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Mecklenburg-Vorpommern

12. Dezember 2017 | 13:17 Uhr

Lehrmaterial : Lobby-Verdacht an Schulen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Experten beklagen einseitige Einflussnahme. Grüne fordern Verhaltenskodex. Minister sieht keine Gefahr?!

von
erstellt am 05.Sep.2014 | 08:00 Uhr

Der Schulbeginn ruft auch Lobbyisten auf den Plan: Sie versuchen teils agressiv, in den Schulen Einfluss zu nehmen. Vom Werbegeschenk über Sponsoring bis zu tendenziösem Unterrichtsmaterial – die Strategien sind vielfältig. So liegt der Grünen-Landtagsfraktion das Angebot einer „Educationmarketing“-Firma vor: Die Umschlagseiten für ein Vokabelheft „zur freien Verfügung für Ihre individuelle Werbebotschaft“. Lehrer würden die Hefte verteilen, das generiere „über mehrere Wochen“ zahlreiche Werbekontakte“ zu Schülern, locken die Werbeprofis.

Diesen Trend beklagen seit Jahren Antikorruptions-Organisationen wie Lobbycontrol oder Transparency. Auch die OECD-Pisa-Studie wies schon 2006 auf die Gefahren hin. Grünen-Bildungsexpertin Ulrike Berger konstatiert indes: „An unseren Schulen ist es besonders leicht. MV gehört zu den Ländern mit der laxesten Regelung.“ Die Verwaltungsvorschrift von 2001 sagt: „Werbung ist nur zulässig, soweit sie den allgemeinen Bildungszielen nicht entgegensteht.“ Andere Länder wie etwa Niedersachsen erlauben laut Berger Werbung nur, wenn sie den Bildungsauftrag wirksam unterstützt. Das erzeuge ganz andere Begründungshürden. In MV jedoch böten Agenturen volles Programm: Kostenlose Schulhefte mit Werbung, Banner in Turnhallen, Werbefolien für Fußböden, Displays auf Toiletten. Die Grünen wollen das nun im Bildungsausschuss beraten. „Es wäre naiv anzunehmen, dass Werbebotschaften gänzlich aus Schulen fernzuhalten sind.“ Umso mehr fordert Berger Hilfe und Sensibilisierung für die Lehrer per Ministeriums-Leitfaden sowie ausreichend Budget für die Schulen für ausgewogenes Unterrichtsmaterial: „Wir müssen verhindern, dass Unternehmen und Lobbyisten die Meinungsbildung der Schüler einseitig beeinflussen können.“

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