Schwerin : Liebe kennt keine Grenzen

Jutta und Alan Ebnother in ihrer Wohnung in der Schweriner Innenstadt.
Jutta und Alan Ebnother in ihrer Wohnung in der Schweriner Innenstadt.

Die Deutsche Jutta Ebnother ist glücklich mit dem Amerikaner Alan verheiratet.

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11. Mai 2018, 12:00 Uhr

Eigentlich hatte Alan Ebnother, heute 65 Jahre, alles, was er braucht. Und noch viel mehr erlebt. Nach seiner erfolgreichen Karriere als Ballettmeister und Kunstmaler in Deutschland, der Schweiz und den USA kehrt er nach langer Zeit in seine amerikanische Heimat zurück. Das war genau zum Milleniumswechsel am 31. Dezember 1999. „Wiesbaden war nach so vielen Jahren ein bisschen zu bourgeois geworden“, so der Grund für seine Heimkehr. Und für den Neuanfang mit einer eigenen Ranch in der Wüste von New Mexico. Sein Plan: weiter Kunst zu machen und wie ein Cowboy in der Abgeschiedenheit zu leben.

Doch sein Plan ändert sich, als er bei einem Besuch in Deutschland 2008 die Ballettdirektorin Jutta Wörne kennenlernt. Schnell wird klar: Das hier ist kein Flirt, sondern mehr. Jutta reist zu Alan in die USA. Sie kann sich vorstellen, bei ihm zu leben. „Alan hat mir aber davon abgeraten“, erzählt die heute 46-Jährige. „In New Mexico hätte sie von null anfangen müssen“, fügt ihr Mann hinzu. Das wollte er nicht. Die Tanzszene in den USA sei noch nicht so entwickelt wie in Europa.

Eine gemeinsame Zukunft plant das Paar dennoch – obwohl sie mehr als der Atlantik und ein halber Kontinent voneinander trennt. Auch bei ihren Familien stößt die Beziehung anfangs nicht gerade auf Begeisterung. „Muss das denn jetzt nochmal sein?“, fragen Alans erwachsene Kinder. Er hat schon eine Ehe hinter sich und ist dazu noch 20 Jahre älter als seine Jutta. „Muss das denn jetzt nochmal sein?“, fragen Juttas Eltern und Freunde. Auch sie war vorher schon einmal verheiratet gewesen. Die beiden haben eine einfache Antwort darauf: „Ja, es muss!“

Im August 2010 heiraten Jutta und Alan in den USA. Sie nimmt den Nachnamen ihres Mannes an und heißt seitdem Jutta Ebnother. Zu der Zeit ist Tochter Amelie, die im Januar 2011 geboren wird, bereits unterwegs – Alan lebt aber noch in New Mexico. „Erst einen Monat vor Amelies Geburt konnte er zu mir nach Nordhausen kommen.“ Hier arbeitete die Ballettdirektorin bis 2016 am Theater.

Dann zieht die Familie nach Schwerin. Denn Jutta leitet seit der Spielzeit 2016/17 das Ballettensemble am Mecklenburgischen Staatstheater. Alan hat sein Atelier in der Wohnung der Familie. Sie fühlen sich wohl in ihrer neuen Heimat. „Es ist sehr familienfreundlich hier, die Seenlandschaft ist toll und man kann viel unternehmen“, so Jutta. Sie lieben das geschäftige Treiben in der Innenstadt – deshalb hätten sie ihre Wohnung auch ausgesucht, die genau mittendrin liegt. Auch die Nähe zu Hamburg ist für beide ein Pluspunkt. Das kulturelle Angebot in der kleinen Landeshauptstadt könnte etwas größer sein, gerade weil Schwerin so viel zu bieten hat. Dennoch seien sie sehr zufrieden. „Wir sind glückliche Schweriner“, spaßt Alan.

Dass sich in ihrer Familie verschiedene Kulturen vereinen, ist in ihrer neuen Heimat kein Problem. Bisher haben sie auch nur positive Reaktionen auf Alans Herkunft bekommen.

Dennoch wünschen sie sich, dass die Bevölkerung hier noch etwas offener sein könnte. „Wir finden zum Beispiel das Street Food Festival super“, sagt Jutta. Die riesigen Foodtrucks und das Essen erinnern sie an die USA. Die Menschen sind dann auf der Straße und reden miteinander. Solche Events brauche die Stadt, sind sich die beiden einig. Denn miteinander im Austausch zu sein, das sei ganz wichtig. Auch Kritik des anderen anzunehmen. So funktioniert ihre Beziehung und Liebe – über alle Grenzen hinweg.

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