastisch verschärften Lotterieregeln fürchtet die Aktion Mensch um den millionenschweren Förderetat für soziale Projekte im Nordosten. So habe das Glückspielkollegium der Länder entgegen dem 2012 geschlossenen Glückspielstaatsvertrag ursprünglich vereinbarte Erleichterungen deutlich verschärft. Damit wird unter anderem der Verkauf von Losgutscheinen im Einzelhandel sowie der seit vielen Jahren übliche Verkauf von Geschenk-Losen im Internet untersagt. Der Verkauf von Losgutscheinen in Postfilialen wurde zudem erschwert und mit Auflagen belegt.

Die Aktion Mensch sieht jetzt Millioneneinnahmen in Gefahr. "Durch die Überregulierung und überzogenen Auflagen ist die Zukunftsfähigkeit der Soziallotterien bedroht", sagte Aktion-Mensch-Aufsichtsrat und Ex-Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt gegenüber unserer Zeitung. In den vergangenen Monaten sei der Verkauf der Lotterielose bereits zurückgegangen. Damit könne auch weniger Geld für soziale Projekte zur Verfügung gestellt werden. Bislang zählte die Lotterie etwa 4,6 Millionen Teilnehmer. Fast die Hälfte der Lotterie-Einnahmen würden wieder ausgeschüttet. "Jeden Monat, in dem die Lotterielose nicht im Einzelhandel verkauft werden können, drohen deutliche Einbußen", meinte Schmidt.

Damit werden viele Sozialprojekte in MV um eine ihrer wichtigsten Einnahmequellen gebracht. Aktion Mensch ist in MV einer der wichtigsten Finanziers u. a. für Wohn- oder Arbeitsprojekte für Menschen mit Behinderungen. In den vergangenen zehn Jahren flossen 31,7 Millionen Euro aus den Lotterieeinnahmen in mehr als 1200 Projekte in MV. 1,25 Milliarden Euro steuerte die Soziallotterie bundesweit in den vergangenen fünf Jahren für das Gemeinwohl bei und unterstützte monatlich bis zu 1000 Projekte. Damit ist die Aktion Mensch die größte Soziallotterie in Deutschland.

Mit mehr als einer halben Million Euro wurde beispielsweise das Diakoniewerk Neues Ufer in Schwerin unterstützt. Damit sei unter anderem der Neubau einer Wäscherei in den Ramper Werkstätten unterstützt und ein behindertengerechter Bus angeschafft worden, teilte Werkstattchef Berno Thin mit: "Ohne die Zuschüsse sind die Projekte allein aus Eigenmitteln nicht zu finanzieren." Jetzt drohende Kürzungen der Lotteriegelder "sind nicht auszugleichen", meinte Thin. Angesichts klammer Kassen sei nicht damit zu rechnen, dass Land oder Kommunen die Finanzierung übernehmen würden. Auch seien keine anderen Großspender in Sicht, erklärte Thin.

Lotterie-Aufsichtsrat Schmidt forderte die Ministerpräsidenten der Länder auf, die Entscheidung des Kollegiums "im Sinne der Menschen" zu korrigieren, da von dem Loskauf keine Spielsucht-Gefahr ausgehe. Die Länder müssten sich im Klaren sein, dass "alles, was nicht über die Aktion Mensch finanziert werden kann, von den Ländern zu bezahlen wäre".

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