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Linke scheitert mit eigenen Modellen für neue Theater

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erstellt am 17.Okt.2012 | 07:07 Uhr

Schwerin | Unmittelbar vor den heute beginnenden Workshops an den vier großen Theaterstandorten des Landes, hat die Linksfraktion im Landtag gestern zwei neue Theatermodelle im Bildungsausschuss eingebracht. Damit sind jetzt mit den neun Modellen des Bildungsministeriums und der Münchner Unternehmensberatung Metrum bereits elf Varianten in der Debatte.

Bereits im Frühjahr hatte der kulturpolitische Sprecher der Linken, Torsten Koplin, ein Theaterkonzept vorgestellt, das u.a. auf der Idee einer Stiftung Theater und Orchester basierte. In diese Stiftung soll das Land zunächst 20 Millionen Euro einzahlen, aber auch private Stifter wirksam werden. Dieses Finanzierungsmodell liegt auch dem gestrigen neuen Vorschlag zugrunde.

Hinzu kommt:

Variante 1: Die vier Orchester des Landes werden in ein "Landesorchester Mecklenburg" und ein "Landesorchester Vorpommern" unter Trägerschaft des Landes zusammengeführt. Das Land finanziert die Orchester zum Teil aus der Stiftung zum Teil aus den jetzigen Orchesterzuschüssen. Alle Theaterstandorte - Rostock, Schwerin, Parchim, Neubrandenburg/Neustrelitz, Vorpommern/Greifswald und Anklam - bleiben ohne Kündigungen erhalten. Mehrkosten für das Land nach Angaben der Linkspartei: Zunächst neun, ab 2020 vier Millionen Euro jährlich für das Land, plus das Stiftungskapital.

Variante 2: Das Mecklenburger Staatstheater Schwerin wird in die Trägerschaft des Landes übernommen. Die Finanzierung erfolgt künftig über den Haushalt des Bildungsministeriums. Im Gegenzug wird der Landeshauptstadtvertrag gekürzt. Die restliche Theater- und Orchesterlandschaft bleibt erhalten. Ihre Finanzierung durch das Land wird um zwei Millionen Euro angehoben. Alle Standorte haben eine längerfristige Perspektive und Planungssicherheit. Mehrkosten : Damit trägt das Land zusätzlich neun Millionen Euro jährlich plus Stiftungskapital.

Die Regierungsparteien SPD und CDU wollen allerdings diese neuen Modelle vorerst nicht diskutieren. Zwar folgten sie gestern einem Antrag der Linksfraktion, im Bildungsausschuss zu einer öffentliche Anhörung zu Modellen zur Weiterentwicklung der Theater- und Orchesterstrukturen einzuladen. Grundlage sollen jedoch einzig die neun Modelle von Metrum sein. Linkspolitiker Koplin vermutet dahinter eine Intervention Brodkorbs. Der habe mit der Maßgabe argumentiert, den derzeitigen finanziellen Rahmen von 35,8 Millionen Euro an Landeszuschüssen einzuhalten. Der Minister wird mit den Worten zitiert: "Geld ausgeben, das kann jeder."

Koplin zeigte sich enttäuscht: "Damit verweigern die Koalitionsfraktionen eine tatsächlich ergebnisoffene Diskussion." Bildungsminister Brodkorb habe alle eingeladen, sich aktiv an der Diskussion zu beteiligen. "Offenbar gilt dies nur, wenn nach seiner Pfeife getanzt wird." Die kulturpolitische Sprecherin der Bündnisgrünen, Ulrike Berger, die zugleich Vorsitzende des Bildungsausschusses ist, bezeichnete es als "Armutszeugnis der Regierungsfraktionen, dass sie keine anderen Modelle zur Diskussion zulassen als die eigenen."

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