Mehr Wildtiere bei Unfällen getötet : Lockt Streusalz Rehe in den Tod?

Es ist Vorsicht geboten: Besonders nach der Zeitumstellung treffen Autofahrer und Wildtiere immer häufiger aufeinander.
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Es ist Vorsicht geboten: Besonders nach der Zeitumstellung treffen Autofahrer und Wildtiere immer häufiger aufeinander.

Rehe sterben mit großem Abstand am häufigsten bei Verkehrsunfällen. Sie lassen sich stark von dem anlocken, was an den Straßenrändern wächst.

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07. Dezember 2017, 20:45 Uhr

Auf Mecklenburg-Vorpommerns Straßen werden bei Unfällen zunehmend mehr Wildtiere getötet. Im vergangenen Jagdjahr 2016/17 kamen nach Angaben des Deutschen Jagdverbandes (DJV) in Berlin knapp 5400 Rehe, 1400 Wildschweine und 470 Damhirsche sowie 300 Rothirsche ums Leben. Ein Jagdjahr dauert vom 1. April bis zum 31. März. Im Jagdjahr zuvor waren es 4800 Rehe, 1200 Wildschweine, 400 Dam- und ebenfalls 300 Rothirsche.

Die Unfallzahlen sind nach den Worten von DJV-Sprecher Torsten Reinwald sehr von der Witterung und dem Nahrungsangebot, vor allem aber vom Verkehrsaufkommen abhängig. Auf Strecken mit bis zu 10 000 Fahrzeugen in 24 Stunden steige die Zahl der Wildunfälle an. „Wir sind im Schnitt auf Bundesstraßen bei 9000 Fahrzeugen“, sagte er. Bei einem höheren Verkehrsaufkommen als 10 000 Fahrzeuge pro Tag wirkten die Straßen abschreckend auf das Wild.

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Nach Angaben des DJV hat sich der Verkehr auf Deutschlands Straßen seit 1975 vervierfacht, die Zahl der Wildunfälle aber verfünffacht. Weiter sagte Reinwald: „Wenn es wenig Bucheckern und Eicheln gibt, sind auf der Nahrungssuche mehr Tiere unterwegs. Ein Wildschwein kann pro Nacht rund 20 Kilometer wandern“, sagte er.

Wichtig ist nach seiner Ansicht auch, was an den Straßen wächst: „Wenn dort Buchen, Eichen oder Obstbäume stehen, wird sich das kein Reh entgehen lassen.“ In die Saatgutmischungen für die Straßenränder gehörten mehr Pflanzen mit einem hohen Bitterstoffgehalt, die dem Wild nicht schmecken. Dagegen zieht das mit Tausalz gewürzte Gras vor allem Rehe magisch an. Gerade im Frühjahr brauchten tragende Rehe und Böcke viel Kalium und andere Mineralien.

Bundesweit gab es im vergangenen Jagdjahr mehr als 228 000 Wildunfälle. „Wir liegen seit etwa zehn Jahren bei 200 000 bis 250 000 Unfällen mit Paarhufern pro Jahr“, sagte Reinwald. Die versicherten Sachschäden seien auf zuletzt rund 680 Millionen Euro gestiegen, hieß es auf einer Fachtagung.

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So verhindern Sie Wildunfälle

  • beim Warnschilder “Wildwechsel” Fuß vom Gas. Wald- und Straßenränder sorgfältig im Auge behalten und bremsbereit sein.
  • besondere Vorsicht in der Morgen- und Abenddämmerung, während der Nacht und bei Nebel.
  • Besonders Obacht bei Straßen, die durch Waldgebiete führen
  • Ein Tier kommt selten allein. Immer mit eine ganzen Rotte rechnen.
  • Wenn möcglich mit Fernlicht fahren. Die Augen der Tiere refelektieren das Licht und sind besser zu erkennen. Taucht Wild im Scheinwerferlicht auf, sofort abblenden, bremsen und hupen.
  • Besondere Vorsicht ist in Ausflugsgegenden geboten. Dort wird Wild oft aufgescheucht.
  • Von September bis Januar und von Juli bis August ist sogenannte Blatt- oder Brunftzeit. Die Reaktionen der tiere ist zu dieser Zeit spontaner und deshalb noch gefährlicher.
  • Bei Rast in Waldgebieten: Auf Rastplätzen und Wegen bleiben. Das Wild nicht beunruhigen. Es könnte sonst flüchtig werden und andere Kraftfahrer gefährden.
  • Hunde in Wald und Feld nicht frei laufen lassen!

Quelle: Deutscher Jagdverband

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