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Angleichung der Ost-Löhne : Lohn-Debatte nimmt an Schärfe zu

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Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Sellering: Ost/West-Lohnangleichung Frage wirtschaftlicher Vernunft. Unternehmerdachverband in der Kritik

In der neu entflammten Debatte um spürbare Lohnsteigerungen im Osten hat Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) seine Forderung nach mehr Tariftreue auch bei Firmen in Mecklenburg-Vorpommern untermauert. Die damit verbundene Angleichung der Ost-Löhne an das deutlich höhere Westniveau sei nicht nur eine Frage der sozialen Gerechtigkeit, sondern auch der wirtschaftlichen Vernunft, betonte Sellering gestern in Schwerin. Im zunehmend härteren Wettbewerb um Fachkräfte könnten nur Firmen mithalten, die ihren Beschäftigten gute Arbeitsbedingungen und faire Löhne bieten. „Erfreulicherweise haben viele Unternehmen bei uns im Land das längst erkannt. Die Vereinigung der Unternehmensverbände hinkt da ein wenig der Wirklichkeit hinterher“, sagte Sellering.

Er reagierte damit auf Aussagen von Thomas Lambusch, Präsident der Vereinigung der Unternehmensverbände MV, der vor Wettbewerbsnachteilen für das Land durch steigende Arbeitskosten gewarnt und sich gegen die Einmischung der Politik in die Tarifautonomie verwahrt hatte. „Hohe Löhne sind Ergebnis innovativen und erfolgreichen Unternehmertums, qualifizierter Mitarbeiter sowie starker, oft historisch gewachsener Branchen und Industrien in den jeweiligen Regionen“, hatte Lambusch erklärt. Es sei Aufgabe der Tarifpartner, die Teilhabe am betrieblichen Erfolg untereinander zu regeln.

Mit seiner Absage an eine rasche Ost/West-Lohnangleichung erweise sich der Unternehmerdachverband „mal wieder als Dinosaurier der Wirtschaftsverbände“, sagte die SPD-Landtagsabgeordnete Martina Tegtmeier. Mehr als 25 Jahre nach der Einheit sei es den Menschen nicht mehr vermittelbar, dass es „Beschäftigte 1. und 2. Klasse“ gebe. Die SPD werde sich daher weiterhin mit aller Kraft für die Lohnangleichung einsetzen. „Als Niedriglohnland hat Mecklenburg-Vorpommern keine Zukunft“, sagte Tegtmeier.

Unterstützung erhielt Lambusch hingegen von der FDP. „Es ist bezeichnend, wenn die Wirtschaft im Land Dinge einfordern muss, die in der Sozialen Marktwirtschaft selbstverständlich sein sollten, wie beispielsweise Vertragsfreiheit und Privateigentum“, sagte die Spitzenkandidatin der FDP zur Landtagswahl, Cécile Bonnet-Weidhofer. Sie warf ihren politischen Konkurrenten vor, Lohnversprechen abzugeben ohne den Blick darauf zu richten, was das für den Standort und einzelne Branchen bedeutet. Die Wirtschaftspolitik der SPD/CDU-Koalition sei „von Misstrauen und Bevormundung geprägt“. Ministerpräsident Sellering verteidigte seine Forderung nach Lohnangleichung.

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erstellt am 29.Jul.2016 | 08:00 Uhr

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