Polizei ermittelt wegen gefährlicher Körperverletzung : Lose Radmuttern: Unfall nach Reifenwechsel

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Haben die Auto-Mechaniker beim Reifenwechsel geschlampt oder steckt sogar böse Absicht dahinter? Diese Frage untersucht die Polizei nach einem Verkehrsunfall bei Lüdersdorf. Im Fokus stehen fünf gelöste Radmuttern.

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29. November 2012, 07:42 Uhr

Lüdersdorf | Haben die Auto-Mechaniker beim Reifenwechsel geschlampt oder steckt sogar böse Absicht dahinter? Diese Frage untersucht derzeit die Polizei nach einem Verkehrsunfall in Nordwestmecklenburg. Im Mittelpunkt der Ermittlungen stehen fünf gelöste Radmuttern.

Wenige Stunden nach einem Reifenwechsel in einer Werkstatt war eine 27-jährige Frau am Mittwochabend bei Lüdersdorf mit ihrem Ford Mondeo ins Schleudern geraten und in eine Leitplanke gefahren. Am rechten Vorderrad eckten die Beamten nur noch zwei lose Radmuttern. Die anderen drei Muttern fehlten. Sie hatten sich offenbar während der Fahrt gelöst, "denn am Unfallort haben wir sie nicht gefunden", erklärte Polizeisprecher André Falke.

Die Fahrerin erlitt bei dem Unfall leichte Verletzungen im Nacken und einen Schock. "Die Frau hat Glück gehabt, dass sie nicht auf der Autobahn unterwegs war", sagte der Polizeisprecher. Am Fahrzeug sei die gesamte rechte Seite kaputt. Den Schaden bezifferte Falke auf 10 000 Euro.

Kriminalbeamte und Sachverständige der Dekra sollen in den nächsten Tagen den Unfall aufklären und untersuchen, warum sich die Radmuttern gelöst haben. Es wird laut Polizeisprecher wegen fahrlässiger Körperverletzung gegen unbekannt ermittelt. Es sei nicht auszuschließen, dass die Auto-Mechaniker die Radmuttern nicht ausreichend festgezogen haben. Da die Pkw-Besitzerin ihren Ford nach dem Werkstattbesuch noch für einige Stunden abgestellt hatte, könnten die Schrauben aber auch von Fremden manipuliert worden sein.

Bei der Aufklärung des Falles werden die Ermittler der Polizei von den Sachverständigen der Dekra unterstützt. Sie sollen unter anderem überprüfen, ob die frisch aufgezogenen Winterreifen "vorschriftsmäßig montiert und die richtigen Radmuttern sowie Felgen verwendet wurden", teilte dazu Detlev Mahlke mit, Verkehrs-Unfallanalytiker der Dekra in Schwerin.

Verkehrsunfälle wegen lockerer Radmuttern sind nach Einschätzung von Experten eher selten. Sind die Schrauben mit einem Drehmomentschlüssel korrekt angezogen, "lösen sie sich nicht so schnell", erklärte der ADAC-Sicherheitsexperte Hubertus Paulus. Kommt es dennoch vor, kann es allerdings sehr gefährlich werden: Das Auto beginnt zu schleudern , die Lenkfähigkeit ist eingeschränkt. "Im Extremfall können sich die Fahrzeuge überschlagen", sagte der Dekra-Unfallanalytiker Mahlke.


Hintergrund: Gewechselte Reifen unbedingt überprüfen

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser: Nach einem Reifenwechsel in der Werkstatt sollten Autobesitzer sicherheitshalber beim Mechaniker nachfragen, ob die Radmuttern auch wirklich mit einem Drehmomentschlüssel fest gezogen worden sind. Eigentlich sollte das selbstverständlich sein. „Aber im Stress kann in der Werkstatt auch einmal etwas vergessen werden“, sagt ADAC-Sicherheitsexperte Hubert Paulus.

Wer mit frisch aufgezogenen Reifen unterwegs ist , dem empfiehlt der ADAC-Fachmann außerdem, nach rund 50 Kilometern einen Kontroll-Stopp einzulegen. Die Fahrer sollten überprüfen, ob noch alle Radmuttern vorhanden sind. Mit Tritten gegen den Reifen lasse sich überprüfen, ob die Muttern fest genug sitzen. Beginnt das Fahrzeug nach einem Reifenwechsel zu schlingern oder treten während der Fahrt ungewöhnliche Geräusche auf, könnten die Radmuttern „nicht gescheit angezogen sein“, erklärt Fachmann Paulus. In diesem Fall „sollte man sofort stehen bleiben und einen Fachmann rufen“, rät Paulus.

Bereits bei geringeren Geschwindigkeiten geht von lockeren Rädern nach Ansicht des ADAC-Experten eine „hohe Gefahr“ aus – für den Fahrer und andere Verkehrsteilnehmer gleichermaßen. Dem Fahrer droht der Kontrollverlust über sein Fahrzeug, andere Verkehrsteilnehmer könnten durch den wegfliegenden Reifen schwer verletzt werden.

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