Leipziger Buchmesse : „Literatur begann mit Geschichten am Lagerfeuer“

Zum vierten Mal organisiert der Blogger und Berater Leander Wattig die Autorenrunde auf der Leipziger Buchmesse.
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Zum vierten Mal organisiert der Blogger und Berater Leander Wattig die Autorenrunde auf der Leipziger Buchmesse.

Neben etablierten Literaten wie Heinz Strunk und Sebastian Fitzek werden viele unbekannte Talente in den Messehallen vorbeischauen. Um sie zu fördern, organisiert Leander Wattig zum vierten Mal die Autorenrunde.

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16. März 2016, 15:00 Uhr

Den Geschichten seines Großvaters, einem Buchhändler, lauschte Leander Wattig besonders gerne. Daraus entstand schließlich der Wunsch, Verlagswirtschaft in Leipzig zu studieren. Im Interview erzählt der 34-Jährige, was hinter der Veranstaltung Autorenrunde steckt und welche Pläne er für die Zukunft hat.

Am Sonnabend geht die von dir initiierte Autorenrunde auf der Leipziger Buchmesse in die vierte Auflage. Wie entstand die Idee?
Ich berate die Leipziger Buchmesse seit 2010 und entwickelte dann 2011 die Idee für deren Programmschwerpunkt autoren@leipzig. Von Anfang an war Bestandteil davon, eine größere Autorenveranstaltung zu machen, die möglichst interaktiv sein sollte. 2012 haben wir ein BarCamp für Autoren ausprobiert, was aber nicht so gut funktionierte, weil es die Autoren damals überforderte, direkt vor Ort selbst ein Programm auf die Beine zu stellen, wie das bei BarCamps üblich ist. Ein Jahr später entstand das Konzept der Leipziger Autorenrunde, die dieses Jahr am 19. März von 10 bis 17 Uhr zum vierten Mal im Congress Center Leipzig stattfindet.

Was verbirgt sich hinter dem Konzept?
Wir haben einen Raum, in dem 18 Tische stehen. Dort finden parallel 18 Tischrundengespräche zu allen möglichen Themen statt, die für Autoren wichtig sind. Es gibt drei Durchläufe. In den Tischrunden geben die Referenten Einblicke zu ihrem Thema und lassen ein Gespräch entstehen.

Welche Themen versuchst du auf der Autorenrunde abzudecken?
Die Leipziger Autorenrunde wendet sich sowohl an Einsteiger als auch an Fortgeschrittene und ist für Autoren aller Art gedacht: Autoren klassischer und neuer Verlage, etablierte und Jungautoren, Self-Publisher, Blogger, Texter und Publizisten. Inhaltlich wird das ganze Spektrum der für die Autorentätigkeit relevanten Themen abgedeckt - vom Schreib-Handwerk über die erfolgreiche Vermarktung bis hin zu gestalterischen und rechtlichen Fragen.

Wie wählst du die Referenten für die Tischrunden aus?
Wir haben renommierte Verleger, Verlagsvertreter, Literaturagenten, Blogger, Journalisten, Übersetzer, Herausgeber, Schreibcoaches, Sprachtrainer, Chefs von Autorenschulen und Literaturinstituten sowie natürlich auch Autoren selbst. Mir ist wichtig zu schauen, wer die Expertise hat, wer aber zudem auch vom Typ her jemand ist, mit dem man sich gern unterhält und der auch bereit ist, Wissen weiter zu geben und nicht nur einen glatten Marketingvortrag zu halten. Nur so entsteht die richtige Atmosphäre.

Wie viel Zeit bleibt den Teilnehmern pro Tischrunde?
Eine Tischrunde dauert 45 Minuten und wird dann gleich wiederholt. Alles startet mit der Begrüßung durch den Buchmessedirektor Oliver Zille und mich. Danach gibt es die drei Doppel-Durchläufe. Die Autoren bekommen quasi sechs Unterrichtsstunden Input.

Kommt es auch mal zum Streit um beliebte Gesprächspartner?
Die Idee der Tischrundengespräche ist, dass man sich die Themen frei aussucht und auch zwischendrin wechseln kann. Natürlich sind die Referenten teilweise heiß begehrt, aber echten Streit habe ich in den Jahren noch nie erlebt. Die Leipziger Autorenrunde zeichnet sich eher durch eine freundliche Stimmung aus.

Und wie sieht es mit der Akustik aus?
Die Akustik ist natürlich eine Herausforderung und quasi die natürliche Begrenzung für die Größe der Tischrunden und damit der Konferenz insgesamt. Die Tische stehen so weit auseinander, dass die üblichen 10-12 Personen je Tisch gut sprechen können. Mehr geht dann aber auch nicht.

