Eklat im Landtag : „Liebe Landsleute“ – darf man das sagen?

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Ungewöhnliche Begrüßung: Landtagspräsidentin knöpft sich AfD-Mann vor

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07. April 2017, 20:35 Uhr

War es zum Ende einer langen Landtagssitzung vielleicht doch nur ein akustisches Missverständnis? Der AfD-Abgeordnete Gunter Jess hatte jedenfalls am Donnerstagabend, wie es sich laut Geschäftsordnung gehört, zu Beginn seiner Rede klar und verständlich die Landtagspräsidentin Sylvia Bretschneider (SPD) und die Abgeordneten begrüßt. Dann schob er noch ein „liebe Landsleute“ und „liebe Gäste“ nach – und da schreckte Bretschneider plötzlich hoch, pustete einmal durch und unterbrach den AfD-Abgeordneten. Offenbar war ihr die Formulierung „Landsleute“ missfallen. Das vermittelt jedenfalls der Videomitschnitt.

Dass die AfD-Abgeordneten anders als die Mitglieder anderer Fraktionen sich in ihren Ansprachen auch direkt an die Bürger wenden, wird mittlerweile mehr oder weniger zähneknirschend hingenommen. „Dass nun auch noch die Landsleute begrüßt werden – das gehört nicht hierher“, maßregelte Bretschneider den AfD-Mann. Es gebe klare Regeln des Anstands und die gelten auch für die AfD, stellte die Landtagspräsidentin klar.

Die AfD-Fraktion nutzte den kleinen Eklat noch am selben Abend und stellte den Videomitschnitt ins Netz. Mit der provokanten Ankündigung: „Bürger im Parlament? Das ging zu weit!“ In den sozialen Netzwerken sei der Clip ein Renner, hieß aus Reihen der Fraktion. Jess selbst sagte zu dem Vorfall: Er habe in seinen Reden bisher immer auch „unsere Landsleute“ begrüßt. Für die Vizepräsidentinnen von CDU und Linkspartei sei das nie ein Problem gewesen. Die Landtagspräsidentin zeige aber, dass sie offenbar ein grundsätzliches Problem mit ihren Landsleuten in Mecklenburg-Vorpommern und der AfD habe. „Für eine Landtagspräsidentin, die ihr Amt neutral ausüben sollte, meines Erachtens ein unhaltbarer Zustand“, schimpfte Jess.

Die Landtagspräsidentin bedauert den Zwischenfall inzwischen. Eigentlich war alles ganz anders gemeint. Der Hinweis an den AfD-Abgeordenten sei in der irrigen Annahme ergangen, er habe versäumt das Präsidium des Landtages entlang der parlamentarischen Gepflogenheiten anzusprechen, teilte ein Sprecher mit. „Die Anrede des Präsidiums hat die Präsidentin zu ihrem eigenen Bedauern überhört“, klärte der Sprecher auf.

Bleibt die Frage, warum Bretschneider den Abgeordneten nicht gleich in der Sitzung darauf ansprach. So lieferte sie den AfD-Politikern eine Steilvorlage, um sich als gegängelte Abgeordnete darzustellen.

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