Prignitzer Kreistagsfraktion : Linke rebellieren gegen ihre Parteispitze

Der Linkspolitiker Ralf Pomorin denkt laut über eine Rückkehr zur PDS nach.
Der Linkspolitiker Ralf Pomorin denkt laut über eine Rückkehr zur PDS nach.

Klar auf Konfrontationskurs zum neu gewählten Bundesparteivorstand der Linken und zum Verlauf des Parteitages: „Mit diesem Politikstil und -verständnis haben wir mehrheitlich nichts zu tun."

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07. Juni 2012, 09:28 Uhr

Prignitz | Klar auf Konfrontationskurs zum neu gewählten Bundesparteivorstand der Linken und zum Verlauf des Parteitages gehen Mitglieder der Prignitzer Kreistagsfraktion: "Mit diesem Politikstil und -verständnis haben wir mehrheitlich nichts zu tun", sagte der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Ralf Pomorin gestern Abend gegenüber unserer Zeitung. Er bezeichnet Parteimitglieder in den alten Bundesländern als "linksextremistische Spinner". Die Konsequenz könne nur lauten: Offen über eine Spaltung nachzudenken, über eine Rückkehr zur PDS.

Über die Situation nach dem Parteitag sei am Montagabend auf der Fraktionssitzung diskutiert worden. "Unsere Empfindungen waren nicht sonderlich positiv", so Pomorin. Die mit der neu gewählten Parteispitze eingeschlagene Politikrichtung befinde sich laut Pomorin "nicht im Rahmen der Linken und nicht im Sinne der Menschen". Er erinnert an Zeiten der PDS, "wo die Politikangebote für die Bürger besser waren" und kommt zu dem Schluss: "Die jetzige Parteiführung hat keine Loyalität verdient und wird sie von mir nicht bekommen."

Ralf Pomorin sieht sich nicht als Einzelkämpfer und fordert die ostdeutschen Parteivorstände auf, offen zu überlegen, wo man 2013 im Jahr der Bundestagswahl stehen will. "Ich halte diese Aussage für nötig, wir müssen über Optionen nachdenken", so Pomorin weiter. Und das dürfe nicht irgendwann geschehen, sondern bis zum Jahresende.

Dieser enorme Frust bei Prignitzer Genossen über den Zustand der Linken ist gestern in den letzten Minuten der Kreistagssitzung deutlich geworden. Die Politiker hatten den Schriftzug auf ihrem Fraktionsschild mit einem Zettel größtenteils verdeckt. Handschriftlich stand darauf: PDS. Vom Vorsitzenden um eine Erklärung gebeten, gab Pomorin ein kurzes Statement. "Das Schild war Sarkasmus. Es war nicht vorgesehen, etwas zu sagen", erklärte er. Erst im Nachhinein und auf Nachfrage unserer Zeitung erklärte Pomorin die Gründe für diesen Schritt.

Er selbst werde nach 20 Jahren Mitgliedschaft nicht austreten. "Die PDS war meine Partei und ich habe für mich entschieden, es lohnt sich dafür zu kämpfen." Er sei überzeugt, die Mehrheit der Partei teile seine Meinung, sei enttäuscht von der aktuellen Entwicklung. Zwei Drittel der Mitglieder sei "für die Spinnerei nicht zugänglich". Mit seinen Aussagen vertritt Ralf Pomorin eine konträre Auffassung zu Thomas Domres, dem Prignitzer Chef der Linken und stellvertretender Landesvorsitzender. Im Interview mit unserer Redaktion hatte Domres am Dienstag gesagt: "Eine gesamtdeutsche Partei hatten wir vor dem Parteitag und auch jetzt. Der neu gewählte Bundesvorstand hat eine Chance verdient und ich bin optimistisch."

Auf dem Parteitag hatte sich der linke Flügel gegen die Reformer durchgesetzt und den ostdeutschen Hoffnungsträger Dietmar Bartsch als Vorsitzenden verhindert.

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