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Mecklenburg-Vorpommern

23. November 2017 | 03:06 Uhr

Liebeserklärung an die Meere

vom

svz.de von
erstellt am 11.Jul.2013 | 12:18 Uhr

Stralsund | Brandenburg hat sein Schloss Sanssouci, Hamburg sein St.Pauli und Touristen lieben Mecklenburg-Vorpommern besonders für eines: die Ostsee mit ihren Sandstränden, Seebädern und Inseln - wir haben das Meer vor der Tür. Allmählich macht sich MV auch einen Namen in Sachen Museen. Klar, mit nur 214 Exemplaren ist MV keine Museen-Hochburg. Und trotzdem: Das Deutsche Meeresmuseum spielt seine Trumpfkarte "Meer" aus und thront auf Platz 2 der meistbesuchten Museen Deutschlands.

Mit 3,6 Millionen Gästen seit der Eröffnung des Ozeaneums 2008, haben sich Natureum, Nautineum und Meeresmuseum vereint als Deutsches Meeresmuseum zum nationalen Publikumsmagneten entwickelt. Zum heutigen fünften Geburtstag des Ozeaneums, glänzt es mit positiver Bilanz. Rekord für das Deutsche Meeresmuseum: Allein 2009 strömten 1,2 Millionen Neugierige in den Norden von MV. Im Vergleich: Das Schloss Sanssouci und seine Parkanlage, hatten 2009 etwas über 430 000 Besucher.

Ein Erfolgsgeheimnis könnte in dem Konzept des Ozeaneums liegen: Theorie und Praxis werden miteinander verbunden und Bekanntes aus einem anderen Blickwinkel präsentiert. "Wir sind weit mehr als bloße Unterhaltung, sondern bieten den Besuchern eine lebendige und informative Auseinandersetzung mit Tieren, die sie auch vor ihrer eigenen Haustür finden können", sagt Kerstin Menke vom Ozeaneum- Team.

Schon Ende der 90er-Jahre plante das Deutsche Meeresmuseum in einem weiteren Standort sich den Lebewesen und Problemen der nördlichen Meere - Ostsee, Nordsee und dem Arktischen Ozean - zu widmen. Die Stadt Stralsund stellte die Hafeninsel als Grundstück zur Verfügung, ein internationaler Architekturwettbewerb lieferte das moderne Gebäude-Design, das an vier Steine im Sandstrand erinnern soll.

Mehr als zehn Jahre Planung waren nötig, bis Angela Merkel am 11. Juli 2008 das Ozeaneum eröffnete und Besucher erstmals einen einzigartigen Rundgang durch die heimischen Meere erleben konnten. In den letzten fünf Jahren hat sich einiges getan im Ozean-Museum, doch die vielen Superlative des Museums (siehe Hintergrund-Zahlen) blieben beständig.

Einer davon findet sich gleich im Foyer der Touristenattraktion, die längste freitragende Rolltreppe Europas. Was das mit Ozeanen zu tun hat? Die Länge der Treppe von 34 Metern entspricht der Größe eines einzigen Blauwales. Direktor des Deutschen Museums ist Harald Benke, Meeresbiologe und Walforscher. Seine Leidenschaft für die Riesen spiegelt sich überall im Ozeaneum wider. Aber auch die Kleinstlebewesen der Meere kommen nicht zu kurz.

Gleich im ersten Ausstellungsraum, der sich der Ostsee widmet, findet sich ein fünf mal vier Meter "großer Schluck Wasser". Millionenfach vergrößert zeigt die Deckenplastik Mini-Bewohner der Ostsee wie Plankton und Mikroben. "Wir wollen auch den winzigen Lebewesen einen Platz geben und zeigen, wie wichtig sie sind", erklärt Kerstin Menke. So wurden zu den Geburtstagen des Ozeaneums im Juli 2010 und 2011 die großen Nord- und Ostseeaquarien durch 16 Kleinbecken ersetzt. "In diesen jeweils 150 Liter großen Säulen soll der Blick auf filigrane Meerestiere gelenkt werden", ergänzt Sandra Jahn ihre Kollegin und zeigt auf die Tote Mannshand, eine Korallenart der Nordsee. Der etwas kuriose Name erklärt sich von selbst.

Auch andere skurrile Namen wecken die Aufmerksamkeit der Besucher. "Dienstältester Mitarbeiter" nennen die Führungsleiter des Ozeaneums liebevoll einen Aquarienbewohner. Schon über 50 Jahre soll der Waxdickstör schon sein, niemand weiß es genau. Alexandra und Marion sind zwei Humboldt-Pinguindamen, die auf der Dachterrasse des Ozeaneums hausen. Ihre Namen verdanken die beiden ihren Paten Angela Merkel und Polarforscher Arved Fuchs. Als das Pinguinbecken zum zweiten Geburtstag des Ozeaneums eröffnet wurde, boten sich Paten an, für die Finanzierung des Futters und der Pflege der aus Peru und Chile heimischen Tiere aufzukommen.

Alexandra (nach Alexander von Humboldt, von dem die Pinguinart wiederum ihren Namen bekam) und Marion selbst sind Nachzüchtungen aus deutschen Zoos. "Die Auswahl und Haltung der Tiere unterliegt strengen ökologischen Kriterien", sagt Angela Pieske von der Umweltorganisation Greenpeace, Kooperationspartner des Ozeaneums.

In Zusammenarbeit mit den Umweltschützern entstand 2011 der Besucher-Liebling auf der Hafeninsel: die Ausstellung 1:1 Riesen der Meere. Plastiken aus Styropor, Stahl und Lack zeigen riesige Meeresbewohner - in Originalgröße. Unter ihnen: ein 26 Meter großer Blauwal, noch größer, und die tonnenschwere Säugetierskulptur hätte nicht mehr in die Halle gepasst.

Riesig ist auch die Stromrechnung des Ozean-Museums. Bis zu einer Million Euro fallen dafür an, pro Jahr. Seit Eröffnung steht das Museum als GmbH eigenständig in der Verantwortung seiner Finanzen. Ein Grund, warum 2013 erstmals die Eintrittspreise leicht erhöht wurden. Jedoch sprechen weiterhin die jährlich 600 000 Besucher und lange Schlangen an den Kassen - wie heute zum fünften Geburtstag - für sich.

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