Gibt es Pläne für die nächsten Jahre?

Das Format wird fortgesetzt und jedes Jahr gemeinsam mit unseren Partnern wie dem VS - Verband deutscher Schriftsteller ein Stück weiterentwickelt.

Ist es denn heute überhaupt noch möglich vom Schreiben hauptberuflich zu leben?
Das ist schwer genug. Deshalb habe ich beispielsweise auch die erfolgreichsten Self-Publisher wie Poppy J. Anderson, Nika Lubitsch und Matthias Matting eingeladen, die ja letztlich Autoren-Unternehmer sind und die erzählen, wie es funktionieren kann. Ebenso sind Vertreter von Verlagen wie Goldmann, Bastei Lübbe, Ullstein, Suhrkamp und Droemer Knaur vor Ort.

Worüber wird zu wenig gesprochen im Literaturbetrieb?
Über Erfahrungen – gute und schlechte. Wir können alle viel voneinander lernen und nicht jeden Fehler muss man selbst auch noch machen.

Literatur trennt sich im Zuge der digitalen Revolution immer mehr vom traditionellen Trägermedium dem Papier. Wie beurteilst du diese Entwicklung?
Literatur hat mal mit Geschichten am Lagerfeuer begonnen. Wir gehen jetzt ein bisschen dahin zurück, was viele Möglichkeiten bietet. Am Ende ist die Entwicklung ohnehin nicht umkehrbar, weshalb ich es sinnvoll finde, sich auf die Chancen zu konzentrieren, die wir alle zusammen ausgestalten können.

Welcher Roman liegt gerade auf deinem Nachttisch?
"Schwarzblende" unserer Referentin Zoë Beck (Heyne Verlag).

Hast du eigentlich selbst mal ein Buch geschrieben oder daran gedacht?
Ein „echtes“ Buch habe ich bisher nicht geschrieben, obwohl ich ständig Angebote bekomme. Tatsächlich ist das eines meiner Vorhaben für 2016/17.

Du bist gebürtiger Greifswalder. Was bedeutet Heimat für dich?
Wasser, frische Luft, Fischbrötchen, breite Aussprache, ehrliche und bodenständige Menschen. Heimat ist für mich vor allem wunderschöne Natur.

Nach dem Abi zog es dich trotzdem nach Leipzig. Warum?
In Greifswald hat man ja den Luxus, eine Uni direkt vor der Haustür zu haben und auch als Schüler merkt man schnell, dass es eine sehr gute Stadt zum Studieren ist. Allerdings gab es das Studium, das ich mir ausgesucht hatte, nur in Leipzig.

Wie entstand der Wunsch Buchwirtschaft zu studieren?
Bücher stehen für das tiefe Wissen unserer Gesellschaft und mich hat schon immer fasziniert, wie es sich damit verhält. Der ganze Buchbetrieb interessierte mich spätestens seit den vielen Geschichten meines Großvaters, der Buchhändler alter Schule war. Am Ende fiel die Wahl zwischen Buchwirtschaft und Buchwissenschaft und ich bin nach wie vor sehr zufrieden mit dieser Entscheidung.

Was kam nach dem Studium?
Ich bin 2007 gleich ins kalte Wasser gesprungen und machte mich selbstständig. Seitdem arbeite ich als Blogger, Berater, Vortragsredner und Veranstaltungsmacher. Daneben bin ich als Dozent und Lehrbeauftragter aktiv, aktuell an der Universität der Künste Berlin, davor an den Universitäten in St.Gallen und Erlangen sowie der HTWK Leipzig. Zudem habe ich für das Event-Thema die Firma Orbanism gegründet und bin als Vorstandsmitglied der Theodor Fontane Gesellschaft aktiv.

Gibt es in Mecklenburg-Vorpommern Verlage, die dich bei deinem Weg unterstützen oder mit denen du zusammenarbeitest?
Allzu viele gibt es ja leider nicht. Seit ich denken kann, laufen mir aber immer wieder Bücher des Hinstorff Verlags aus Rostock zu den unterschiedlichsten Themen über den Weg.

Hast du Geheimtipps für die Buchmesse? Wo lohnt es sich vorbeizuschauen?
Heute Abend gibt es um 19 Uhr in der Vodkaria wieder eines unserer berühmt-berüchtigen „pubnpub“-Treffen. Das ist die beste Gelegenheit, andere Messebesucher kennen zu lernen. Ansonsten empfehle ich, einfach mal das Leipzig-liest-Programm zu durchstöbern. Da sind extrem viele Perlen dabei.

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