Anklam : Lilienthals wertvoller Nachlass

Der Leiter des Otto-Lilienthal-Museums, Bernd Lukasch, zeigt ein Foto aus dem Nachlass von Paul Beylich (1874-1965). Fotos: Stefan Sauer
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Der Leiter des Otto-Lilienthal-Museums, Bernd Lukasch, zeigt ein Foto aus dem Nachlass von Paul Beylich (1874-1965). Fotos: Stefan Sauer

Fotos, Briefe, Bücher und Zeitschriftenartikel von Lilienthals Flugzeugmonteur an Museum übergeben

Er war der engste Mitarbeiter des Flugpioniers Otto Lilienthal (1848-1896) und vermutlich der einzige Augenzeuge seines Absturzes: der Schlosser und Fluggerätemechaniker Paul Beylich (1874-1965). Sein Nachlass mit mehr als hundert historischen Fotos, Briefen, Büchern und Zeitschriftenartikeln ist jetzt von dessen Urenkelin Andrea Frey dem Otto-Lilienthal-Museum in Anklam übergeben worden.

Für das Museum in Lilienthals Geburtsstadt Anklam ist das Konvolut von unschätzbarem Wert, stand Beylich doch Lilienthals Flugversuchen so nahe wie kaum ein anderer. „Es ist toll, dass wir den Nachlass erhalten haben“, sagte Museumsdirektor Bernd Lukasch. „Paul Beylich war unmittelbar am Bau der Fluggeräte und den Flugversuchen von Lilienthal beteiligt. Damit kann Beylich als erster Fluggerätemechaniker der Welt gelten.“

Der aus Finsterwalde stammende Beylich war spätestens ab Frühjahr 1894 als Schlosser in der Dampfkessel- und Maschinenfabrik von Lilienthal angestellt, wurde vom Firmenchef aber ausschließlich damit beauftragt, Modelle und Flugapparate zu bauen, die der Flugpionier entworfen hatte. Ab diesem Zeitraum – so berichtete es Beylich immer wieder selbst – sei er bei sämtlichen Flugversuchen Lilienthals dabei gewesen. So auch am 9. August 1896, als Lilienthal mit seinem Flugapparat in den Stöllner Bergen bei Rathenow abstürzte und einen Tag später in Berlin starb. Nach Einschätzung des Lilienthal-Forschers Lukasch war Beylich der einzige Zeuge des Unfalls.

In einem Interview des WDR mit Beylich im Jahr 1960 erinnerte sich der 85-Jährige an den tragischen Absturz. „Wie er 'nen Stück weggeflogen war, blieb er mit einem mal oben still und in einem Moment neigte sich der Apparat nach vorn und kopfüber runter“, beschrieb Beylich damals die dramatische Szene. Ein historisches Foto aus dem Jahr 1896, das den Absturzapparat zeigt, gehört neben drei weiteren Flugbildern von 1894 und 1895 zu den wertvollsten Teilen des in der letzten Dezemberwoche 2017 übereigneten Konvoluts.

Schwerpunkt des Nachlasses seien jedoch Fotos, Zeitungsausschnitte und Schriftstücke Beylichs aus den 1930er Jahren und den darauffolgenden Jahrzehnten. Originale von Lilienthal befinden sich nicht in dem nun übereigneten Konvolut, wie Lukasch sagte. Die Modellzeichnungen Lilienthals, die einst im Besitz von Beylich waren, hatte das Lilienthal-Museum in Anklam bereits 1981 von der Mechaniker-Enkelin Dorothea Frey erworben.

Mit dem Jahr 1932 begann in Deutschland die Welle der Lilienthal-Verehrung. Lilienthals „Fliegeberg“ im heutigen Berlin-Lichterfelde, den der Flugpionier für seine Flugversuche 1894 aufschütten ließ, sei damals zum nationalen Denkmal erklärt worden, sagte Lukasch. Mit der Lilienthal-Euphorie rückte auch Beylich, der nach dem Tod Lilienthals bei der Bahn und später bei AEG gearbeitet hatte, ins Licht der Öffentlichkeit. Beylich konstruierte dann Modelle von Lilienthal-Apparaten.

Der Nachlass von Beylich soll nun gesichtet und in das Archiv eingearbeitet werden, wie Lukasch sagte. Neben dem Deutschen Museum in München zählt das Anklamer Museum zu den weltweit größten Einrichtungen mit Lilienthal-Beständen.

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