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Mecklenburg-Vorpommern

23. November 2017 | 06:50 Uhr

Ärzte in MV gesucht : Lockmittel Stipendium

vom
Aus der Onlineredaktion

Mecklenburg-Vorpommern umwirbt künftige Mediziner demnächst mit finanzieller Förderung – doch die Konkurrenz ist groß

svz.de von
erstellt am 25.Okt.2017 | 05:00 Uhr

Ärzte für eine Tätigkeit außerhalb großer Städte zu gewinnen, wird bundesweit immer problematischer. Mecklenburg-Vorpommern als ländlich geprägtes Bundesland hat es da besonders schwer: Für mehr als 120 Hausarztpraxen wird derzeit – und oft schon seit längerem – ein Nachfolger gesucht.

Die Landesregierung will nun Medizinstudenten Stipendien zahlen, wenn sie sich dazu verpflichten, im Anschluss an ihr Studium im ländlichen Raum Haus- oder Facharzt zu werden bzw. eine ärztliche Tätigkeit im öffentlichen Gesundheitsdienst zu übernehmen. 300 Euro pro Monat sollen die angehenden Mediziner bekommen, wenn sie den ersten Studienabschnitt, das Physikum, erfolgreich gemeistert haben. Dafür will das Land eigenen Angaben zufolge für einen Sechs-Jahres-Zeitraum eine Million Euro zur Verfügung stellen. Linken-Sozialexperte Torsten Koplin machte im Entwurf des Doppelhaushalts 2018/19 allerdings für diese Position nur je 50 000 Euro aus, erst im darauffolgenden Jahr seien dann 100 000 Euro vorgesehen. Das, so Koplin, reiche aber gerade einmal, um 14 künftige Hausärzte zu fördern – also kaum mehr als ein Zehntel des aktuellen Bedarfs.

Laut Gesundheitsministerium soll noch in diesem Jahr mit der Förderung begonnen werden. Die entsprechende Richtlinie soll spätestens Mitte November veröffentlicht werden, versicherte ein Sprecher.

Doch das könnte zu spät sein: Andere Bundesländer sind diesbezüglich nicht nur weiter, sondern zum Teil auch großzügiger. Bayern beispielsweise fördert künftige Mediziner nach dem Physikum ebenfalls mit 300 Euro monatlich, wenn sie bereits ihre fachärztliche Weiterbildung im ländlichen Raum absolvieren und sich verpflichten, dort anschließend 60 Monate lang zu praktizieren.

In Nordrhein-Westfalen gibt es ein Hausarzt-Aktionsprogramm für Kommunen mit weniger als 40 000 Einwohnern. Darin enthalten ist die Förderung von künftigen Medizinern, die ihre Weiterbildungsassistentenzeit in einer Hausarztpraxis der Förderregion absolvieren. Sie bekommen 500 Euro im Monat vom Land.

Den Vogel aber schießt Sachsen ab: Bereits vom ersten Semester an und über die gesamte Regelstudienzeit zahlt der Freistaat 1000 Euro im Monat an Medizinstudenten, die sich verpflichten, später mindestens sechs Jahre lang in unterversorgten ländlichen Regionen als Hausärzte zu arbeiten. Dieses Hausarztstipendium wird pro Jahr an 20 Studierende vergeben.

Doch nicht nur andere Bundesländer sind ernsthafte Konkurrenten im Werben um den Medizinernachwuchs. Auch Klinikketten versuchen, bereits Studenten an sich zu binden und sie für eine spätere ärztliche Beschäftigung im Unternehmen zu interessieren. Die Helios-Region Nord, zu der elf verschiedene Kliniken in Mecklenburg-Vorpommern, Hamburg und Schleswig-Holstein gehören, hat zum Beispiel in diesem Herbst erstmals ein Stipendiaten-Programm aufgelegt. Sieben Studenten können jeweils insgesamt 18 300 Euro bekommen: Ein Startkapital in Höhe von 1000 Euro kommt zu den monatlich 400 Euro ebenso dazu wie eine Endspurtprämie von 500 Euro und insgesamt 300 Euro für sechs Wochen Famulaturen, zählt Sandra Boeckle, die an den Schweriner Helios Kliniken den Bereich Projekt-, Organisations- und Talentmanagement leitet, auf. Für die jungen Leute sei es möglicherweise zuerst diese Finanzspritze, die das Programm für sie interessant macht. „Wir bieten aber auch Ausbildungsinhalte an, die ihnen im Studium nicht geboten werden“, betont Boeckle. Laparoskopie- und andere fachliche Kurse in der Summer School gehören ebenso dazu wie Kommunikationstrainings oder ein Schnupperseminar für künftige Führungskräfte. Dazu kämen Netzwerktreffen und Unterstützung bei der Prüfungsvorbereitung. Im Gegenzug zu diesem umfangreichen Paket erwartet Helios, dass die jungen Leute die Regelstudienzeit einhalten bzw. in begründeten Fällen um nicht mehr als ein Semester überschreiten und dass sie mindestens drei Jahre ihrer fachärztlichen Weiterbildung im Unternehmen absolvieren.

 

Kommentar “Koste es, was es wolle“ von Karin Koslik

Zu lange hat das Land es allein der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) überlassen, Mediziner ins und hier vor allem aufs Land zu locken. Die KV müht sich auch redlich, zahlt zum Beispiel Investitionskostenzuschüsse für Praxisgründungen und -übernahmen in Regionen, in denen eine Unterversorgung droht.

Doch auch anderswo schlafen die Kassenärztlichen Vereinigungen nicht und haben vergleichbare Programme aufgelegt. Dort aber legen die Länder zum Teil auf die Zuschüsse jeweils noch etwas drauf.

Auch Stipendien, mit denen künftige Mediziner aufs Land gelockt werden sollen, gibt es anderswo schon länger und zum Teil zu besseren Konditionen, als hier geplant. Will Mecklenburg-Vorpommern dennoch im Wettbewerb bestehen, muss es seine Förderung noch attraktiver gestalten. Sonst wandern künftige Hausärzte nach Sachsen ab. Dass in MV das Geld dafür fehlt, stimmt nicht. Strategiefonds-Mittel und sonstige Haushaltsüberschüsse wären hier tatsächlich gut investiert.

 

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