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Mecklenburg-Vorpommern

18. Oktober 2017 | 13:29 Uhr

Linda, Pommes und Amflora

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erstellt am 27.Sep.2013 | 10:06 Uhr

Berlin | Kartoffeln sind von den Äckern und Tellern nicht wegzudenken, auch wenn in Deutschland immer weniger Erdäpfel gegessen werden. Dennoch gehört die Knolle zu den wichtigsten Produkten der deutschen Agrarwirtschaft. Aus den stärkehaltigen Kartoffeln werden Wodka und Viehfutter hergestellt.

Die Kartoffel muss sich gegen Spaghetti, Pizza und Co. behaupten: Der Verzehr von Kartoffeln stagniert. In den 50er-Jahren kamen je Verbraucher noch 150 Kilogramm auf den Tisch, derzeit sind es noch 60 Kilogramm. Während der Frischkartoffelverzehr stagniert, nimmt der Anteil an verarbeiteter Ware zu - Pommes Frites, Chips, Klöße werden immer beliebter. Zunehmend greifen Verbraucher auch zu Tiefkühlprodukten: Waren es 2001 laut Statistik noch 362 000 Tonnen, stieg der Verbrauch auf 422 000 Tonnen im Jahr 2011.

Kartoffel aus der Tüte: So beliebt die Knollen in verschiedenster Verarbeitungsform bei den Verbrauchern sind, so schwer tun sich die Landwirte mit dem Anbau. Im vergangenen Jahr hatten die Landwirte in Deutschland auf 238 000 Hektar Kartoffeln ins Feld gelegt - zwölf Jahre zuvor waren es noch 300 000 Hektar, ermittelte der Bauernverband. Mit einer Anbaufläche von 103 500 Hektar ist Niedersachsen Deutschlands größter Kartoffelproduzent, gefolgt von Bayern mit 41 700 Hektar. 10,6 Millionen Tonnen Kartoffeln holten die Bauern 2012 vom Acker - zehn Prozent weniger als ein Jahr zuvor.

Kartoffel ist nicht gleich Kartoffel: In Deutschland sind mehr als 200 Sorten zugelassen, weltweit sind sogar mehr als 10 000 verschiedene Sorten zugelassen. Dabei sind die Geschmäcker verschieden. Ostdeutsche lieben eher die mehligkochenden Knollen auf dem Teller, in den alten Ländern werden lieber festkochende Kartoffeln gegessen. Dabei hat jede Knolle ihren eigenen Geschmack, ihre eigenen Koch- und Schäleigenschaften. Es ist eine Besonderheit der Kartoffel, dass die Sortennamen in Deutschland lange Zeit ausschließlich feminin waren (man sagt, der Bauer habe früher die beste Kartoffel nach seiner schönsten Tochter benannt), aber das ist nicht vorgeschrieben und gilt inzwischen auch nicht mehr, heißt es bei der Union der deutschen Kartoffelwirtschaft (UNIKA).

Doch es gibt Streit um die Züchtung der unterschiedlichen Sorten. Jahrelang hatten Landwirte beispielsweise um den Erhalt der beliebten Kartoffelsorte Linda gekämpft. Der Lüneburger Züchtungskonzern Europlant hatte die Knolle Ende 2004 nach 30 Jahren von der Saatgutliste streichen lassen, um Linda vom Markt zu nehmen, weil er sie für krankheitsanfällig hielt. Linda-Anbauer schafften es, die Kartoffel in kleinen Mengen auf dem Markt zu halten - bis schließlich das Bundesortenamt 2010 grünes Licht für die weitere Zucht der Kartoffel gab. Gestritten wird auch über gentechnisch veränderte Kartoffeln. So geriet etwa der Chemiekonzern BASF wegen der Gen-Kartoffel "Amflora" in die Kritik, die 2010 in Mecklenburg-Vorpommern angebaut worden war.

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